Leben
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Die Fahrgeschäfte im Europa-Park werden ab Freitag alle wieder geöffnet sein. Bild: Europa-Park /

Interview

Freizeit-Park-Besitzer bangt wegen Corona: "Allein 10.000 Euro Stromkosten täglich"

Der Nervenkitzel, den wir beim Besuch eines Freizeitparks erleben, wird sich dieses Jahr wohl aus leicht veränderten Gründen einstellen: Während uns normalerweise bei wilden Loopings und steilen Abfahrten vor Schreck das Herz in die Hose rutscht, wird das von nun an möglicherweise schon beim Anstehen vor der Achterbahn passieren. Und zwar immer dann, wenn die anderen Besucher den Abstand nicht einhalten. Schließlich befinden wir uns immer noch in der Corona-Pandemie.

Wochenlang standen die Freizeitparks in Deutschland still: Wo sich normalerweise fröhliche Menschen in freudiger Erwartung auf die Fahrgeschäfte durchdrängen, herrschte nun gähnende Leere. Abgesehen von dem traurigen Bild, den diese sonst so vergnüglichen Orte in diesem Frühling abgegeben haben, bangten die tausenden Mitarbeiter von Vergnügungsparks um ihre Jobs.

Ein Glück, dass viele Parks von heute an wieder öffnen dürfen. Für Roland Mack, Chef des Europa-Parks in Rust nahe der Grenze zu Frankreich, bedeutet sein Vergnügungspark neben seiner Familie alles. Die Belastung während der Corona-Krise spürte er deutlich, aber er sagt auch: "Da gibt es als Unternehmer tatsächlich einen Krisenmodus, der vieles andere ausblendet."

Im Interview mit watson schildert Mack das mulmige Gefühl, das er angesichts des menschenleeren Parks hatte, spricht über die finanziellen Verluste – aber auch, wie viel Mut ihm die Fans und Gäste machen.

"So etwas hätte ich mir nie vorstellen können."

Roland Mack, als er den Europa-Park ganz ohne Besucher erlebte.

Als klar wurde, dass durch Corona eine Schließung des Europa-Parks unumgänglich ist: Was waren Ihre ersten Gedanken und Gefühle?

Wir haben schon einige Woche zuvor in China gesehen, dass Freizeitparks geschlossen wurden und natürlich dennoch die Hoffnung gehabt, das Virus zieht an uns vorbei. Als klar wurde, dass wir unsere neue Wasserwelt Rulantica schließen müssen und den perfekt vorbereiteten Europa-Park nicht öffnen dürfen, war das schon ein sehr seltsames Gefühl. Ich habe dann versucht, in einen Krisenmodus zu schalten, um gemeinsam mit einem Krisenstab bei uns im Unternehmen alle erforderlichen Maßnahmen in die Wege zu leiten.

Bangt man da um das Familienerbe?

Ja, durchaus. Unser Familienunternehmen Mack besteht jetzt seit 240 Jahren. Es gibt nicht mehr viele Firmen in Deutschland, die so alt sind. Natürlich will kein Firmenchef, dass sein Traditionsunternehmen in seiner Zeit der Verantwortung verschwindet. Letztlich bin ich nur ein Treuhänder, um das Beste aus der Firmengruppe Mack für die nächsten Generationen zu machen.

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Unternehmer Robert Mack im Europa-Park. Bild: Europa-Park

Was für Auswirkungen hatte oder hat Corona auf die Mitarbeiter und die lokale Umgebung? Gab es da Existenzängste?

Da gab und gibt es viele Existenzängste, auch im Umfeld des Europa-Parks, auch bei Zulieferern. Rund 2000 Mitarbeiter waren und sind in Kurzarbeit, rund 2000 Mitarbeiter konnten zum geplanten Saisonstart Ende März ihre Arbeit nicht beginnen. Das sind schon harte Einschnitte.

Welche Kosten laufen weiter, auch wenn ein Park stillsteht?

Obwohl alles heruntergefahren ist, entstehen erhebliche Kosten. Allein 10.000 Euro täglich für Strom. Außerdem bauen wir mit Hochdruck an unserer Großattraktion Piraten in Batavia weiter, da sind mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigt. Auch Marketing und Verwaltung laufen in vielen Teilen weiter.

"Am Ostersonntag zum Beispiel zeigten sich 280.000 blühende Blumen und der Park damit von seiner schönsten Seite – aber ganz ohne Menschen."

In einem menschenleeren Park herumzulaufen – wie fühlt sich das als Besitzer an?

Das ist bitter und skurril zugleich. Am Ostersonntag zum Beispiel zeigten sich 280.000 blühende Blumen und der Park damit von seiner schönsten Seite – aber ganz ohne Menschen. So etwas hätte ich mir nie vorstellen können. Ein unglaubliches Gefühl, das ich kein zweites Mal brauche.

Wie aufwendig waren die Vorbereitungen auf eine Öffnung unter den Corona-Richtlinien?

Sehr – es gibt viele Umbauten, Markierungen, Trennwände und neue Wegführung. Wir brauchen allein für mehr als 100.000 Euro Desinfektionsmittel. Wir haben eine eigene App entwickelt, die den Besuchern zeigt, ob sie die Distanz perfekt einhalten. Wer sich vorbildlich verhält, kann am Abend einen Preis gewinnen. Auch die Anstehschlangen an den Fahrattraktionen können künftig über die App gesteuert werden. Wichtig ist: Wir sitzen mit unseren Besuchern in einem Boot. Alle müssen mitmachen, sonst klappt es nicht.

Welche Auswirkungen hat die vorübergehende Schließung finanziell für den Park?

Wir haben bislang rund 100 Millionen Euro Umsatz verloren. Das Betreiben des Parks mit lediglich 10.000 Besuchern am Tag wird uns auch keinen Gewinn, sondern lediglich eine schwarze Null bringen.

Nun kann am Freitag geöffnet werden – werden Sie selbst da sein?

Aber klar bin ich da! Wo sollte ich sonst sein? Und meine ganze Familie und alle Führungskräfte werden ebenfalls anwesend sein. Da gibt es keine Pfingstfeiertage! Wir werden alle präsent sein und mithelfen, um einen reibungslosen Start zu gewährleisten.

Was erhoffen Sie sich von der kommenden Saison? Glauben Sie, dass die Einkommenseinbußen annähernd ausgeglichen werden können?

Ich glaube, betriebswirtschaftlich können wir das Jahr 2020 abhaken. Ich hoffe aber, dass wir 2021 wieder zu besseren Zahlen kommen.

"Wir bekommen sehr viele E-Mails von Fans und Gästen, die zu uns stehen und uns Mut machen."

Wie ist die Stimmung jetzt?

Sicherlich etwas bedrückt, aber gleichzeitig herrscht jetzt auch Aufbruchstimmung. Was unglaublich schön ist: Wir bekommen sehr viele E-Mails von Fans und Gästen, die zu uns stehen und uns Mut machen. Alle warten ungeduldig darauf, dass es wieder losgeht, die meisten haben aber auch großes Verständnis für die Einschränkungen in dieser Situation. Und alle Mitarbeiter stehen fest zusammen, das ist ein sehr schönes Gefühl.

Interview

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