Work in a pharmacy. Packing medicines in a bag. Female employed as a pharmacist and dressed in a white uniform with a protective mask on her face in bags packing boxes of medicines and supplements
Es gibt hunderte unterschiedliche Schnelltest-Modelle. Das Paul-Ehrlich-Institut hat sie jetzt geprüft. Bild: iStockphoto / dusanpetkovic
watson antwortet

Wie sicher ist mein Schnelltest und welcher ist am besten? Das Wichtigste über die einzelnen Modelle

27.01.2022, 16:5627.01.2022, 18:59

Tägliche Rekorde an Corona-Neuinfektionen und eine bundesweite Inzidenz von über 1000 – das sorgt aktuell bei vielen Menschen für Verunsicherung. Große Menschenansammlungen sollen vermieden werden, die Kontakte reduziert und wenn man sich doch mit jemandem trifft, sollte vorher ein Selbsttest durchgeführt werden.

Schnelltests werden auch deshalb immer wichtiger, weil die Kapazitäten der deutschen Labore nicht mehr ausreichen, um jedem einen PCR-Test anzubieten. Die Bund-Länder-Konferenz hatte daher erst am Montag beschlossen, dass PCR-Tests in Zukunft priorisiert werden sollen. Heißt: Vor allem vulnerablen Gruppen und Beschäftigen in Pflegeheimen und medizinischen Einrichtungen werden die Labortests noch angeboten – alle anderen Bürger müssen sich im Zweifelsfall auf den Selbsttest verlassen.

Doch welcher Test ist sicher und kann man sich auf das Ergebnis verlassen? Watson beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Schnelltests für zu Hause.

Was ist ausschlaggebend für die Sicherheit eines Schnelltests?

Wer die Korrektheit eines Test-Ergebnisses einschätzen möchte, muss ganz allgemein drei Kriterien im Auge haben:

  • Ordnungsgemäße Durchführung
  • Spezifität und Sensitivität
  • Zeitpunkt der Testung

Bei ordnungsgemäßer Anwendung wird die Korrektheit der Testergebnisse nach Spezifität und Sensitivität eingestuft. Die Spezifität zeigt an, wie viele gesunde Menschen tatsächlich als negativ getestet angezeigt werden. Die Sensitivität zeigt im Gegenzug an, wie viele Kranke auch tatsächlich positiv getestet werden.

Zwei Beispiele: Bei einem Test mit 98-prozentiger Sensitivität werden also 98 von 100 Infizierten erkannt, zwei erhalten ein "falsch-negatives" Ergebnis. Bei einem Test mit 98-prozentiger Spezifität werden 98 von 100 Gesunden als gesund erkannt, zwei erhalten ein "falsch-positives" Ergebnis. Das Robert-Koch-Institut (RKI) erläutert die Thematik hier ausführlich.

Wie erfahre ich, ob mein Schnelltest sicher ist?

Das Paul-Ehrlich-Institut hat eine Liste aller evaluierten Schnelltests und Selbsttests erstellt und ihre Sensitivität aufgeschlüsselt. Diese Liste wird kontinuierlich erweitert und erfasst derzeit 199 handelsübliche Modelle (Stand 27.01.).

Als Richtwert ist die Gesamtsensitivität der einzelnen Tests aufschlussreich, im Zweifelsfall kann es aber Sinn ergeben, sich die Liste genau anzuschauen – denn die Sensitivitätswerte wurden in drei Phasen der Viruslast geprüft (wenig, mittel, hoch) und schwanken innerhalb dieser Spanne enorm. Heißt: Einige Schnelltests schnitten insgesamt zwar schlechter ab, waren jedoch zur Hochphase der Infektion durchaus sehr zuverlässig.

