Unsere Autorin findet in der Weihnachtszeit mit Kindern kaum Ruhe. (Symbolbild).
Unsere Autorin findet in der Weihnachtszeit mit Kindern kaum Ruhe. (Symbolbild).Bild: iStockphoto / nicoletaionescu
watson-Kolumne

Mutter berichtet: "Warum die Vorweihnachtszeit mit Kindern das Gegenteil von besinnlich ist!"

26.12.2021, 09:3526.12.2021, 09:54

"Schonungslos ehrlich" – die Mama-Kolumne ohne Insta-Filter

Denke ich an die Vorweihnachtszeit, habe ich bestimmte Vorstellungen im Kopf. Bilder, die ich am liebsten in die Realität umsetzen möchte, und zwar nicht erst im Rentenalter. Wie gerne würde ich diese magische Zeit zelebrieren, sie so richtig auskosten.

Ich möchte mein Zuhause festlich schmücken, während Christmas Songs im Hintergrund laufen und ich mir nebenbei einen Schwips antrinke. Ich möchte mir einen Abend bewusst Zeit nehmen, um persönliche Weihnachtskarten zu schreiben, in denen ich das Jahr noch mal vorbeiziehen lasse. Ich möchte Rituale erschaffen wie den Kauf eines Tannenbaums, ein Zwischenstopp am Weihnachtsmarkt auf dem Rückweg und abends dann das große Baumschmücken.

"Am Ende verbringen wir das erste Adventsfrühstück mit einer Schale, in der vier nicht angezündete Kerzen liegen."

Ich möchte zu Christmas Dinnern und Advents-Brunches gehen. Ich möchte an einem der Adventswochenenden einen Städtetrip in eine weihnachtlich geschmückte Stadt wie London, Wien oder New York machen. Ich möchte eine fancy Plätzchen-Variation backen, nach der das ganze Haus duftet. Ich möchte die ganze Familie zum Christmas Dinner einladen und die Zutaten in Feinkostläden und Markthallen zusammensuchen und mir extravagante Drinks überlegen. Und dann möchte ich natürlich ein Tischdeko-Konzept kreieren und mir ein Glitzer-Outfit für den Abend shoppen.

Freunde haben uns am Vorweihnachtsabend zum "Dress Up" eingeladen, zu Champagner und Häppchen bei sich zuhause. Wie sehr hätte ich Lust, mich richtig aufzubrezeln um später angetüdelt zu "Under the Christmas Tree" von Albert Hammond in den Weihnachtstag zu tanzen. Geht jedoch schlecht mit Stillbaby und fehlendem Babysitter.

Stattdessen ein kurzer Abriss unserer letzten vier Wochen mit einem Vierjährigen und einem zwei Monate alten Baby: Angefangen hat es direkt mit dem Adventskranz. Ich besitze eine hübsche Porzellanschale mit vorgefertigten Kerzenhaltern. Die extravaganten Kerzen, die ich dieses Jahr bestellt hatte, passen leider nicht ganz in die Öffnungen. Weil ich es am Abend vorher nicht mehr geschafft habe, versuche ich am ersten Adventssonntag noch vor dem Frühstück, die Kerzen mit dem Messer zuzuschneiden und später, sie mit Wachs zu fixieren. Das Ergebnis: eine hungrige, schlecht gelaunte Familie. Am Ende verbringen wir das erste Adventsfrühstück mit einer Schale, in der vier nicht angezündete Kerzen liegen.

Unsere Autorin berichtet über die unschönen Seiten des Mutterdaseins – schonungslos ehrlich.
Unsere Autorin berichtet über die unschönen Seiten des Mutterdaseins – schonungslos ehrlich.bild: emmy lupin studio
Unsere Autorin...
...wurde mit Anfang 30 Mutter. Und kommt noch immer nicht damit klar, dass ihr altes, schönes Leben seitdem vorbei ist. Sie ist wütend, dass Eltern nie den Mut hatten, zu erzählen, was es wirklich bedeutet, ein Kind zu haben. Aus diesem Grund legt sie alle zwei Wochen den Finger in die Wunde – und berichtet schonungslos. Und weil sie weiß, dass Mütter sehr giftig werden können, wenn es um ihr Heiligstes geht, bleibt sie lieber anonym. Die täglichen Entrüstungsstürme ihres Sohnes reichen ihr völlig aus.

