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Eating vegetables by child make them healthier

Wer braucht schon Pommes? Bild: Getty Images/iStockphoto

Interview

Ernährungsexpertin erklärt: So begeisterst du deine Kinder für Obst und Gemüse

Viele Kinder begeistern sich für alles, was salzig oder süß ist. Ließen Eltern sie also bestimmen, was es zu essen gibt, würden Schnitzel, Pommes oder Pudding Lebensmittel wie Brokkoli, Kohl und Spinat schnell vom Teller verdrängen. Leider ist das weder eine gesundheitsfördernde noch eine ausgewogene Ernährung. Sie kann auf Dauer zu Übergewicht bis hin zu Fettleibigkeit führen.

Ebenfalls problematisch: Wer sich in seiner Kindheit schlecht ernährt, wird auch als Erwachsener dabei bleiben, wie aus einer Untersuchung des Ernährungsjournals Appetite hervorgeht. Früh übt sich also. Eltern können ihren Kindern entsprechend beibringen, wie sie sich dauerhaft gesund ernähren. Schließlich seien Ernährung und Erziehung eng miteinander verknüpft, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Alexa Iwan.

Sie moderierte unter anderem die Sendung "Liebling, wir bringen die Kinder um!", in der sie die Essgewohnheiten von Kindern umkrempelte. Im Interview mit watson erklärt sie, was Eltern tun können, damit sich ihre Kinder für eine ausgewogene Ernährung begeistern.

watson: Was ist gesunde Ernährung?

Alexa Iwan: Ich finde das Wort "gesund" ein bisschen problematisch. Nahrungsmittel, die sich nicht darunter einordnen lassen, werden erstmal abgewertet. Dabei geht es ja beim Essen, wie bei vielen anderen Dingen im Leben auch, um die Dosis. Viele Ernährungswissenschaftler sprechen deshalb nicht von gesunder Ernährung, sondern von einer ausgewogenen.

Das bedeutet?

Stark vereinfacht: Viel Gemüse, Vollkornprodukte, gute Fette wie Lein- oder Olivenöl und etwas Fleisch und Fisch aus guter Haltung – zumindest gilt das für mich. Lebt jemand vegetarisch oder vegan, kann er seine Ernährung entsprechend anpassen. Dasselbe gilt bei Unverträglichkeiten.

Kinder müssen allerdings erst lernen, was ihnen bekommt und was nicht – und erst recht, woraus eine ausgewogene Ernährung besteht. Wie können Eltern ihren Kindern das vermitteln?

Eltern sollten in erster Linie Vorbilder sein. Sagt ein Bild mehr als tausend Worte, sind es bei einer Tat mehr als hunderttausend. Schließlich prägt sich ein Kind das, was du tust, stärker ein als das, was du sagst. Betonst du als Vater etwa, wie gesund Brokkoli ist, lässt ihn dann aber liegen, bringt das nichts. Auch Sätze wie "Heute gönnen wir uns mal eine richtig schöne Portion Pommes" sind kontraproduktiv.

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Alexa Iwan ist seit rund 30 Jahren Ernährungswissenschaftlerin.

Warum genau?

Da steckt das Wort "gönnen" drin, was Pommes zu etwas Besonderem macht. Das Wort "lecker" lässt sie zudem leckerer als andere Lebensmittel erscheinen. Dadurch werden sie stark glorifiziert.

Wie sollte der Satz dann formuliert werden?

Zum Beispiel: "Heute hatte ich keine Zeit zu kochen, also gebe ich mal eine Pommes aus." Das ist völlig neutral. Denn bereits die Aussage, dass es aufgrund von Zeitmangel Pommes gibt, macht sie zur Ausnahme.

Allerdings favorisiert unser Belohnungszentrum im Gehirn Lebensmittel, die einen besonders hohen Fett- oder Zuckeranteil haben, da sie viel Energie liefern. Greifen Kinder dann nicht ohnehin lieber zu Pommes statt zu anderen Lebensmitteln?

Ersteres mag bei manchen Erwachsenen zutreffen, ist aber eher erlerntes Verhalten. Kinder bevorzugen zunächst einmal süße Lebensmittel, weil Muttermilch süß schmeckt. Durch eine liebevolle Esserziehung gilt es nun, sie an andere Geschmäcker zu gewöhnen. Denn Geschmack ist eng mit persönlicher Erfahrung verknüpft.