Viele Menschen fragen sich, wie sicher ihr Schnelltest ist.
Viele Menschen fragen sich, wie sicher ihr Schnelltest ist.Bild: iStockphoto / Daisy-Daisy

Wem es zu unbequem ist, sich durch die Liste zu scrollen, der kann auch per App den Code seines gekauften Schnelltests scannen. Im Anschluss zeigt "schnelltesttesten" einen grünen Haken, sofern die Sensitivität ebenjenes Modells bei sehr hoher Viruslast mehr als 75 Prozent beträgt. Die App nutzt die Daten des Paul-Ehrlich-Instituts für ihre Auswertung.

Welche Schnelltests sind die "besten"?

Die fünf Schnelltests, die in der Liste des Paul-Ehrlich-Instituts mit der höchsten Gesamt-Sensitivität ausgewiesen wurden, sind diese Modelle:

  • COVID-19 Rapid Test Cassette Antigen Test Kit von Lifecosm Biotech Limited, Gesamtsensitivität: 100%
  • Longsee 2019-n CoV Ag Rapid Detection Kit von Guangdong Longsee Biomedical Co., Gesamtsensitivität: 100%
  • INNOVA SARS-CoV-2 Selbsttest von Innova Medical Group Inc., Gesamtsensitivität: 96%
  • SARS-CoV-2 Ag Schnelltestkit von Hangzhou Jucheng Medical Products Co., Gesamtsensitivität: 96%
  • SARS-CoV-2 Antigen Rapid Detection Kit von Acro Diagnostics Co., Gesamtsensitivität: 96%

Wie sicher sind die gängigen handelsüblichen Schnelltests?

Ob aus dem Supermarkt, der Drogerie oder vom Arbeitgeber: Jeder Deutsche hat wohl inzwischen ein paar Schnelltests zu Hause liegen, die hierzulande handelsüblich sind.

Ein Mann hält ein Hotgen Antigen Covid 19 Selbsttest Schnelltest kit in der Hand, um sich selbst auf das Coronavirus zu testen und eine Diagnose zu stellen.
Hierzulande verbreitet: Der Schnelltest von Hotgen. Bild: CHROMORANGE / Michael Bihlmayer

Häufig sind diese zumindest zuverlässig, wenn eine hohe Viruslast vorliegt, dennoch unterscheiden sich auch hier die Sensitivitätswerte. Unter den weit verbreiteten und online erhältlichen Schnelltests befinden sich zum Beispiel:

  • Corona Schnelltest Selbsttest Coronavirus (2019-nCoV)-Antigentest von Hotgen, ca. 1,75 Euro, erhältlich zum Beispiel bei DM
    Ergebnis: Gesamtsensitivität: 56 %, bei sehr hoher Viruslast 100%
  • Corona Schnelltest Selbsttest Rapid SARS-CoV-2 Antigen Test Card von MP Biomedicals, ca. 1,75 Euro, erhältlich bei DM
    Ergebnis: Gesamtsensitivität: 54 %, bei sehr hoher Viruslast 100%
  • Laientest SARS-CoV-2 Antigen Test Kit von Genrui, ca. 2,59 Euro, erhältlich bei Kaufland
    Ergebnis: Gesamtsensitivität: 58 %, bei sehr hoher Viruslast 94%
  • Corona Schnelltest Selbsttest SARS-CoV-2-Antigen Schnelltest von Hightop, ca. 3,29 Euro, erhältlich bei DM oder Kaufland
    Ergebnis: Gesamtsensitivität: 54 %, bei sehr hoher Viruslast 100%
  • SARS-CoV-2 Ag Diagnostic Test Kit (Colloidal Gold) von Watmind, ca. 2,58 Euro, erhältlich zum Beispiel bei Metro
    Ergebnis: Gesamtsensitivität: 82 %, bei sehr hoher Viruslast 100%

Zu Beginn der Krankheit oder nach der Impfung: Welche Rolle spielt der Zeitpunkt der Testung?

