Selenskyj prangerte verschiedene Firmen an, die ihre Waren noch immer in Russland verkaufen.
Selenskyj prangerte verschiedene Firmen an, die ihre Waren noch immer in Russland verkaufen.Bild: dpa / Peter Klaunzer

Geschäfte mit Russland: Nestlé weist Kritik von Selenskyj zurück

21.03.2022, 16:18

Immer mehr Unternehmen schließen sich den internationalen Sanktionen gegen Russland an. Netflix, TikTok, Adidas, Levi’s, DHL, UPS, Ikea, PayPal, McDonald’s oder Starbucks stellen ihre Dienste oder den Verkauf von Waren ein.

Ein Welt-Konzern hielt sich allerdings bislang zurück und zog damit unter anderem den Zorn des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskyj auf sich – die Rede ist vom Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé. Der Lebensmittelgigant ist aktuell mit einem Sturm an Hass-Nachrichten im Netz konfrontiert.

Selenskyj: "Sponsoren der russischen Militärmaschinerie"

In einer Rede am Samstag rief der ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj große Unternehmen zum Boykott des russischen Marktes auf – darunter auch Nestlé.

In einer Videobotschaft sprach Selenskyj von "Unternehmen, die immer noch die russische Militärmaschinerie finanzieren und den russischen Markt nicht verlassen, obwohl sie dies sofort hätten tun sollen: Nestlé, Mondelèz und die anderen Giganten der Lebensmittelindustrie." Weiter nannte er die Namen von Banken und Pharmakonzernen. Die Forderung, die er formulierte, war klar:

"Keine Geschäfte mehr mit Russland!"

Bereits zuvor hatte die ukrainische Regierung Nestlé in den sozialen Medien als "Sponsor von Putins Krieg" bezeichnet und dabei Kinderfotos aus der Nestlé-Werbung Bildern von kriegsversehrten ukrainischen Kindern gegenübergestellt.

Selenskyj wendete sich mit seiner Rede an "die Welt, an Staaten und Menschen. Das ist nicht nur das Werk von Politikern. Ich appelliere an alle, in jedem Land, wo Sie Einfluss nehmen können. Alles liegt in Ihrer Macht." Niemand solle das "Töten" Russlands weiter finanzieren – "das Töten von uns und unseren Kindern".

Anonymous mit Nazi-Vergleich

Auf Twitter versahen Hunderte Nutzer am Wochenende ihre Tweets mit dem Hashtag #boycottnestle.

Auch die Hackergruppe Anonymous verurteilte den ausgebliebenen Unternehmensrückzug Nestlés aus Russland.

"Nestlé bleibt in Russland, zahlt Steuern an die russische Regierung und gibt Putin Geld, um Zivilisten und Kinder in der Ukraine zu töten", kritisierte das Kollektiv auf Twitter.

Dazu teilte das Kollektiv eine Bildmontage des Konzernlogos. Einer der Vögel im Logo trägt dabei den Bart und die Frisur des früheren deutschen Diktators Adolf Hitler. Zudem wurde das Tier mit einer roten Armbinde ausgestattet, auf der der Buchstabe "Z“" abgebildet ist. Dieser hatte sich in den vorigen Wochen zum russischen Symbol für den Krieg in der Ukraine entwickelt.

Auch den Namen und den Slogan des Nahrungsmittelkonzerns passte die Hackergruppe entsprechend an. Aus Nestlé wurde "Naztle" (wohl in Anlehnung an das Wort "Nazi"), aus dem Leitsatz "Good Life, Good Food" wurde "Good Rubl, Good Reich".

Nestlé will nur noch lebenswichtige Nahrungsmittel verkaufen

Der Nahrungsmittelkonzern verteidigte sein Festhalten am Russland-Geschäft damit, dass man in der Verantwortung stehe, die breite Bevölkerung weiterhin mit wichtigen Lebensmitteln zu versorgen. Man werde Kapitalinvestitionen einfrieren und gewisse Lebensmittel, wie Nespresso-Kaffee oder San-Pellegrino-Mineralwasser nicht mehr verkaufen. Auch auf Werbung wolle man verzichten, um russische Staatsmedien nicht zu unterstützen.

Nahrungsmittel des täglichen Bedarfs wolle man allerdings weiterhin verkaufen; Kindernahrung, Frühstücksflocken und medizinisch Notwendiges wie Spezialfutter für Haustiere.

Gleichzeitig versuche man weiterhin, die Operationen in der Ukraine aufrecht zu erhalten, schrieb die "FAZ". Nestlé zählt zu den wenigen Unternehmen, die zur Zeit noch im Kriegsgebiet präsent sind.

(abd)

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