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Supermarkt: Diese deutschen Marken verkaufen trotz Krieg weiter an Russland

ARCHIV - 18.03.2022, Russland, Moskau: Supermarkt im Aviapark-Einkaufszentrum in Moskau. Während Russland Teile der Ukraine in Schutt und Asche legt und Millionen Menschen in die Flucht treibt, ist in ...
Aus russischen Supermärkten sind deutsche Waren weitgehend verschwunden. Die EU-Sanktionen betreffen allerdings nicht alle Produkte.Bild: dpa
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Diese deutschen Marken verkaufen trotz Krieg weiterhin an Russland

01.03.2023, 17:39
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Zahlreiche Unternehmen haben seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine Konsequenzen gezogen und verkaufen ihre Waren nicht mehr in Russland. Doch noch immer finden sich zahlreiche deutsche Marken in den Supermarktregalen des Landes. Denn Medikamente, Lebensmittel und Gegenstände des alltäglichen Bedarfs sind von den EU-Sanktionen ausgeschlossen und bietet damit einigen Firmen ein Schlupfloch, ihre Produkte weiterhin auf dem russischen Markt zu halten.

Die Unternehmen handeln dabei aber nicht immer nur aus wirtschaftlichen Interessen – manche wollen ihre Belegschaft vor der Arbeitslosigkeit bewahren, andere ein politisches Zeichen setzen.

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Konzerne reduzieren ihr Angebot auf das Nötigste

Fast alle Konzerne, die sich noch nicht aus dem russischen Markt zurückgezogen haben, sind sich einig: Ihre Werbung wird in Russland nicht mehr gezeigt, Investitionen vor Ort gestoppt und Gewinne gespendet.

Das Hamburger Unternehmen Beiersdorf, das Marken wie Labello, Eucerin oder Hansaplast verkauft, geht bei seinem Angebot einen Mittelweg: Der Konzern teilte mit, dass nur noch Produkte "zur elementaren Haut- und Körperpflege" in den russischen Läden angeboten werden.

Das bedeutet, dass Tesastreifen und teure Luxus-Cremes schon seit letztem März nicht mehr in den Regalen stehen, dafür aber nach wie vor Markenklassiker wie die Nivea-Creme. Beiersdorf steht laut einer Unternehmensmitteilung in "engem Kontakt" mit seinen Kolleg:innen in der Ukraine und in Russland und leistet "praktische, finanzielle und psychologische Unterstützung."

Auch Nestlé beteuerte gegenüber verschiedenen Medien, die Auswahl in Russland "drastisch reduziert" zu haben. Nur noch Säuglings-, sowie medizinische und krankenhausspezifische Nahrung soll angeboten werden. Konsumgüter wie KitKat-Riegel oder Nesquik-Kakao hat der Konzern zurückgezogen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte Nestlé gemeinsam mit anderen Konzernen dennoch kurz nach Beginn der Kämpfe als "Sponsor von Putins Krieg".

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Nestle Nesquik PublicationxNotxInxUK
Auf Nesquik-Kakao müssen die Menschen in Russland seit Ausbruch des Kriegs verzichten. Bild: imago stock&people / imago images

Mitarbeitende und Produzent:innen sollen geschützt werden

Das britische Unternehmen Unilever beschäftigt laut eigenen Angaben rund 3.000 Menschen in Russland. Unter anderem deswegen will der Produzent von Marken wie Dove oder Knorr sich nicht aus dem Geschäft vor Ort zurückziehen und liefert weiterhin unter anderem sein Magnum-Eis nach Russland.

Bei einer Telefonkonferenz mit mehreren Medien beteuerte der Geschäftsführer des Konzerns, auf diese Weise steuerlich gesehen am wenigsten zum russischen Markt beizutragen:

"Ein einfacher Verzicht würde definitiv zu einem größeren Beitrag zur russischen Wirtschaft führen."
Unilever-Geschäftsführer Alan Jope

Auch der Chef vom Käsehersteller Hochland beteuerte nach Beginn des Kriegs gegenüber dem "Handelsblatt", bei der Weiterführung seiner Geschäfte eine "verantwortungsethische Sicht" eingenommen zu haben. Hochland ist Marktführer in Russland und macht ein Viertel seines Jahresumsatzes dort.

Dem "Handelsblatt" sagte Hochland-Chef Peter Stahl, man wolle nicht Putins Narrativ entsprechen, demnach der Westen sich gegen die russische Bevölkerung stelle. Seine Geschäfte hätten "keinerlei Einfluss auf den Kriegsverlauf oder Putins Entscheidungen".

Kritik an Ritter Sport: "Quadratisch. Praktisch. Blut."

Besonders viel Kritik zog Ritter Sport mit der Entscheidung auf sich, weiterhin Schokolade als "Lebensmittel des alltäglichen Bedarfs" nach Russland zu liefern. In einem "Tagesspiegel"-Interview im vergangenen Sommer beteuerte Geschäftsführer Andreas Ronken, es gehe ihm "um Arbeitsplätze, in Russland, in Waldenbuch und auch in den Anbauländern bei den Kakaobauern, die man in eine Krise stürzt". Damit reagierte er nicht zuletzt auch auf den verbalen Angriff vom damaligen ukrainischen Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, der den bekannten Werbeslogan "Quadratisch. Praktisch. Gut." umgedichtet hatte.

Bis heute und trotz mehrerer Shitstorms hält das Unternehmen an seiner Entscheidung fest. In Russland hat es rund hundert Mitarbeitende und bezeichnet das Land als seinen wichtigsten Absatzmarkt nach Deutschland. Die Gewinne aus dem Geschäft von rund 1,5 Millionen Euro habe Ritter Sport aber gespendet.

Britische Universität veröffentlicht "Liste der Schande"

Die Machenschaften westlicher Unternehmen in Russland stehen unter kritischer Beobachtung von Aktivist:innen und Nichtregierungsorganisationen. Besonders aggressiv geht dabei die Londoner "Moral Rating Agency" vor.

Die Organisation hat eine Liste der "dirty Dozen" veröffentlicht. Darin sollen zwölf Konzerne aufgezählt werden, die sich angeblich aus Russland zurückgezogen haben, in Wirklichkeit aber ein Großteil ihrer Geschäfte weiterlaufen lassen. Auf der Liste befinden sich zahlreiche bekannte Namen wie Unilever, Nestlé oder PepsiCo.

Die Yale School of Managment hat außerdem eine Datenbank mit dem Spitznamen "Liste der Schande" aufgebaut, in der Unternehmen unter anderem für ihr Engagement in Russland benotet werden. Auch deutsche Konzerne werden darin mit der schlechtesten Note abgestraft, sie würden laut dem Team der Universität wie gewohnt weiter ihren Geschäften nachgehen.

Die Firma Zott verteidigte sich gegen die Vorwürfe und betonte laut "Business Insider", schon unmittelbar nach Kriegsbeginn Lieferungen nach Russland eingestellt zu haben. Mit Erfolg: Aufgrund eines Statements verschwand Zott von der Liste. Auch andere aufgeführte Unternehmen beschwerten sich, nie für eine Stellungnahme von den Forschenden kontaktiert worden zu sein.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war zu lesen, dass die Firma Zott auf der "Liste der Schande" stehen würde. Dies ist nicht korrekt. Zott wurde von dieser vor Publikation unseres Texts bereits entfernt.

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