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Dating zum Valentinstag: Wie der romantischste Tag des Jahres zum Desaster wurde

Ein romantisches Dinner mit Wein und guten Gesprächen zum Valentinstag? Davon träumte unsere Autorin.
Ein romantisches Dinner mit Wein und guten Gesprächen zum Valentinstag? Davon träumte unsere Autorin.bild: pexels
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Valentinstag: Wir wollten pure Romantik und versanken vor lauter Peinlichkeit fast im Boden

14.02.2024, 17:1914.02.2024, 17:22
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Ich bin stark, unabhängig – und hoffnungslos romantisch. Das geht sogar so weit, dass ich manchmal selbst die Augen verdrehen muss, wenn ich beim Lesen eines Romans oder dem Schauen eines Liebesfilms mal wieder Rotz und Wasser heule. Versteht sich von selbst, dass ich die Filme von Nicholas Sparks quasi auswendig mitsprechen kann (und trotzdem jedes Mal wie ein Schlosshund weine).

Mit einer Ausnahme: Valentinstag. Ein Tag der Konsumschlacht, an dem man völlig überteuerte Rosen, Herzpralinen, Ballons, übergroße Teddybären und Herz-was-auch-immer kaufen kann. Das finde selbst ich so übertrieben, dass ich meinem Freund am Anfang unserer Beziehung ziemlich deutlich gesagt habe, dass ich mich an jedem anderen Tag des Jahres über Blumen freue, nicht aber am Valentinstag.

"Wer solche Bilder im Kopf hat, der hat wohl ein paar Mal zu häufig den Film 'Valentinstag' gesehen (wie ich)."

Gänzlich von dem Tag freimachen, kann aber auch ich mich nicht. Da kommt die Romantikerin in mir zu sehr durch. Leider.

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Kitsch und Konsum: Worum es beim Valentinstag eigentlich geht.Bild: IMAGO/Tatiana Bolari

Der ganz und gar perfekte Valentinstag

Es war einige Wochen vor dem 14. Februar vor einigen Jahren, als ich mit einer Freundin um die Hamburger Alster schlenderte und völlig entzückt vor einer ausgestellten Speisekarte eines Bootsrestaurants stehen blieb. Ein romantisches Dinner mit Alsterblick zum Valentinstag? Ich war hin und weg. Also reservierten mein Freund und ich einen Tisch für den Abend.

Hätten wir das mal lieber gelassen.

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Natürlich hatte ich übergroße Erwartungen – ich sah uns schon romantisch bei Kerzenschein dort sitzen, Spaghetti schlürfen und gemeinsam anstoßen, auf die Liebe selbstverständlich. Rückblickend kann ich nur sagen: Wer solche Bilder im Kopf hat, der hat wohl ein paar Mal zu häufig den Film "Valentinstag" gesehen (wie ich).

"Wir lächelten verlegen. Die Herzchen in unseren Augen waren blanker Panik gewichen."

Der erste Schreck kam direkt beim Betreten des Restaurants. Um dem übergroßen Andrang verliebter Pärchen am Valentinstag Herr zu werden, hatten die Betreiber des Restaurants die Tische quasi nebeneinander aufgereiht. Zweisamkeit und tiefgründige Gespräche? Nicht, ohne dass das Pärchen vom Nachbartisch mitreden konnte. Schlimmer noch, man musste eher noch aufpassen, dass man nicht versehentlich das Weinglas des Nebenpärchens austrank.

Aber gut, dachte ich mir. Ist halt so, wenn man am Valentinstag essen geht, wie der Großteil aller anderen Pärchen auch. Hatte außerdem was Amerikanisches, versuchte ich mir das Ganze schönzureden.

Preis-Schock auf leeren Magen macht Date zum Desaster

Als wir am Tisch saßen und unseren Kellner um die Karte baten, schüttelte der nur den Kopf. "Heute kann man nicht à la Carte essen", sagte er. "Heute gibt es nur unser Valentinstags-Menü" – er machte eine ausschweifende Handbewegung zu einer Tafel, auf der fein säuberlich zwei Drei-Gänge-Menüs zur Auswahl standen. Wir überflogen die Menüs, die uns wohlgemerkt nicht aus den Socken hauten und rissen entsetzt die Augen auf, als unser Blick auf den Preis fiel: 120 Euro – pro Person? Ohne Getränke (von dem Gläschen Champagner mal abgesehen)?

Statt Valentinstags-Romantik erlebten wir nackte Panik.
Statt Valentinstags-Romantik erlebten wir nackte Panik.bild: pexels

Mein Freund und ich wechselten einen leicht panischen Blick. Klar, dass es am Valentinstag ein bisschen teurer sein würde, hatten wir einkalkuliert, aber so teuer? Mit Trinkgeld wären das locker 270 Euro, immerhin mussten wir ja auch noch was zu trinken bestellen. Und wir studierten noch, waren also quasi immer knapp bei Kasse. "Danke", sagte ich an den Kellner gewandt. "Wir brauchen noch einen kurzen Moment."

Mist, Mist, Mist!

