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Rechtsmediziner Michael Tsokos erklärte im ZDF seine Arbeit und Forschung als Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Berliner Charité. zdf-screenshot

Gast erklärt bei Lanz, wer das "perfekte Mordopfer" ist – der Moderator ist erschrocken

Bei Markus Lanz wurde es am Mittwochabend im ZDF unheimlich. Rechtsmediziner Michael Tsokos war in der Talkshow zu Gast. Er erklärte seine Arbeit und Forschung als Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Berliner Charité.

Tsokos berichtete, dass er in seiner Arbeit zwei Fälle von Scheintoten selbst erlebt habe. Der Arzt erinnerte sich an seine Arbeit in der Hamburger Rechtsmedizin: "Einmal wurde eine 86-jährige Patientin tot nachts in der Rechtsmedizin eingeliefert. Dort gibt es Studenten, die die Leichen in Empfang nehmen."

Betroffene Mienen in der Talkrunde und im Publikum. Tsokos erzählte aber gelassen weiter: "Der Student fuhr mit der Patientin im Fahrstuhl runter und stellte dann fest, dass sich der Leichensack hob und senkte." Die Patientin atmete, sie lebte. Zwei Notärzte hätten in der Folge um das Leben der Seniorin gekämpft. Die Frau konnte gerettet werden – nur um zwei Tage später dann wirklich zu versterben, berichtete Tsokos.

Der nüchterne Umgang mit dem Tod sorgte in der ZDF-Sendung für Aufsehen. In der Stille des Studios fragte Lanz nach: "Aber lebendig begraben wird in Deutschland niemand?" Der Arzt konnte Lanz beruhigen: "Lebendig begraben wird in Deutschland niemand. Vor allem nicht in Norddeutschland, da werden die meisten Leute ja krematiert." Die mehreren Wochen in einer Einäscherungshalle überlebe niemand bei vier Grad.

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Tsokos hinterlässt Wirkung im ZDF: Lanz blickt ungläubig, der frühere thüringische Ministerpräsident Vogel schüttelt sich, die Buchautorin Hensel ist angewidert. zdf-screenshot

Rechtsmediziner sorgt für Aufsehen bei Lanz – und sagt, wer das "perfekte Mordopfer" ist

Tsokos spricht in der Sendung über sein neues Buch "Schwimmen Tote immer oben?". In seiner Arbeit als Rechtsmediziner beschäftige er sich zwar meist mit natürlichen Toden – hin und wieder stellt er aber auch erst auf dem Obduktionstisch fest: Das hier war Mord.

"Der perfekte Mord ist nur möglich, wenn weder eine kompetente Leichenschau noch eine Obduktion stattfindet." Immer wieder würden ältere alleinstehende Damen zum Mordopfer. Die Täter machten sich dann meist mit einer geringen Beute auf und davon.

Tsokos sagte zum typischen Tod der alleinstehenden alten Dame: "Da denkt auch erstmal keiner was." Ihr plötzliches Versterben werde von Notärzten meist nur flüchtig betrachtet. Aber: "Da haben wir schon Fälle gefunden, wo wir dann eben einen gebrochenen Kehlkopf oder Zungenbein als Folge einer Gewalteinwirkung gegen den Hals, die Sie nicht zwangsläufig sehen müssen bei einer äußeren Leichenschau, entdeckt haben."

Und Tsokos behauptete: "Es gibt viele Fälle in Deutschland, die durch die Lappen gehen." Lanz zeigte sich besorgt: "Es ist jetzt aber nicht so, dass jeden Tag alte Damen von Pflegern um die Ecke gebracht werden?" Der Experte wiegelte ab: "Natürlich sind gerade alte, alleinlebende, sozial isoliert lebende Menschen das perfekte Mordopfer – aber es ist nicht so, dass die Dunkelziffer beträchtlich ist."

Stimmen die Aussagen des Experten? Für Aufsehen hatte in Deutschland der Fall des Pflegers Niels Högel gesorgt. 2019 wurde er des Mordes in 85 Fällen schuldig gesprochen. Seine Morde blieben lange unentdeckt, eine Mordserie dieses Ausmaßes aber ist die Ausnahme.

Experten gehen von 1200 Tötungsdelikten in Deutschland aus, die nicht entdeckt würden. Eine Studie der Universität Rostock aus dem Jahr 2017 kam zu dem Ergebnis: 98 Prozent aller Todesscheine allein in Mecklenburg-Vorpommern wiesen Mängel. Oft handelt es sich dabei um Flüchtigkeitsfehler, in manchen Fällen aber blieben so auch Tötungsdelikte unentdeckt.

Tsokos erklärte in der Sendung über seinen Job weiter: "Man muss schon ein robustes Gemüt haben." Seine schwersten Fälle kann er nicht vergessen: Ermordete Kinder oder seine Arbeit bei den Massenidentifizierungen nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidtplatz lassen den Mediziner nicht los. Und der Arzt sagte: "Als Rechtsmediziner beschäftigt sich man zwar mit dem Tod, aber man lernt das Leben zu schätzen."

Wohl um die Stimmung aufzumuntern, erinnerte Lanz die Runde an sein Gespräch mit den Philosophen Wilhelm Schmid, der ihm gesagt habe: "Nur der Tod macht das Leben wertvoll."

(pb)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Bones 01.09.2019 11:51
    Highlight Highlight Michael Tsokos gehört ebenso wie Mark Benecke und Stephan Harbort zu den herausragenden Experten auf ihren jeweiligen Gebieten.
    Schade, daß Lanz sich so flapsig abarbeitete.
    Der Tod ist, trotz aller Trauer bei einem verstorbenen Angehörigen, faszinierend und schafft immer wieder neues Leben.
  • Diavolino 29.08.2019 09:33
    Highlight Highlight Lanz ist bei solchen Themen absolut unfähig. Das Leben ist nun mal tödlich und es hat noch niemand überlebt. Nur peinlich, wie er seine flapsigen Sprüche platziert, weil er mit dem Thema nicht umgehen kann.

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