Die Inflation hebt die Preisverhandlungen zwischen Händlern und Produzenten noch einmal auf die nächste Stufe. Die Preisexplosion bei Energie, Logistik und Rohstoffen verschärft die Lage am Markt weiter – mit drastischen Auswirkungen auf die Kundschaft.
Wer seinen Einkauf erledigt, muss derzeit nicht nur tief in die Tasche greifen. Mitunter wird auch der Verzicht auf bestimmte Produkte fällig. Insbesondere dann, wenn sich Händler und Hersteller nicht über die Preise einigen können. Das ist derzeit auch bei Edeka der Fall. Der Konzern verzichtet auf hunderte Produkte einer beliebten Marke in den Regalen – und ersetzt sie durch andere.
Wegen der Unstimmigkeit Edekas mit dem großen US-Konzern Mars verschwinden um die 450 Artikel aus den Regalen. Noch immer konnten sich die beiden Parteien nicht auf einen Preis-Deal einigen. Die Kundschaft muss also weiterhin auf Mars-Riegel, Produkte von Ben's oder Whiskas verzichten.
Um die Lücken in den Regalen zu füllen, setzt Edeka zunehmend auf Alternativen, vor allem auf Eigenmarken. Nun schlägt der Supermarkt-Riese dafür die Werbetrommel.
So wird die Markenalternative für die Nudel-Packung von Mars wird von Edeka exklusiv vertrieben und national beworben. Im Marketing weiß Edeka durchaus zu provozieren. "Tschüss Mirácoli. Hallo Delverde", schreibt etwa Edeka Südwest im Handzettel.
Auch im Reis-Regal wird sind einiges tun. Laut "Lebensmittelzeitung" (LZ) stehen dort künftig statt Ben's Reis-Produkten überwiegend Artikel der Marke Reis-Fit. Schwieriger ist die Ersatzsuche in den Kategorien Tiernahrung mit den Marken Whiskas und Sheba. Auch Kaugummis von Wrigley's und Orbit sollen nicht einfach zu ersetzen sein.
Mit seiner Weigerung, die Preiserhöhungen zu akzeptieren, meint es Edeka offensichtlich trotzdem ernst. Seit Monaten lehnt der Supermarkt-Riese die Preisforderungen von Mars ab. Die Erhöhungen sollen deutlich im zweistelligen Prozentbereich liegen. Zu viel für Edeka.
Offenbar hat die Edeka-Gruppe die Hoffnung auf eine baldige Einigung komplett aufgegeben, wie die "LZ" aus Insiderkreisen erfahren haben will. Demnach habe der Händler die Mars-Produkte völlig aus der Jahresplanung gestrichen. Edeka und Mars halten sich zu dem Thema mit offiziellen Angaben weiterhin bedeckt.
Der Machtkampf zwischen den beiden Konzernen war zunächst für beide ein Nachteil. Doch die Preiserhöhungen könnten nun vor allem gefährlich für den US-Konzern werden. Allein bei Edeka fallen 450 Artikel weg, das ist laut "LZ" ein Umsatzvolumen von über 300 Millionen Euro.
Und: Das ist nicht der einzige Händler, mit dem Mars im Clinch liegt. Zeitweise lagen die Geschäfte mit Rewe auf Eis. Bei Aldi Süd sind Schokoriegel von Mars teilweise gestrichen worden.
Für den Hersteller ist die Edeka-Entscheidung riskant. Denn: Rund ein Drittel der Erlöse in der größten Kategorie Tiernahrung erzielt Mars in Deutschland im Lebensmittelhandel mit Edeka, wie es im Bericht weiter heißt. Bereits jetzt sind die Auswirkungen spürbar, wie ein Blick auf die Marktanteile im Lebensmittelhandel zeigt: Marktforschende berichten von einem Einbruch der dortigen Marktanteile um über 10 Prozent.
Schlecht für Mars, gut für Nestlé. Die Marke des Schweizer Konzerns, Purina, hat demzufolge nun die Führung am Markt übernommen. Auch Eigenmarken haben in dem Segment um 50 Prozent zugenommen. Ein Risiko, das Mars wohl wegen der höheren Preise in Kauf nimmt.