ARCHIV - 12.11.2020, Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin: Reinhard M

Reinhard Müller, Abteilungsleiter des Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern, wurde von Innenminister Renz entlassen. Bild: ZB / Jens Büttner

Mecklenburg-Vorpommerns Verfassungsschutzchef Müller muss gehen

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Torsten Renz (CDU) hat den Leiter des Landesverfassungsschutzes, Reinhard Müller, entlassen. Damit zog der Minister am Mittwoch erste personelle Konsequenzen aus dem Agieren der Behörde im Zusammenhang mit Informationen zum Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri. Müller hatte eingeräumt, dass eine V-Mann-Aussage zum möglichen Umfeld Amris nicht sofort an zuständige Ermittler in Berlin und im Bund weitergereicht wurde.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 in Berlin einen Lastwagenfahrer erschossen und war dann mit dessen Fahrzeug über den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast, wo er elf Menschen tötete. Frühere Mitarbeiter des Verfassungsschutzes in Mecklenburg-Vorpommern hatten im Amri-Untersuchungsausschuss des Bundestags ausgesagt, Vorgesetzte hätten Hinweise eines Informanten auf mögliche Helfer Amris aus dem Berliner Clan-Milieu nicht an die ermittelnden Polizisten weitergeben wollen.

Informant warnte frühzeitig vor Amri

Der Informant hatte angeblich im Februar 2017 in Berlin mitgehört, dass Amri bei der Vorbereitung des Anschlags und seiner anschließenden Flucht Unterstützung von einer Berliner Familie mit arabischen Wurzeln erhalten haben soll. Generalbundesanwalt Peter Frank sagte, er hätte es für richtig gehalten, wenn das Bundeskriminalamt und seine Behörde damals sofort informiert worden wären. Erst 2019 war die Information dort angekommen, weil sich ein V-Mann-Führer selbst an die Bundesbehörden gewandt hatte. Das Agieren des MV-Verfassungsschutzes war im Bundestag und auch im Landtag in Schwerin auf scharfe Kritik gestoßen.

(lau)

Themen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Exklusiv

Islamismus-Experte Ahmad Mansour zu Würzburg: "Haben es mit einem neuen Phänomen zu tun, dass psychisch Kranke sich selbst radikalisieren"

Nachdem der erste Schock über das Attentat in Würzburg, bei dem ein Mann mit dem Messer scheinbar wahllos auf Passanten losging, verdaut war, stand schnell eine große Frage im Raum: Warum? Aus welchem Motiv tötete und verletzte der 24-jährige Somalier fremde Menschen in der Innenstadt? War er psychisch krank oder doch überzeugter Islamist?

Watson hat mit Kriminalpsychologen und Terrorismusexperten darüber geredet, wie man Attentäter einordnet, warum die Frage nach dem Motiv uns so interessiert …

Artikel lesen
Link zum Artikel