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Gen-Z-Praktikanten: Chefin macht Witze und verrät auf Tiktok die besten Storys

Teresa ist 27. Und schüttelt über einige Menschen in ihrem Alter nur den Kopf.
Teresa ist 27. Und schüttelt über einige Menschen in ihrem Alter nur den Kopf.bild: privat
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Gen Z: Teresa macht Witze über ihre Praktikanten – was sie dennoch von ihnen lernt

08.04.2024, 20:02
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Das Gejammer einiger älterer Menschen über die Gen Z ist nur schwer zu ertragen. Anders ist es, wenn Teresa Katz zu lästern beginnt. Denn Teresa ist selbst 27 Jahre jung – und dennoch manchmal über Praktikant:innen in ihrer Firma verwundert. "Sie sorgen dafür, dass ich manchmal mein Frühstück gerne gegen einen Aperol tauschen würde", sagt Teresa auf Tiktok.

Die Wahlmünchnerin hat mit ihrer Freundin Eileen 2022 eine Mode-Firma gegründet. "Half Moon Studio" heißt das Start-up. Die beiden Frauen entwerfen und verkaufen fair produzierte Bademode und holen sich Praktikant:innen zur Unterstützung ins Boot. Aus den besten Aussagen ihrer Kolleg:innen macht Teresa wiederum für ihre Firma Tiktoks, um ein wenig die Werbetrommel zu rühren.

Ihre Serie "Was ich an unseren Gen-Z-Praktikanten liebe" geht dabei regelmäßig viral. Der erfolgreichste Clip wurde ziemlich genau eine Million Mal angeschaut. Darin erzählt Teresa von Praktikantin Susi, die zu spät ins Büro kam. Mit folgender Begründung: "Ich musste, nachdem ich den Wecker ausgemacht habe, noch meine Augen ausruhen."

Im Interview mit watson spricht Teresa über ihre Erlebnisse und ihre Sicht der Dinge. In ihren Ausführungen schwingen Bewunderung und Kopfschütteln gleichermaßen mit. Denn sie selbst tickt anders: "Ich bin in Bezug auf die Arbeit sehr konservativ erzogen worden. Ich habe die Arbeitseinstellung meiner Mutter, die vermutlich noch nie gefehlt hat im Büro. Das prägt einen."

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Über andere junge Menschen sagt sie: "Viele bringen ein gesundes Maß mit in der Relation zwischen eigener Rolle im Kapitalismus und den privaten Bedürfnissen." Das mag zwar für sie als Vorgesetzte oft anstrengend sein, doch gleichzeitig "führt diese Balance, diese Ausgeglichenheit dazu, dass die alle deutlich weiter weg sind von einem Burn-out als ich".

Zum Beispiel die Praktikantin, die den Teamcall verpasste. Und darauf angesprochen entgegnete: "Ich war schon anwesend – im Geiste." Oder die andere Kollegin, die trocken anmerkte: "Ich kann ja nur einmal zu spät kommen. Wenn ich schon zu spät bin, ist es ja auch egal, wie viel ich zu spät komme."

Wenn Teresa diese Storys auf Tiktok erzählt, muss sie oft lachen: "Manchmal komme ich mir vor, als wäre alles eine Suppe. Und ich bin die Gabel", sagt sie in einem ihrer Videos.

Teresa macht kein Geheimnis daraus, dass sie "manchmal dreimal tief durchatmen muss", um nicht auszurasten, "obwohl ich dazu eigentlich nicht neige". Doch gleichzeitig weiß sie auch, dass sie ihre eigene Firma mit anderen Augen sieht als ihre Praktikant:innen: "Wir bieten den Praktis Erfahrungen und Chancen, sie bringen dafür Leistung. Das ist der Deal. Mehr kann und darf ich nicht erwarten. Daran muss ich mich schon manchmal erinnern."

Teresa (rechts) und ihre Freundin Eileen haben gemeinsam entschieden, Bikinis zu entwerfen.
Teresa (rechts) und ihre Freundin Eileen haben gemeinsam entschieden, Bikinis zu entwerfen.bild: half moon studio

Über den Erfolg ihrer Clips ist Teresa überrascht. "Mir war schon klar, dass die Arbeitsmoral der Gen Z ein Thema ist. Aber dass die Videos so steil gehen, habe ich nicht kommen sehen."

Auch über einige Reaktionen sei sie verwundert gewesen. "Das Internet ist schon wild", sagt sie. "Da glaubten am Anfang echt manche, ich würde ungefragt öffentlich über meine Leute lästern. Da müsse ich mich ja nicht wundern, dass sie sich nicht anstrengen, wurde mir gesagt. Das war fast schon witzig." Denn natürlich sei ihren Kolleg:innen klar, dass der eine oder andere Spruch auch mal auf Tiktok landet.

Grundsätzlich bekomme sie aber vor allem positive Reaktionen ab. Auch dumme Kommentare über ihr Alter, ihr Geschlecht oder ihr Aussehen halten sich offenbar in Grenzen. "Das kann ich an einer Hand abzählen. Ein paar harmlose Bemerkungen über mein Aussehen waren mal dabei. Aber wenn's ein nett gemeintes Lob ist, habe ich damit kein Problem."

Praktikant:innen der Gen Z: Was kann man von ihnen lernen?

Auf die Frage, was sie von den jungen Kolleg:innen, über die sie sich gerne lustig macht, gelernt habe, wird sie nachdenklich. Sie sagt: "Ich wäre manchmal wirklich gerne wie sie. Ich bin anders als viele junge Menschen, aber ich kann sie schon auch verstehen."

Vor allem in Sachen Gelassenheit würde sie sich gerne eine Scheibe abschneiden: "Ich selbst bin oft gestresst und mittendrin in meinem Hamsterrad. Ein wenig Abstand, ein bisschen mehr Abgeklärtheit, das wäre schon gut."

Gleichzeitig glaube sie fest daran, dass unsere Gesellschaft auch Menschen braucht, die ein wenig mehr leisten wollen als andere. "Wirtschaftlich kann das für meine Generation gefährlich werden, befürchte ich. Unser System ist komplett globalisiert. Natürlich können wir über eine Vier-Tage-Woche diskutieren und vielleicht sollten wir das auch. Aber: Auf Wohlstand will am Ende ja auch keiner verzichten. Ich glaube, dass uns diese Debatten daher noch eine ganze Weile begleiten werden. Ich bin mir nicht sicher, wo das hinführt, wenn dir eine Praktikantin am Montagmittag sagt, dass sie die Arbeit vom Freitag noch nicht beendet hat."

Wenigstens werden die Diskussionen unterhaltsam geführt, glaubt Teresa. "Ich muss manchmal echt lachen und bin überrascht, wie wortgewandt und schlagfertig viele Leute sind. So, als würden sie nur darauf warten, ihren Spruch raushauen zu können."

Einer ihrer Lieblingssätze ist: "Keine meiner Aufgaben ist fertig. Aber ich bin's für den Tag." Oder aber auch: "Ich brauche jetzt dringend einen Nap. Ich bin ein sleepy girl und so ein voller Tag mit Aufgaben ist auch nicht einfach."

Teresa Katz hat sich an einige dieser Aussagen gewöhnt. Ihr Fazit zu Praktikant:innen der Gen Z ist: "Man kann davon halten, was man will, aber: Die spielen dir nichts vor."

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