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Mutter mit Vollzeit-Job: Warum keine Zeit für das Feierabend-Bier ist

Die lustigen Geschichten über das gemeinsame Feierabendbier kann man sich nur im Nachhinein anhören.
Die lustigen Geschichten über das gemeinsame Feierabendbier kann man sich nur im Nachhinein anhören.Bild: shutterstock / rogistok
Mom at Work

Keine Zeit für das Feierabendbier: Warum man als Mutter im Job oft die Außenseiterin ist

06.02.2023, 16:0224.04.2023, 10:58
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Als Mutter ist man strenger durchgetaktet als ein General. Schon morgens wird direkt nach dem Aufstehen zum Angriff geblasen: Katzenwäsche, Zähneputzen, Anziehen, für Mama ein Kaffee, für das Kind eine Banane und ab geht die Post. Keine Zeit zum Trödeln.

Denn die Timeslots über den Tag sind möglichst knapp kalkuliert, jegliche Verzögerungen wie Wutanfälle oder Handy-Suchen sind eine kleine Katastrophe. Klar könnte man morgens früher aufstehen als 6 Uhr. Manche mögen das schaffen, ich gehöre nicht dazu. Und so ist mein Morgen zwar einerseits sehr stressig, ermöglicht aber andererseits auch etwas mehr Schlaf – und der ist kostbar. Denn Durchschlafen ist auch mit einem Kind von zwei Jahren noch nicht so richtig im Angebot.

Um den Alltag mit Kind und Job zu stemmen, bin ich als Mama auch meist eine der ersten im Büro. Statt gemütlich mit einem Kaffee und einem Schnack in den Tag zu starten, gebe ich gleich von Anfang an Vollgas. Aus Sorge, nicht mit der Deadline fertig zu werden, bis ich wieder losmuss. Denn der Zeitpunkt für den Feierabend ist für Eltern oft nicht verhandelbar: Für mich als Mama geht der Stundenplan auch weiter, wenn ich längst aus der Arbeit raus bin.

Raus aus der Arbeit und ab auf den Spielplatz.
Raus aus der Arbeit und ab auf den Spielplatz.bild: pexels/Gustavo Fring

Entweder muss ich es schaffen, das Kind pünktlich aus der Kita abzuholen oder noch etwas Dringendes erledigen: Essen, Windeln oder Klamotten kaufen, mit dem Hund rausgehen, Putzen, Wäschewaschen, Elterngespräch oder Arztbesuch. Irgendwas ist immer. Dieser durchgetaktete Tag geht meist so lange, bis das Kind im Bett ist – und manchmal noch darüber hinaus. Denn bis das Kind erst mal schläft ... das kann dauern. An manchen Tagen auch mal zwei Stunden.

Bis man dann mal selber gegessen und das abendliche Chaos grob beseitigt hat, kann es schon mal 21 Uhr werden. Und damit fast schon wieder Zeit, ins Bett zu gehen. Es fühlt sich manchmal absurd an, um 19 Uhr mit dem Kind im Bett zu liegen, während Kolleg:innen gerade erst Feierabend machen – oder eben noch etwas unternehmen. Da ich so früh und direkt nach Hause muss, meist ohne mich.

Keine Zeit für ein Feierabendbierchen

Denn mein Alltag besteht aus dem ständigen Kampf, jeden Tag aufs Neue irgendwie alles unter einen Hut zu bringen. Zeit für alles über das Nötigste hinaus ist da wenig. Mal ein Abend für Freunde alle zwei Wochen ist schon drin. Aber Zeit, gemütlich mit Kolleg:innen mittags Essen zu gehen, einen Kaffeetratsch in der Küche einzulegen oder gar nach der Arbeit noch ein paar Feierabendbierchen zu trinken? Davon kann ich nur träumen.

Nicht mal zu den großen Firmenfeiern habe ich es bisher geschafft: Weihnachtsfeier, Einstand des Chefs, Sommerparty – alles ohne mich. Und alles ohne die meisten anderen Mamas aus der Firma.

Während die Kolleg:innen noch ein Bier trinken, liegen die meisten Mütter schon im Bett.
Während die Kolleg:innen noch ein Bier trinken, liegen die meisten Mütter schon im Bett.pexels/rodnae productions

Und das, obwohl ich mir jedes Mal so viel Mühe mache, dabei zu sein. Schon Wochen vorher habe ich mir die Slots für Arbeitsevents freigeschaufelt und mich wie Bolle darauf gefreut, endlich mal ein bisschen Freizeit mit Kolleg:innen zu verbringen. Ein bisschen quatschen, was nicht mit Arbeit zu tun hat, ein bisschen was trinken und sich besser kennenlernen. Aber zweimal wurde das Kind krank, einmal ich und einmal habe ich einfach verschlafen. Ich bin allen Ernstes bei der Einschlafbegleitung mit eingeschlafen. Richtig cool.

