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Das Impfzentrum steht, Impfhelfer Daniel Rupp ist bereit. Bild: privat

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Junger Impfhelfer: "Der Impfstoff ist der erste Lichtblick seit langem"

daniel rupp

Binnen kurzer Zeit entstanden in ganz Deutschland Impfzentren, die allesamt am 27. Dezember ihren Betrieb aufnehmen. Es gilt, möglichst viele Menschen möglichst schnell durchzuimpfen, zuerst jene, die über 80 Jahre alt sind sowie medizinisches Fachpersonal. So steht es im Corona-Impfplan des Gesundheitsministeriums. Naheliegend, dass es gerade zu Beginn hektisch zugehen könnte. Um die Arbeit in den Einrichtungen zu stemmen, haben die Betreiber, etwa das Deutsche Rote Kreuz, freiwillige Impfhelfer zugezogen. Einer von ihnen: der 20 Jahre alte Student Daniel Rupp. Bei watson erzählt er, was ihn erwartet und warum ihm der Impfstoff Hoffnung macht.

"Kaum erschienen die ersten Meldungen zu einem neuen Impfstoff sowie dessen Zulassung, erhielt ich die Anfrage vom DRK, ob ich bei einem Impfzentrum aushelfen möchte. Tja, kurz darauf hievte ich Trennwände durch eine Sporthalle in Göttingen."

Von klein auf war ich von Medizin begeistert. Menschen helfen, pflegen, versorgen war mir immer wichtig. Dann, als ich 14 war, inspirierte mich mein Biologielehrer dazu, der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) beizutreten. Ich kam zu den Rettungsschwimmern, merkte aber schnell, dass das nichts für mich ist. Zwei Jahre und eine Asthmaerkrankung später machte ich mit 16 meinen Sanitäter.

Mit 18 ging ich dann zum Katastrophenschutz und trat der Medizinischen Task Force bei, einer Sondereinheit des Katastrophen- und Innenministeriums, welche vor allem für medizinische Notlagen gerüstet ist. Dort ist man Reservist, und man wird nur eingesetzt, wenn es zu einer Notlage kommt, die die regionalen Rettungskräfte nicht alleine stemmen können – welche mit der Corona-Pandemie teilweise eingetreten ist.

Kaum erschienen die ersten Meldungen zu einem neuen Impfstoff sowie dessen Zulassung, erhielt ich die Anfrage vom DRK, ob ich bei einem Impfzentrum aushelfen möchte. Tja, kurz darauf hievte ich Trennwände durch eine Sporthalle in Göttingen. Es war anstrengend, aber das fertige Zentrum zu sehen, beeindruckte mich sehr. Außerdem waren alle wahnsinnig motiviert. Kein Wunder, viele sind genervt von der Pandemie, auch ich. Unser aller Leben hat sich schließlich radikal verändert.

Der erste Lichtblick seit langem

Ich arbeite zum Beispiel in einer Stiftung für Demokratieförderung, die ich mit ein paar Freunden gründete. Normalerweise treffen wir uns dabei mit den Menschen, sprechen über Projekte, etwa Veranstaltungen zu Religionsfreiheit, aber das geht nun nicht mehr. Auch war ich jedes Wochenende unterwegs, bevor Corona losging – etwa auf politischen Konferenzen oder Schulungen. Das fiel Anfang des Jahres weg.

Natürlich war nicht alles schlecht. Zum Beispiel konnte ich mehr Zeit mit meinen Eltern verbringen. Leider bedrückte es mich, nur zu Hause zu sitzen. Die Beziehung zwischen mir und meiner Familie wurde entsprechend angespannter. Im Sommer war dann etwas Besserung in Sicht.

"Es ist kaum möglich, in einer neuen Stadt auf Distanz Anschluss zu finden. Naheliegend also, dass ich mich nun in einem Impfzentrum engagiere, ist doch der Impfstoff der erste Lichtblick seit langem."

Ich fuhr in den Urlaub, Wildcampen in der Slowakei, Tschechien und Kroatien über mehrere Wochen mit drei Freunden. So konnte ich mich ein wenig aus der Isolation lösen. Danach zog ich nach Göttingen und begann, Philosophie und Jura zu studieren. Ich freute mich, neue Erfahrungen zu machen, Menschen kennenzulernen, mich auszutauschen, doch das blieb bei digitalen Vorlesungen aus. Es ist kaum möglich, in einer neuen Stadt auf Distanz Anschluss zu finden. Naheliegend also, dass ich mich nun in einem Impfzentrum engagiere, ist doch der Impfstoff der erste Lichtblick seit langem.

Unbekanntes Terrain

Bisher habe ich keine Ahnung, wie die Arbeit im Impfzentrum aussehen wird. Ich weiß nur, dass mein Dienst um 10 Uhr beginnt und dass eine FFP2-Maske gestellt wird. Da die Impfzentren gerade erst etnstanden sind, würde ich davon ausgehen, dass das DRK auch noch nicht vollends Bescheid weiß. Wovon ich ausgehe, ist, dass ich in der Verwaltung arbeiten werde. Impfen darf ich ohnehin nicht, dafür haben wir ausgebildete Ärzte. Dass ich noch nicht viel weiß, ist aber nicht weiter schlimm.

"Angst, mich anzustecken, habe ich nicht. Die Impfzentren sollten sicher sein, vor allem weil anfangs ausschließlich Menschen aus Risikogruppen geimpft werden."

Zu Anfang wird es ohnehin eine Findungsphase geben. Einen Ansturm kann ich mir nur schwer vorstellen, viele bei dem DRK sehen das ähnlich. Viele Zentren starten zum Beispiel nicht mit voller Kapazität, wie ich bereits erfahren habe. Im nächsten oder übernächsten Monat wird es wahrscheinlich erst richtig losgehen.

Angst, mich anzustecken, habe ich nicht. Die Impfzentren sollten sicher sein, vor allem weil anfangs ausschließlich Menschen aus Risikogruppen geimpft werden. Wahrscheinlich werden auch wir Helferinnen und Helfer geimpft. Immerhin wäre es katastrophal, müsste ein Impfzentrum aufgrund mehrerer Infektionsfälle schließen. Schließlich sollten sich möglichst viele Menschen impfen lassen, damit wir die Pandemie allmählich hinter uns lassen können.

Für alle Impfskeptiker hat ein Freund, der in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist, einen guten Punkt gebracht. Zu seiner Zeit hinterfragte kaum einer die Impfstoffe, sei es für Masern, Röteln oder Mumps. Jetzt, 2020, leben wir unter einer weit moderneren Regierung, haben mit der Ständigen Impfkommission und der Europäischen Arzneimittelbehörde Gremien, die das Mittel genauestens prüfen, entsprechend sollten wir auch mehr vertrauen. Das würde ich so unterschreiben.

Protokoll: Tim Kröplin

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