Polizei ermittelt wegen Missbrauchsvorwürfen gegen #MeToo-Stimme Asia Argento

20.08.2018, 17:1921.08.2018, 09:34

Asia Argento war eine der ersten Frauen, die angab, von Ex-Hollywood-Mogul Harvey Weinstein sexuell missbraucht und vergewaltigt worden zu sein. Die italienische Schauspielerin wurde zu einer der lautesten Stimmen der #MeToo-Bewegung.

Nun gibt es Vorwürfe gegen sie, inzwischen hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Sie soll einen Minderjährigen sexuell belästigt und ihm dafür Schweigegeld gezahlt haben. Das hat die "New York Times" veröffentlicht

4 Fragen und Antworten zu dem Fall: 

Wer ist Asia Argento?

Asia Argento ist eine italienische Schauspielerin und eine der führenden Stimmen in der #MeToo-Debatte. In der Enthüllungsgeschichte des Journalisten Ronan Farrow im "New Yorker" wurde bekannt, dass sie von Ex-Hollywoodmogul Harvey Weinstein vergewaltigt worden sein soll. 

Dazu soll es in einem Hotel im Jahr 1997 an der Côte d'Azur gekommen sein – damals war Argento 21 Jahre alt. Die Schauspielerin sei vom Produzenten auf ein Zimmer eingeladen worden. Statt der angekündigten Party habe Argento dann aber nur Weinstein dort vorgefunden. 

Der Produzent habe von ihr verlangt, dass sie ihn massiere und sie habe widerwillig zugesagt. Anschließend habe er ihren Rock hochgehoben, ihre Beine auseinander gezwungen und Oralsex an ihr ausgeübt. 

Sie haben ihm mehrfach gesagt, dass er aufhören solle, aber Weinstein...

"versetzte mich in Panik und er war so groß. (...) Es hörte nicht auf. Es war ein Alptraum."
 Asia Argento
new yorker 

Argento, die danach eine "Beziehung" mit Weinstein eingegangen sei und in den folgenden fünf Jahren mehrfach willentlich mit Weinstein geschlafen habe, sagte dazu:

"Ich fühlte mich so, als ob ich musste."
Asia Argento new yorker 

Weiter sagte sie, sie wollte Weinstein "nicht erzürnen", denn sie glaubte, dass er dann ihre Karriere zerstören könnte. "Wenn ich ihn sehe, dann fühle ich mich klein und dumm und schwach."

Zum Abschluss der diesjährigen Filmfestspiele in Cannes wiederholte Argento die Vorwürfe und sprach erneut von Vergewaltigung und davon, dass "Weinstein niemals mehr in Cannes willkommen sein" werde. Weinstein selbst bestreitet die Vorwürfe. 

Was ist jetzt passiert? 

Asia Argento soll nach Informationen der "New York Times"  einem Mann, den sie sexuell missbraucht haben soll, Schweigegeld bezahlt haben. Demnach soll der Schauspieler und Musiker Jimmy Bennett 380.000 Dollar (333.000 Euro) von ihr bekommen haben. 

Bild: imago/ZUMA Press

Die Zeitung beruft sich auf ihr vorliegende Unterlagen, deren Herkunft sie nicht benennt. Drei mit dem Fall vertraute Persönlichkeiten sollen der "New York Times" die Echtheit der Unterlagen bestätigt haben.

Die Vorwürfe: 

  • Bennett zufolge soll der sexuelle Übergriff 2013 in einem Hotel in Kalifornien stattgefunden haben.
  • Demnach soll sie Bennett und ein Familienmitglied in ihr Hotelzimmer eingeladen haben. Anschließend soll Argento darum gebeten haben, mit dem damals 17 Jahre alten Schauspieler alleine gelassen zu werden. 
  • Sie soll ihm Alkohol gegeben haben und ihm Notizen, die sie an ihn geschrieben hatte, gezeigt haben. 
  • Dann soll sie ihn geküsst, auf das Bett gedrückt, seine Hose runtergezogen und Oralsex an ihm vollzogen haben. 
  • Anschließend soll sie sich auf ihn gesetzt und zweimal Sex mit ihm gehabt haben.
  • Im Dokument soll es weiter heißen, dass Argento Bennett dazu aufgefordert habe, Fotos zu machen – ein intimes Close-up soll sie später auf Instagram gepostet haben. 
  • Auf drei weiteren Bildern, die im Bett gemacht worden seien, seien eindeutig die nackten Körper der beiden zu erkennen. 
  • Argento habe Bennett anschließend nach Hause gefahren. Zu diesem Zeitpunkt habe Bennett begonnen: "sich sehr verstört, gedemütigt und angeekelt" zu fühlen. 
  • Argento war damals 37 Jahre alt, Bennett war zwei Monate zuvor 17 geworden. Das gesetzliche Mindestalter für einvernehmlichen Sex liegt in Kalifornien bei 18 Jahren.

Der Deal zwischen Argento und Bennett soll im April zustande gekommen sein. Die Zeitung versuchte nach eigenen Angaben wiederholt vergeblich, eine Stellungnahme von Argento oder ihren Vertretern zu bekommen. Argentos Anwältin Carrie Goldberg sagte, mit dem Geld habe Bennett "geholfen" werden sollen.

Wie geht es in dem Fall jetzt weiter?

  • Für Bennetts Anwälte war der Vorfall in dem Hotel eine "sexuelle Nötigung", durch das der einstige Kinderdarsteller traumatisiert wurde – mit Folgen für seine geistige Gesundheit und sein Einkommen.
  • Angeblich soll Argento nun wegen sexuellen Übergriffen und Nötigung auf Schadenersatz in Höhe von 3,5 Millionen Dollar verklagt werden.
  • Inzwischen hat die Polizei in Las Vegas die Ermittlungen aufgenommen. Wie der "Guardian" berichtet, werden die  Ermittler versuchen mit Jimmy Bennett und seinem Umfels sprechen. 

Wie sind die Reaktionen?

Führende Vertreterinnen der #MeToo-Bewegung wie Tarana Burke und Rose McGowan rückten am Montag von Asia Argento ab, berichtete die Plattform "Daily Beast".

Tarana Burke startete #MeToo

From girls inc. #taranaburke #metoo #tarana

Ein Beitrag geteilt von Melissa Lopez, LCSW/Therapist (@counseling4allseasons) am

Burke ist eine der Gründerin der Bewegung. McGowan ist eine der Schauspielerinnen die Harvey Weinstein des sexuellen Missbrauchs bezichtigte. Sie erklärte auf Twitter:

""Mein Herz ist gebrochen. Aber ich werde meine Arbeit fortsetzen – im Sinne der Opfer.
Rose McGowan, Schauspielerin

Zugleich warnte McGowan davor, Asia Argento vorzuverurteilen. Niemand, kenne die Wahrheit, twitterte sie.

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