Vom Feiern bleiben für Mütter nur die Geschichten von anderen

Dabei bin ich gar nicht so langweilig, wie sich das anhört. Ich kann ich durchaus richtig gut feiern und mache das auch gern. Aber es scheint, das Schicksal hat sich gegen mich verschworen. Oder meine Lebensentscheidungen. Während der Rest der Belegschaft einen tollen Abend verbringt, bleiben für mich nur die Geschichten davon übrig: Kleine Brösel eines Gemeinschaftsgefühls, von dem ich als Mama meist ausgeschlossen bin.

Denn freie Abende zum Feiern sind für Eltern genauso verlockend wie heimtückisch. Partynächte sind eine tolle Idee – in der Theorie. In der Realität müssen wir mit den Konsequenzen leben, die uns am nächsten Morgen um 5 Uhr mit einer kleinen Kinderfaust auf den Kopf hämmern. Theoretisch möglich, so was zu erleben. Einfach nur, um sich wieder jung und frei zu fühlen. Praktisch eine ganz schlechte Idee, die man nach einem Horrortag mit höllischen Kopfschmerzen und anstrengendem Kind echt nicht mehr wiederholen will.

Mit Kater aufs Kind aufpassen? Keine gute Idee!
Mit Kater aufs Kind aufpassen? Keine gute Idee! Bild: iStockphoto / Antonio_Diaz

Natürlich ist es auch ein bisschen meine eigene Schuld, dass ich nicht öfter bei After-Work-Festivitäten dabei bin. Ich könnte dem Feierabendbier natürlich mehr Priorität in meinem Leben einräumen, aber wenn ich ehrlich zu mir bin: Wenn ich schon mal etwas freie Zeit habe, verbringe ich die meist dann doch zuerst mit meinen engsten Freund:innen, die ich eh viel zu selten sehe. Damit sie nicht irgendwann weg sind.

Mehr als zwei freie Abende unter der Woche sind beim besten Willen nicht drin. Einmal Freunde, einmal Sport: so viel Freizeit muss reichen. Zeit ist die knappste und wertvollste Ressource, die wir Eltern haben, auch um diese mit unseren Kindern zu verbringen. Freizeit ist ein Luxusgut. Diese Zeit zu verteilen, bestimmt unser Leben – proportional zunehmend zum Alter und der Anzahl unserer Kinder. Die Erstellung des wöchentlichen Zeitplans und die Verteilung der Aufgaben wird zum Hauptgesprächsthema mit dem Partner. Und zum Haupt-Streitpunkt.

Warum kein Frühstückssekt statt Feierabendbier?

Man kann nicht alles haben als Mutter, diese bittere Lektion hab ich schon früh gelernt. Wir als Frauen können froh sein, wenn wir Karriere und Kinder überhaupt unter einen Hut bringen und verständnisvolle Arbeitgeber haben. Freie Abende mit den Kolleg:innen sind für uns ein Luxus, den wir uns selten leisten können. Oder die Nanny, die dazu nötig wäre. Vielleicht ist es dekadent, darüber zu meckern, dass die Zeit fehlt, um auch nach der Arbeit etwas mit den Kolleg:innen zu unternehmen. Was sollen Alleinerziehende da bloß sagen? Und oft will ich auch von mir aus nichts anderes, als direkt nach der Arbeit nach Hause zu rennen und Zeit mit meinem Kind zu verbringen.

Aber ich glaube, dass es für das Team und die Atmosphäre wichtig ist, auch mal ohne Arbeit zusammen zu sein. Der Geburtstag eines Kollegen, der Abschied einer anderen Kollegin oder der Einstand eines neuen Team-Mitglieds sollten natürlich gebührend gefeiert werden. Und das Angebot ist da, ich kann es nur nicht nutzen – so gern ich möchte.

Natürlich will ich meinen Kolleg:innen nicht vorschreiben, wie und wann sie zu feiern haben. Die Art und Uhrzeit gemeinschaftlicher Aktionen schließen Eltern aber meist leider aus. Man könnte ja mal ein gemeinsames Teamfrühstück einführen, statt des klassischen Feierabendbiers. Ja, wo ist nur das gute alte Boomer-Arbeitsfrühstück geblieben, wo sich morgens schon der Rotkäppchen-Sekt hinter die Binde gegossen wurde?

Ist natürlich nicht so lustig wie ein Kneipenabend in der Stadt. Aber man kann ja kreativ sein: Der eine oder andere Frühstückssekt bringt bestimmt Schwung und gute Laune für den restlichen Arbeitstag....

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