Closeup of a nervous woman and her doctor wearing face masks and getting a vaccine shot in a doctor's office

Die Impfdebatte verunsichert viele. Welchen Impfstoff solltest du dir spritzen lassen? (Symbolbild) Bild: iStockphoto / Antonio_Diaz

Interview

Auf die Biontech-Impfung warten, selbst wenn Astrazeneca verfügbar ist? Das sagt ein Epidemiologe

Vergangenen Freitag wurde der dritte Corona-Impfstoff in der EU zugelassen: Das Vakzin von Astrazeneca soll bald auch hierzulande verimpft werden, nachdem die Stoffe von Biontech-Pfizer und Moderna im Dezember beziehungsweise Januar den Anfang gemacht haben.

Das Vertrauen in den Impfstoff von Astrazeneca, der bereits seit mehreren Monaten etwa in Großbritannien verabreicht wird, könnte hierzulande allerdings gesunken sein. Groß war die Kontroverse um die Herstellung und Lieferung des Mittels, dessen Hersteller ohne genau Angabe von Gründen plötzlich weniger als die Hälfte der Impfdosen für die EU versprach. Nach aktuellem Stand wird Astrazeneca lediglich 40 der ursprünglich anvisierten 80 Millionen Dosen liefern.

Ist der Impfstoff von Astrazeneca verlässlich?

Erschwerend hinzu kommt, dass der Impfstoff von Astrazeneca aufgrund mangelnder Daten für ältere Menschen lediglich für 18- bis 64-Jährige zugelassen wird und generell über eine niedrigere Wirksamkeit verfügt als andere Impfstoffe: Biontech beispielsweise kommt auf eine Wirksamkeit von 95 Prozent, Moderna auf 94, Astrazeneca jedoch lediglich auf 70 Prozent.

Ist das zu wenig? Ist das Vakzin von Astrazeneca tatsächlich empfehlenswert, oder solltest du lieber darauf warten, bis du eine Impfung von Biontech oder Moderna bekommst? Darüber hat watson mit dem Epidemiologen Timo Ulrichs von der Akkon-Hochschule in Berlin gesprochen.

"Konventionelle Impfstoffe, auch der gegen die saisonale Influenza, haben einen Schutz wie der Impfstoff von Astrazeneca."

watson: Was bedeutet es eigentlich genau, dass ein Impfstoff wirksamer ist als ein anderer? Heißt das, dass Biontech oder Moderna mich nach einer Impfung stärker schützen als Astrazeneca?

Timo Ulrichs: Man muss hier zwischen Individualschutz und Schutz der Population unterscheiden. Rein rechnerisch wäre das so, dass Biontech oder Moderna stärker schützen. Aber es kommt auch noch der Umgebungsschutz hinzu: Das heißt, wenn die Menschen um mich herum auch geimpft sind, ist die Schutzwirkung komplett.

Ist es sinnvoll, auf eine Impfung mit Biontech oder Moderna zu warten, auch wenn es schon die Möglichkeit gibt, Astrazeneca verabreicht zu bekommen?

Konventionelle Impfstoffe, auch der gegen die saisonale Influenza, haben einen Schutz wie der Impfstoff von Astrazeneca. Daraus ergibt sich, dass man sich bedenkenlos auch mit dem Astrazeneca-Impfstoff impfen lassen kann. Das sieht man auch an der Anwendung in Großbritannien.

"Man kann darauf vertrauen, dass alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe schützen werden und sicher sind."

Glauben Sie, dass es bald die Möglichkeit geben wird, sich einen Impfstoff auszusuchen?

Das wäre organisatorisch zu aufwendig – man kann darauf vertrauen, dass alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe schützen werden und sicher sind.

Wie sinnvoll oder wahrscheinlich ist es, dass ich mich erst mit Astrazeneca impfen lasse – und später mit Biontech oder Moderna nachimpfe?

Das ist nicht notwendig.

Was halten Sie von den Impfstoffen von Johnson & Johnson und Curevac, die ebenfalls dieses Jahr auf den Markt kommen könnten? Sind sie genauso vielversprechend wie die bisherigen Impfstoffe, die bereits in der EU zugelassen sind?

Ja, darauf deuten alle vorläufigen Daten. Curevac wird ähnlich gut sein wie Moderna oder Biontech, da es sich auch um einen mRNA-Impfstoff handelt. Der Impfstoff von Johnson & Johnson wird auch gute Ergebnisse erzielen und zudem noch den Vorteil haben, dass eine einmalige Impfung ausreichen wird.

Für wie realistisch halten Sie Angela Merkels Versprechen, dass bis August jeder Mensch hierzulande, der sich impfen lassen will, ein Impfangebot haben wird?

Das wird sehr gut möglich sein, da wir mit der Durchimpfung bald aufholen werden. Die Anfangsschwierigkeiten verzögern zwar die Impfung der priorisierten Gruppen, wenn aber dann genug Impfstoff vorhanden sein wird, können wir unmittelbar in die Breite gehen.

(ak)

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