Der Zeitpunkt des Tests ist ausschlaggebend. Ist die Infektion noch am Anfang oder bereits am Abklingen, ist auch die durch den Test erfassbare Viruslast noch gering. Theoretisch ist man dann zwar auch weniger ansteckend für andere, allerdings kann sich das schnell ändern. Hat man heute also noch einen negativen Test erhalten, weil die Infektion gerade erst begann, kann man schon einen Tag später eine sehr viel höhere Viruslast in sich tragen, die vom Test seinerzeit noch nicht erfasst wurde.

Auch eine Boosterung kann Auswirkungen auf Schnelltest-Ergebnisse haben, so Epidemiologe Timo Ulrichs, gegenüber watson. Der Professor der Akkon-Hochschule sagt, die Sensitivität hänge "auch davon ab, ob man bereits geboostert ist, denn dann entwickeln sich im Nasenrachenraum kaum ausreichend große Virusmengen".

Wie vorher bereits erwähnt, erfasst das Paul-Ehrlich-Institut die Sensitivität der Schnelltests in drei Phasen der Viruslast. Wer also meint, sich noch am Anfang der Erkrankung zu befinden, kann dementsprechend gezielt versuchen, einen Test zu besorgen, der auch kleine Viruslasten bereits zuverlässig anzeigt.

Gibt es eine sicherere Alternative zu Schnelltest?

Angesichts der Tatsache, dass Schnelltest-Ergebnisse nicht immer zuverlässig sind, die Kapazitäten zur Umsetzung von PCR-Tests jedoch begrenzt, drängen die Akkreditierten Labore der Medizin e.V. (ALM) inzwischen auf eine weitere Alternative: Laborbasierte Antigentests. Statt den Antigen-Schnelltest also selbst zu Hause durchzuführen, wird der Abstrich im Labor ausgewertet.

Der Vorsitzende des fachärztlichen Berufsverbandes, Dr. Michael Müller, äußerte sich in einer Stellungnahme entsprechend: "Für den Fall weiter steigender Testzahlen kann in den Laboren, insbesondere bei Engpässen, auch auf laborbasierte Antigentests zurückgegriffen werden. So sieht es auch die Nationale Teststrategie vor." Diese Tests lieferten "ein qualitätsgesichertes und laborärztlich befundetes Ergebnis und reduzieren sinnvoll den Bedarf an PCR-Tests."

"Die Qualität der Laborbasierten Antigentests ist zwischen den Antigen-Schnelltests und PCR-Tests anzusiedeln."
Nina Beikert, Vorstand der Akkreditierten Labore in Berlin e.V.

Laborbasierte Antigentests werden im Labor in einer qualitätsgesicherten Umgebung ausgewertet und auf verschiedene Teams aufgeteilt, um die Kapazitäten der Labore nicht zusätzlich zu belasten. Dabei sei die Qualität der Laborbasierten Antigentests zwischen den Antigen-Schnelltests und PCR-Tests anzusiedeln, wie Nina Beikert, Vorstand der Akkreditierten Labore in Berlin e.V., erklärt.

Bisher war die Nachfrage nach einer solchen Testmöglichkeit gering, da ausreichend Kapazitäten für PCR-Tests vorhanden waren. Doch durch die Knappheit an anderen Stellen steigt nun die Nachfrage nach Laborbasierten Antigentests.

Die Tests können an Abstrichstellen oder bei Hausärzten durchgeführt werden. Anschließend wird die Probe in ein entsprechendes Labor geschickt, um den jeweiligen Wert zu messen. Doch auch die Laborbasierten Antigentests können keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten – ein Restrisiko bleibt.

Warum setzt Deutschland überhaupt auf Schnelltests und nicht, wie Österreich, auf PCR-Tests?

Weil die Labore in Deutschland inzwischen bereits an ihre Grenzen stoßen. Sie waren schon vergangene Woche zu 86 Prozent ausgelastet, gab das ALM an. Das RKI spricht hier von einer täglichen Test-Kapazität von rund 430.000, das reicht inzwischen nur noch für sehr konkrete Verdachtsfälle und Menschen, die zu den vulnerablen Gruppen zählen oder mit ihnen zusammenarbeiten.

