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Gemeinsam Fußball schauen ist das beste, doch das Coronavirus ist noch immer mit dabei. watson hat sich Tipps geben lassen, wie man sich beim Public Viewing vor Corona schützt.Bild: IMAGO / Gonzales Photo
WM 2022

WM und die Corona-Pandemie: Warum ausgerechnet der Spielplan Infektionen begünstigt

22.11.2022, 08:3322.11.2022, 17:56

Vergangenes Wochenende begann die Fußballweltmeisterschaft in Katar. Doch dieses Mal ist alles anders: Abgesehen von der Diskussion um den umstrittenen Veranstaltungsort findet die Fußball-WM 2022 in der kalten Jahreszeit statt. Somit fallen die klassischen Public-Viewing-Veranstaltungen im Freien natürlich aus. Viele werden also Zuhause oder in einer Kneipe die Spiele verfolgen – wenn sie die umstrittene WM nicht gerade boykottieren.

Neben dem Boykott dürfte manch einen Fußball-Fan wohl auch eine andere Frage beschäftigen: Noch ist die Corona-Pandemie nicht vorbei, und gerade das letzte große Gemeinschaftserlebnis, das Oktoberfest in München, bewies dies mit einem massiven Anstieg der Infektionszahlen.

Ob Kneipe oder privat: watson hat bei der Physikerin und Corona-Modelliererin Viola Priesemann nachgefragt. Wie kann man das Ansteckungsrisiko beim gemeinsamen WM-Schauen möglichst gering halten?

Dr. Viola Priesemann Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut fuer Dynamik und Selbstorganisation in der ARD-Talkshow ANNE WILL am 01.11.2020 in Berlin. Thema der Sendung: Vier harte Wochen wi ...
Viola Priesemann ist in Talkshows eine gerngesehene Expertin.Bild: imago / eventpress

watson: Frau Priesemann, in welcher Konstellation treffen das Coronavirus und die WM gerade aufeinander?

Viola Priesemann: Wenn wir auf die kommenden Wochen schauen, dann kommen mehrere Faktoren zusammen: Die neuen Varianten, die gerade kommen, und wieder einen gewissen Immunescape zu haben scheinen, die niedrigeren Temperaturen und die Fußball-WM, zu der sich Personen möglicherweise vermehrt in großen Gruppen treffen werden. Die Fußball-WM hat den Unsicherheitsfaktor, dass ich nicht präzise weiß, wie viele Personen überhaupt Fußball in großen Gruppen schauen werden. Wenn viele Personen entscheiden, speziell diese WM nicht zu schauen, aus welchen Gründen auch immer, dann werden wir die WM auch kaum in den Inzidenzen sehen. Wenn es einen ähnlichen Andrang gäbe wie zum Oktoberfest, dann kann das die Ausbreitung deutlich verstärken.

"Je niedriger die Inzidenz, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine infektiöse Person anwesend ist."
Viola Priesemann gegenüber watson

Was sind die konkreten Faktoren, die eine Ausbreitung begünstigen?

Wir kennen natürlich die Faktoren, die bei der Covid-Ausbreitung eine Rolle spielen. Ein Vorteil ist, dass Inzidenzen und Krankenhausbelastung in den letzten Wochen stark zurückgegangen sind: Je niedriger die Fallzahlen am Anfang der Fußball-WM sind, desto besser, denn dann ist bei einem größeren Event die Wahrscheinlichkeit für ein Super-Spreading geringer. Je niedriger die Inzidenz, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine infektiöse Person anwesend ist. Wir werden in den kommenden Wochen mit den niedrigen Temperaturen und den neuen Varianten wieder steigende Infektionszahlen sehen. Wie stark die WM die Ausbreitung beschleunigt, hängt weitgehend vom Verhalten ab.

Was würden Sie empfehlen, um eine Ansteckung zu vermeiden?

Wer zu großen Veranstaltungen geht, ist sich sicherlich inzwischen bewusst, dass man sich dort anstecken kann, sei es mit Covid, Influenza oder anderem. Dadurch, dass es eine Reihe von Personen gibt, die sich nicht anstecken wollen oder sollten, ist eine gewisse Rücksichtnahme aller hilfreich, egal ob mit oder ohne WM.

"Es würde also helfen, nicht jedes, sondern nur jedes zweite Spiel und in einer großen Gruppe anzuschauen."