"Was machen wir jetzt?", flüsterte ich meinem Freund über den Tisch zu, möglichst leise, damit unsere Tischnachbarn nichts von unserer nackten Panik mitbekamen. Mein Freund machte große Augen, schüttelte den Kopf und zuckte die Schultern. "Keine Ahnung, ich habe das auch nicht auf der Website gesehen." Ich nickte erleichtert. Ich nämlich auch nicht.

"So lange die richtige Person an deiner Seite ist, spielt es keine Rolle, ob das Restaurant, das Menü oder der ganze Abend falsch war."

Die Situation war uns unglaublich unangenehm. Das Menü konnten wir uns auf keinen Fall leisten, aber einfach aufstehen und gehen? Der Kellner kam zurück, sah uns abwartend an. Wir lächelten verlegen. Die Herzchen in unseren Augen waren blanker Panik gewichen.

Date mit tickender Uhr: Wir waren unerwünscht

Ich nahm all meinen Mut zusammen und sagte: "Entschuldigen Sie, wir haben online reserviert und dort gar nicht gesehen, dass es heute nur die Menüs zur Auswahl gibt." Mein Satz hing eine gefühlte Ewigkeit in der Luft, doch der Kellner zog nur die Stirn kraus. Ich wartete einen Moment, dann fügte ich hinzu. "Gäbe es vielleicht die Möglichkeit, dass wir auch etwas anderes bestellen können?" Ich spürte die Hitze in meinen Wangen und versuchte die Situation mit einem Lächeln zu überspielen.

Die Stimmung? Hätte besser sein können.
Die Stimmung? Hätte besser sein können.bild: pexels

"Eigentlich nicht", sagte der Kellner spitz; und machte auf dem Absatz kehrt.

Pizza statt teurem 3-Gänge-Menü: Wir haben uns so fehl am Platz gefühlt

Am liebsten wären wir im Erdboden versunken. Ein paar Minuten später kam der Kellner wieder zurück und drückte uns eine Pizzakarte in die Hand. "Ihr könntet eine Pizza bestellen", sagte er. "Danke", sagten wir wie aus einem Munde, Erleichterung machte sich in uns breit. Doch das Gefühl, unerwünscht zu sein, blieb.

Wir bestellten uns eine Pizza und ein Glas Wein. Lächelten einander an, doch in romantischer Stimmung war keiner von uns beiden mehr. Stattdessen hofften wir inständig darauf, dass unser Essen schnellstmöglich kommen und wir endlich, endlich gehen konnten. Die Minuten zogen sich.

Die Atmosphäre war angespannt. Zwar schienen die anderen Pärchen angesichts des Menü-Preises nicht zu überlegen, wie sie sich klammheimlich aus dem Staub machen konnten. Aber angeregte Gespräche und anschmachtende Blicke tauschten auch sie nicht aus. Stattdessen saßen wir aneinandergedrängt wie Sardinen in einer Büchse.

Aufgrund unseres schlechten Gewissens bestellten wir ein zweites Glas Wein. Dann endlich kam die Pizza, die wir stillschweigend in Rekordzeit vertilgten. Geschafft, endlich. Wir zahlten und gaben ein großzügiges Trinkgeld, um das Restaurant dann fluchtartig zu verlassen.

Das Date war ein Reinfall, aber wir hatten trotzdem einen schönen Abend.
Das Date war ein Reinfall, aber wir hatten trotzdem einen schönen Abend.bild: Pexels / cottonbro studio

Geknickt nahmen wir die Bahn nach Hause. Mein Freund legte den Arm um mich: "Na komm, wir machen es uns jetzt zu Hause so richtig gemütlich. Wie wär's – wir holen uns noch eine Flasche Wein und Schokobons." Mein Comfort Food. Er lächelte mich aufmunternd an. Ich nickte, lächelte zurück.

Also machten wir auf dem Weg nach Hause einen Abstecher in den Supermarkt und kauften nicht nur Wein und Schokobons, sondern auch noch Pistazien, Gummibärchen und was das Herz sonst noch so begehrt.

An der Kasse sah uns die Kassiererin mit einem Blick auf unsere Einkäufe zerknirscht an: "Oh weia, so schlimm?", fragte sie und lächelte. Wir nickten und brachen alle drei in Gelächter aus.

Neuer Valentinstag, neues Glück

Der Abend war gerettet. Und am Ende ist es doch so: Solange die richtige Person an deiner Seite ist, spielt es keine Rolle, ob das Restaurant, das Menü oder der ganze Abend falsch war.

Nicht fancy, aber dafür mit der richtigen Person.
Nicht fancy, aber dafür mit der richtigen Person.bild: pexels

Nun ist es wieder so weit – es ist Valentinstag.

Ein bisschen kommt die Romantikerin auch heute noch in mir durch. Deshalb gehen wir wieder essen bei unserem Stamm-Italiener. Dort haben wir zwar keinen Alsterblick, wohl aber einen schönen Abend in Zweisamkeit vor uns – mit einer Pizzakarte, um die wir nicht betteln müssen und dem ein oder anderen Lacher über unser "romantisches" Abenteuer vor einigen Jahren.

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