Menschen mit einem positiven Schnelltest oder einer roten Corona-Warn-App sollen in Zukunft keine PCR-Tests mehr nutzen, sondern anhand eines überwachten Antigentests nachkontrolliert werden. Um sich aus der Quarantäne freizutesten, kommen mittlerweile schon Antigen-Schnelltests zum Einsatz. Lediglich bei Menschen, die eine hohe Sicherheit beim Ergebniss benötigen, ist eine PCR-Testung noch Pflicht. Das gilt besonders bei einer Beschäftigung in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen der Wiedereingliederungshilfe.

Diese deutsche Schnelltest-Strategie wird heftig kritisiert, auch weil ein Blick in die Nachbarländer zeigt, dass es anders laufen kann: Allein in der österreichischen Hauptstadt Wien liegt die Laborkapazität bei 800.000 PCR-Tests am Tag, gab der dortige Stadtratssprecher bei der Eröffnung eines weiteren Labors am 14. Januar an – also fast doppelt so viel, wie in der gesamten Bundesrepublik.

Das hat vor allem damit zu tun, dass Österreich auf das sogenannte "Pooling" setzt. Dabei werden mehrere Proben gleichzeitig im Labor auf das Covid-19-Virus geprüft und erst bei einem positiven Befund die Einzelproben separat nachgetestet. Diese Technik bündelt Kapazitäten.

Beschleunigt wird die Massentestung auch dadurch, dass in Österreich sogenannte PCR-Gurgeltests verbreitet sind, die im Labor ausgewertet werden. Die Bevölkerung in Wien beispielsweise kann sich regelmäßig kostenlos entsprechende Testkits in 152 Filialen von Bipa abholen, den Gurgeltest mittels Videoaufzeichnung auf der Website zu Hause durchführen und dann an allen Rewe-Standorten in Wien abgeben, von wo aus die Gurgelpröbchen ins Labor geschickt werden.

Diese Gurgeltests wurden in Deutschland bislang aus mehreren Gründen abgelehnt: Zum einen warnt das RKI davor, dass es dabei "je nach Spülvolumen und -technik" zu "Verdünnungseffekten mit unter Umständen hoher Ergebnisvariabilität kommen" könnte. Zudem "besteht die Gefahr der Aerosolbildung, und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen müssen vor Probengewinnung getroffen werden." Zum anderen erfordert ein niedrigschwelliges PCR-Angebot auch entsprechende Laborkapazitäten, die Deutschland derzeit nicht mehr hat.

Könnte das Pooling-Verfahren auch hier die Labore entlasten?

Das sogenannte Pooling-Verfahren zur Auswertung von PCR-Tests ist schon seit Beginn der Pandemie in der Diskussion. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte damals schon für die Umsetzung in Deutschland plädiert. Dabei werden Proben mehrerer Menschen in einen "Pool" zusammengeführt und dann auf Covid-19 getestet. In Österreich testen die Labore so bis zu zehn Menschen auf einen Schlag. Nur wenn das Ergebnis positiv ist, werden die Einzelproben erneut kontrolliert. Was auch dafür spricht: Die Testungen werden dadurch deutlich günstiger, da der Arbeits- und Materialaufwand sich reduziert.

Doch könnten die deutschen Labore damit jetzt noch entlastet werden? Der Sprecher des Großlabors Bioscentia, Hendrik Borucki, glaubt das nicht. Er erklärte gegenüber "Stern.de", dass Omikron schon zu weit verbreitet sei, als dass die Pooling-Methode jetzt noch Sinn ergäbe: "Wenn die Positiv-Rate 30 oder 40 Prozent trage, müssten die Pool-Tests jeweils einzeln nachgetestet werden und der Kapazitätsvorteil wäre aufgebraucht", sagte er. Mit Blick auf andere Länder würden "häufig Äpfel mit Birnen" verglichen.

(jd/lc)

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