Es ist doch kein Geheimnis, dass viele Kinder aufgrund des Geschmacks eher zu Pommes greifen als zum Salat mit Olivenöl und Vollkornbrot.

Geschmack ist Gewohnheit. Ein Kind, das immer nur mit Möhrenbrei aus dem Glas gefüttert wurde, wird selbstgemachten zunächst nicht mögen. Es ist schlicht ans Fertigprodukt gewöhnt.

Was ist mit Pommes?

Da gilt dasselbe. Werden sie regelmäßig aufgetischt, wird sich ein Kind nur schwer für Alternativen begeistern. Natürlich haben Pommes etwas, das viele Menschen per se mögen. Das heißt aber nicht, dass ein Kind nicht lernen kann, dass auch gesündere Dinge lecker schmecken.

Wie können Eltern ihren Kindern das beibringen?

Eltern sollten regelmäßig neue Dinge servieren. Das fördert die Neugier ihrer Kinder. Übrigens ist es hilfreich, in der Schwangerschaft möglichst viele unterschiedliche Lebensmittel zu sich zu nehmen. Denn das Fruchtwasser schmeckt nach dem, was die Mutter isst. Dadurch kann ein Kind bereits im Mutterleib verschiedene Geschmäcker kennenlernen.

Aber es gibt doch auch Dinge, die Kinder partout nicht mögen.

Das ist nicht dramatisch. Eltern müssen das dann erstmal akzeptieren. Schließlich hat jeder bestimmte Lebensmittel, die er nicht ausstehen kann. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass man sich nicht auch an diese gewöhnen kann.

Wie das?

Nehmen wir mal an, ich mag keinen Brokkoli. Wenn ich mich überwinde, ihn jeden Tag zu essen, lerne ich mit der Zeit, den Geschmack zu tolerieren – und zu mögen. Das kann jeder schaffen. Wichtig ist nur, am Ball zu bleiben.

Das mag bei einem Erwachsenen funktionieren, aber doch nicht bei einem Kind.

Bei Kindern ist das sogar einfacher. Schmeckt ihnen Brokkoli beim ersten Mal nicht, sollten Eltern diesen zwei, drei Tage später in anderer Form servieren – etwa püriert und unters Kartoffelpüree gemischt. Sobald es sich an den Geschmack gewöhnt hat, probieren sie es nochmal.

Und wenn es wieder schiefgeht?

Dann hilft eine spielerische Komponente. Ich habe meinen Kindern Brokkoli als Minibäumchen verkauft und ihnen erzählt, dass Elefanten sie mit ihrem Rüssel greifen, um ihn zu fressen.

So mancher wird sich aber schwertun, seinen Kindern etwas vorzuspielen.

Kinder freuen sich auch, wenn ihnen statt eines Klecks Püree begraben unter einem Berg Gemüse ein hübsches Bild entgegenlacht. Ich habe zum Beispiel oft Gesichter aus ihrem Essen geformt. Außerdem sollten Kinder am Esstisch gelegentlich mitbestimmen dürfen.

Allerdings wird nicht jedes Kind aus dem Kopf wissen, was es für Gemüsesorten gibt.

Deshalb empfehle ich, das Kind mit zum Supermarkt in die Gemüseabteilung zu nehmen, wo es etwas aussuchen darf. Ohnehin ist es seltsam, dass Kinder stets nach ihrer Meinung gefragt werden, nur nicht am Esstisch. Dabei könnten sie so ihre Neugierde fördern und Alternativen zu Lebensmitteln finden, die sie nicht mögen.

Es gibt auch Eltern, die nicht akzeptieren, wenn ihr Kind etwas nicht mag. Welche Schäden drohen Kindern, wenn sie zum Essen gezwungen werden?

Zwang ist die komplett falsche Herangehensweise. Sätze wie "Du bleibst solange sitzen, bis du aufgegessen hast" können zu Essstörungen führen. Leider machen sich diese häufig erst bemerkbar, wenn es bereits zu spät ist. Kann sich ein Kind aber in die in der Küche einbringen, weiß es im Voraus, was auf seinem Teller landet. Essen wird es so mit positiven Erfahrungen verbunden – und nicht mit einem Schreckensszenario.

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