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Meghan Mamma Mia

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Kommentar

Meghan, du bist nicht allein! Das Hochzeitschaos in Patchwork-Familien

Liebe Meghan,

Es könnte alles so schön sein. Da hast du einen Typen gefunden, mit dem du dich totlachst und der die Finger nicht von dir lassen kann. Und dann ist dieser Kerl nicht nur ein Brite, sondern auch noch ein Prinz Harry of Wales – eine Hochzeit wird da vorausgesetzt. Und zwar eine richtig große, mit allem dazugehörigem Zeremoniell.

So vertraut sehen Meghan und Harry miteinander aus

Zum neidisch werden, denken da manche. Ist doch toll, wenn man das Geld hat! Da lädt man einfach mal all seine Liebsten ein und feiert gemeinsam das Liebesglück. Wann kriegt man die sonst schon gleichzeitig an einen Tisch?

Juhu! Das wird super!

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Alle. Gleichzeitig. An einem Tisch.

Ich kenne Menschen, denen bei dieser Vorstellung sofort ganz anders wird – und diese Menschen sind allesamt Scheidungskinder, Patchwork-Opfer. So wie du, Meghan.

Sie wissen, was Hochzeit auch heißen kann, nämlich: Nach jahrelanger und hart erkämpfter diplomatischer Eiszeit plötzlich die atomare Kernschmelze, der absolute Eklat. 

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Wie das dann aussieht, erfahren wir gerade bei dir. 

Deine Halbgeschwister Samantha Markle und Thomas Markle Jr., mit denen du seit 10 Jahren nicht mehr gesprochen hast ziehen erst öffentlich über dich her – und erwarten dann trotzdem eine Einladung.

Dein Vater, der einen Fotodeal mit der Presse machte, beschloss, einfach gar nicht mehr zu kommen, obwohl er dich zum Altar hätte führen sollen. Jetzt soll er auch noch vor Stress einen Herzinfarkt erlitten haben. 

Und deine Mutter, die als dein Fels in der Brandung gilt und dich alleine großzog – wird dank uralter Royal-Traditionen kaum eine Rolle bei der Zeremonie spielen dürfen. 

Warum kann die Mama Meghan nicht zum Altar führen, wie in Mamma Mia?

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Mamma Mia Video: YouTube/Rafaela96april

Für die Medien scheint das Drama um dich, die Bürgerliche mit der wirren Familiengeschichte, unschicklich und ungewöhnlich zu sein.

Ist es aber schon lange nicht mehr. 

Inzwischen werden fast 40 Prozent aller Ehen (aktuelle Statistik in Deutschland) wieder geschieden. Trennungskinder wachsen oft nur bei einem Elternteil auf, erleben wie Geschwister sich entfremden, Papa sich neu verliebt und wichtige Beziehungen kaputt gehen. 

Die Kränkungen, die dabei entstehen, werden meist jahrelang in kollektivem Schweigen begraben, was wunderbar funktioniert – bis der Hochzeitstag näher rückt...

Denn bei diesem einen, verflixten Lebensereignis werden all diese einzelnen, kleinen Konflikte wie durch ein Brennglas gebündelt und schon entfacht ein emotionaler Waldbrand.

Da prallen Eltern aufeinander, die sich das letzte Mal vor dem Scheidungsrichter nicht mal mehr die Hand schütteln wollten. Sie haben ihre Ex-Affären im Schlepptau, die ihrerseits unbedingt beweisen wollen, dass sie inzwischen zu ernst zu nehmenden Familienmitgliedern aufgestiegen sind. Und obendrauf kommen all die Halb- und Stiefgeschwister, die wie Bundestagsabgeordnete Partei beziehen müssen.

Alle haben eine emotionale Agenda. Und jede Entscheidung des Brautpaars wird überinterpretiert: Wer wurde eingeladen? Wer sitzt an welchem Tisch? Und wer darf eine Rede halten?

Außenstehende mit funktionierenden Familien beglücken Patchwork-Bräute häufig mit simplen Tipps. "Es ist ja DEIN Tag. Ich würde mir da nicht reinreden lassen." Oder "Wer damit nicht klar kommt, soll halt wegbleiben."

Das ist Unsinn. Jeder Mensch, in dem auch nur eine halbe Aorta pocht kann nicht einfach sagen: "Ach, dann heirate ich eben ohne Papa, wenn er sich so doof anstellt" oder "Dann sitzt Mutti eben heulend am Esstisch. Ihr Problem". 

Weil wir unsere durchgeknallte Mischpoke ja trotzdem lieben. Weil wir uns alle einen schönen Hochzeitstag wünschen, selbst eine Prinzessin. Und so versucht man verzweifelt, doch noch alle zufrieden zu stellen.

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So kenne ich das auch aus meinem Umfeld: Meine Freundin, Braut 1, die sich monatelang mit der Frage quälte, ob sie ihren Vater zur Hochzeit einladen muss, obwohl der sich seit zwölf Jahren nicht mehr meldet. 

Oder Braut 2, die an ihrem großen Tag von Tisch zu Tisch rannte, weil ihre Eltern kein Wort mehr miteinander reden. 

Und Braut 3, die ihre gekränkte Stiefmutter wochenlang trösten musste, weil sie keinen Platz mehr für deren Kinder aus erster Ehe hatte.

Ich hoffe für dich, dass du nicht zu traurig bist, dass zwar tausend Kameras auf dich gerichtet sein werden, dein eigener Vater aber nicht kommen kann. Dass du es dir nicht zu Herzen nimmst, wenn die Leute lästern und den Samstag trotz Spektakel und Stress genießt.

Vielleicht ist es dir aber auch einfach schon ein Trost zu wissen: Meghan, du bist nicht alleine. Verkorkste Familien gibt es überall – frag mal deinen Verlobten...

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