Leben
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Sich um ein Kind zu kümmern, kann den letzten Nerv rauben. Unsere Kolumnistin hat dennoch etwas gefunden, das ihr hilft. Bild: iStockphoto / Deagreez

watson-Kolumne

Mutter erzählt, was sie in den schlimmen ersten Wochen nach der Geburt gerettet hat

"Schonungslos ehrlich" – die Mama-Kolumne ohne Insta-Filter

Schon in jungen Jahren spürte ich, welche Macht Musik hat. Sie schaffte es, mich an schlechten Tagen aus einem Tief zu holen. Die richtige Melodie – und schon ändert sich meine Stimmung. Im Winter liebte ich es, kleinere Konzerte zu besuchen, denn die Atmosphäre berührte. Im Sommer reiste ich auf Festivals und genoss die Magie, die entsteht, wenn tausende Menschen um einen herum einen Refrain mitsingen. Oder sich einfach nur in Ekstase tanzen. Ich kehrte jedes Mal mit einer unglaublichen Energie zurück.

Im Alltag war Shazam meine wichtigste App. Aus internationalen Radiosendern erstellte ich meine persönliche Playlist. Von australischen Newcomer-Bands bis hin zu deutschen Sängerinnen entwickelte ich über die Jahre eine gigantische Musiksammlung. Ich hörte sie im Auto, beim Zugfahren und manchmal sogar beim Texte schreiben. So war ich unabhängig von deprimierenden Lokal-Radiosendern und entsprechendem Mainstream-Gedudel.

Für musikalische Neuentdeckungen fehlt mir die Zeit

Seit ich jedoch ein Kind habe, stehe ich mit Musik auf Kriegsfuß. Weder an eine richtige Tanzfläche noch an Live-Auftritte kann ich mich erinnern. Für musikalische Neuentdeckungen fehlt mir die Zeit. Für leise Hintergrundmusik fehlen mir die Nerven. Und richtig lautes Musikhören während der Autofahrt ist bekanntlich mit Kleinkind verboten.

Dabei hätte ich es gerade mit einem Dreijährigen so nötig, Stresssituationen mit Schreimusik, wie mein Mann eine meiner Lieblingsbands nennt, abzubauen. Lautes Dröhnen und dabei laut Mitsingen sind meiner Meinung nach die beste Therapie, die ich Neu-Müttern empfehlen kann. In den schlimmen ersten Wochen nach der Geburt hat sie mich gerettet. Als der Rückbildungskurs anfing, war ich das erste Mal ohne Kind unterwegs. Ich stieg ins Auto, drehte die Musik auf und fuhr zur Hebammenpraxis. Die besten sieben Minuten des Tages.

"Ich saß, hörte Musik und saugte ihre Wirkung auf. Weil ich wusste, dass mir ein brüllendes Baby entgegengestreckt werden würde, sobald ich die Haustür aufschloss."

Auf dem Rückweg folgten weitere grandiose elf Minuten, weil ich vor unserem Haus noch ein Lied lang im Auto sitzen blieb. Ich saß, hörte Musik und saugte ihre Wirkung auf. Weil ich wusste, dass mir ein brüllendes Baby entgegengestreckt werden würde, sobald ich die Haustür aufschloss.

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Unsere Autorin berichtet über die unschönen Seiten des Mutterdaseins – schonungslos ehrlich. Bild: Emmy Lupin Studio

Unsere Autorin...

... wurde mit Anfang 30 Mutter. Und kommt noch immer nicht damit klar, dass ihr altes, schönes Leben seitdem vorbei ist. Sie ist wütend, dass Eltern nie den Mut hatten, zu erzählen, was es wirklich bedeutet, ein Kind zu haben. Aus diesem Grund legt sie alle zwei Wochen den Finger in die Wunde – und berichtet schonungslos. Und weil sie weiß, dass Mütter sehr giftig werden können, wenn es um ihr Heiligstes geht, bleibt sie lieber anonym. Die täglichen Entrüstungsstürme ihres Sohnes reichen ihr völlig aus.