Zum Schmücken komme ich nicht. Nach der Hälfte der Adventszeit will ich jetzt doch noch zumindest ein bisschen Weihnachtsatmosphäre, also hole ich ein paar Deko-Objekte aus meiner Vor-Kind-Ära aus dem Keller. Darunter der wunderschöne Keramik-Schriftzug "NOEL" einer englischen Traditionsmarke. Kurzer Auftritt, denn am Ende landet er wieder sanft eingebettet in seiner Box. Das Risiko, dass er von einem Ball getroffen werden würde, ist zu hoch.

Hinter jedem Türchen ein kleiner Kampf

Beim Thema Adventskalender habe ich aus letztem Jahr gelernt: Es gibt nur noch leicht zu besorgende Süßigkeiten, lediglich am Wochenende ist ein kleines Geschenk verpackt. Der Kalender führt jedoch dazu, dass mein Sohn jetzt jeden Tag eine Stunde früher aufwacht. Am Wochenende ist es besonders schlimm. Ab 6.15 Uhr kämpfen wir um jede Minute. "Ist es jetzt sieben?" fragt er alle zwei Minuten. "Ist es JETZT sieben?" Verdammt nein, aber geh runter und hol den Scheiß raus, denke ich mir. Er wird eh nicht mehr einschlafen.

Gefällt ihm sein Geschenk, textet er mich die nächste halbe Stunde damit zu und will mir alles zeigen – so passiert mit einer Tyrannosaurus Rex-Figur. Kann das nächste das vorherige jedoch nicht toppen (Badekugel), jammert er unerträglich rum, wie blöd der Weihnachtsmann sei und dass er sich so etwas ganz sicher nicht gewünscht habe. Unter der Woche fechten wir die üblichen Kämpfe aus, wenn er versucht, sich die Adventskalender-Süßigkeit noch vor dem Kindergarten in den Mund zu schieben.

Ja und sonst? Die üblichen Dramen weil ich versehentlich die Kerzen ausgepustet habe. Er wollte doch! Also alle wieder anzünden und ihn auspusten lassen – wenn es richtig gut läuft. Ansonsten einfach nur Geschrei, weil ER wollte. Und jetzt nicht mehr will. Rolf-Zuckowski-Weihnachtsdudelei im Hintergrund statt meiner Best-of-Christmas Playlist. Kinderpunsch statt Glühwein. Die Buchung von Kinderarztterminen statt von City Trips.

"Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. PS: Kriegt bloß keine Kinder!"

Und dann wären da noch die üblichen Aktivitäten, die ich dieses Jahr direkt auslasse. Plätzchenbacken mit Kindern zum Beispiel. Die volleingesaute Küche und das Risiko, dass mein Sohn nach fünf Minuten abbricht, weil ihn die anfängliche Euphorie schlagartig verlassen hat, steht in keinem Verhältnis zu den langweilig schmeckenden und unförmigen Butterkeksen, die dabei herauskommen.

Die Weihnachtskarten schreibe ich in letzter Sekunde, immer dann, wenn der Vierjährige im Bett ist und das Baby kurz schläft. Manchmal muss ich mehrmals unterbrechen so dass am Ende alles wirr klingt. Manchmal kann ich danach meine eigene Schrift nicht mehr lesen weil ich mich so beeile, es noch in diesem Zeit-Slot zu schaffen. Und manchmal bin ich kurz davor zu schreiben: "Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. PS: Kriegt bloß keine Kinder!"

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