Ich habe versucht, meinem Sohn Musik näherzubringen

Mit jedem Jahr hat sich mein Sohn musikalisch weiterentwickelt – leider nicht zum Besten. Weil ich ihm einen Zugang zu Musik ermöglichen wollte, meldete ich ihn mit einem Jahr in der Musikschule an, wo bereits für Babys Kurse angeboten wurden. Das sah dann einmal die Woche so aus: Wir saßen mit mehreren Eltern und Kindern in einem Kreis. Die Erwachsenen sangen, schüttelten Rasseleier und warfen Tücher durch die Luft. Die Kinder klebten entweder an uns oder purzelten durch den Raum.

Mit 2,5 Jahren war mein Sohn dann so weit, sich phasenweise für einige Minuten an der Musikstunde zu beteiligen. Und dann kam der Lockdown. Ab da gings per Zoom weiter. Denn nach den ersten spannenden fünf Minuten, in denen sich mein Sohn für meinen Laptop statt für die darauf zu sehende Musiklehrerin interessierte, verließ er die Bildfläche und turnte durchs Wohnzimmer. So ging es auch einigen anderen Teilnehmern.

Am Ende saßen wenige Mütter und Väter peinlich berührt vor dem Bildschirm, mit einem Auge bei dem Kind, das irgendwo Unheil anrichtete. Mit dem anderen bei der Musiklehrerin, bemüht, mit den Glöckchen zu "Schneeflöckchen, Weißröckchen" im Takt zu schlagen. Ein Trauerspiel.

"Das Schlimme ist, dass sich mein Sohn immer auf ein Lied einschießt, das er dann in Dauerschleife hört."

Als Trauerspiel lässt sich auch das gesamte Kinderlieder-Repertoire bezeichnen. Die banalen Melodien, die dämlichen Texte – eine Zumutung für erwachsene Ohren. Als mein Sohn den ersten Kinderlieder-Tonie bekam, lief bei uns pausenlos "Teddybär, Teddybär dreh dich um. Teddybär, Teddybär mach dich krumm". Dann heb ein Bein, das ist fein, dann bau ein Haus (warum ein Haus bauen?), schau heraus. Einfach nur bekloppt.

Ein weiteres traumatisches Erlebnis war eine Frau, die vorgibt, Kindergärtnerin zu sein. Auf Youtube hat sie jedes Kinderlied, das existiert, mit einer Kindergruppe einstudiert. Wer also im Netz nach bekannten Kinderliedern sucht, kommt an ihr nicht vorbei. Ich kann nur davon abraten, während der Musik das Video anzusehen. Die ausdrucksstarken Grimassen dieser Frau werde ich nie vergessen. Da ihre Videos Millionen Klicks haben, gehe ich davon aus, dass sie, nachdem sie die neuen Hits abgedreht hat, den Rest des Jahres auf einer Privatinsel in der Südsee verbringt.

Inzwischen haben wir den nächsten musikalischen Meilenstein erreicht, Rolf Zuckowski. Das Schlimme ist, dass sich mein Sohn immer auf ein Lied einschießt, das er dann in Dauerschleife hört. Das zweitschlimmste ist, dass er dieses Lied nicht abhakt, wenn die Jahreszeit oder der Anlass vorüber ist. Neulich fing er in der Küche an, die "Weihnachtsbäckerei" zu trällern. Da bekomme ich direkt Magenschmerzen.

Letztens habe ich ein Lied gefunden, das mein Sohn und ich beide mögen

Schon oft habe ich darüber nachgedacht, ob ich all diese typischen Kinderlieder einfach weglasse. Und ihm deutsche Musik mit intelligenten Texten näherbringe. Musik, die ich selbst gerne höre. Würde ich damit nicht von klein auf seinen guten Musikgeschmack prägen? Sein Gehör für schöne Melodien und Poesie schulen? Doch was, wenn er nachfragt und ich ihm Textstellen wie "Feuer, das bin ich / Du bist super und Benzin / Wenn wir zusammen brennen / Wird der Ofen nie mehr ausgeh’n" erklären soll?

Letztens habe ich beim Autofahren einen guten Kompromiss gefunden. Das Lied "Eisbär" von Nouvelle Vague hatte sich irgendwo in meiner Mediathek versteckt. Als es kam, war ich zufrieden. Mein Sohn auch. "Ich möchte ein Eisbär sein / Im kalten Polar / Dann müsste ich nicht mehr schrei’n / Alles wär so klar". Oh, wie ich diesen Text fühle.

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