Ich selbst schaue keine WM-Spiele, in erster Linie wegen der übermäßigen Kommerzialisierung und möglichen Korruption. Aber ich weiß, dass es viel Spaß machen kann, gemeinsam gute Spiele zu schauen. Wenn man also vorhat, Spiele in einer großen Gruppe zu schauen, ist es natürlich sinnvoll, danach auf Symptome zu achten und sich zu testen, vor allem, wenn man mit vulnerablen Personen zu tun hat – wie bei jeder Veranstaltung.

Muss ich als Fußballfan noch weitere Dinge beachten?

Was bei der Fußball-WM speziell ist: Die Spiele eines Teams finden etwa alle vier Tage statt, und das passt sozusagen "sehr gut" zur Inkubationszeit von Covid: Wenn man sich angesteckt haben sollte, ist man ziemlich genau zum zweiten Spiel frisch infektiös – aber eventuell noch asymptomatisch. Es würde also helfen, nicht jedes, sondern nur jedes zweite Spiel in einer großen Gruppe anzuschauen.

Deutsche Fußballfans im Stadion der TSG Hoffenheim fotografiert am 26.3.22 in Sinsheim beim Fußball Freundschaftsspiel BRD gegen Israel. DFL/DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SE ...
Wenn's sein muss: Fans mit Maske im Stadion. Aber in der Kneipe?Bild: imago / hjs

Die genannten Maßnahmen helfen vor allem, die Weiterverbreitung zu reduzieren. Insgesamt ist es zum Glück nicht mehr notwendig, dass alle ihre Kontakte reduzieren. Es geht mehr um das Bewusstsein, dass man mit etwas Vorsicht und Rücksicht das Risiko für all diejenigen senken kann, die sich nicht anstecken wollen oder sollten. Für den Selbstschutz gilt: Je kleiner die Gruppe, desto besser. Je besser der Raum belüftet ist, desto besser. Je mehr Personen sich vorher getestet haben, desto besser. Masken sind hilfreich, aber in dem Kontext der Fußball-WM eher unrealistisch.

Abgesehen vom persönlichen Gesundheitsrisiko, welche Auswirkungen hätte eine WM-Welle?

Wir sehen bisher zumindest keinen Grund für extreme Besorgnis, was die Überlastung des Gesundheitssystems angeht. Personalausfälle können aber wieder mehr zum Problem werden, und auch Long Covid sollte man nicht unterschätzen.

"Endemisch heißt nicht, dass es keine Krankheitslast gibt, die Grippe ist auch endemisch und führt trotzdem immer wieder zu deutlichen Belastungen im Gesundheitssystem."

Unter anderem von Stiko-Chef Mertens ist die Rede davon, dass die Pandemie-Lage inzwischen als endemisch zu beurteilen ist. Wie sehen Sie das?

Es gibt natürlich nicht diesen einen Zeitpunkt, wo man sagt Dienstag,18:59 Uhr, jetzt ist Covid-19 endemisch. Diese Wellen und auch schon die Wellen im vergangenen Sommer sind zurückgegangen, ohne dass es einer deutlichen Verhaltensänderung der Bevölkerung bedurfte. Und das ist ganz klar eine der Eigenschaften von endemisch.

Was ändert die endemische Lage an der Situation?

Endemisch heißt nicht, dass es keine Krankheitslast gibt. Die Grippe ist auch endemisch und führt trotzdem immer wieder zu deutlichen Belastungen im Gesundheitssystem. Und natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass neue Varianten kommen. Besonders wenn diese eine starke Immunescape-Eigenschaft vorweisen und die Wahrscheinlichkeit erhöht wäre, dass wir erneut verhältnismäßig schwere Verläufe haben, dann sieht die Lage wieder anders aus.

ARCHIV - 05.11.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Die Kneipe Lotta in der Kölner Südstadt boykottiert die Fußball-WM-Spiele in Katar und hat über dem Eingang ein Banner mit der Aufschrift «#Boycott Qata ...
Schon vor Anpfiff abgesagt: Die WM-Übertragung in vielen Fußballkneipen.Bild: dpa / Thomas Banneyer

Falls sich zur WM doch wieder viele Menschen infizieren: Sehen Corona-Wellen denn in einer Endemie anders aus, als in einer Pandemie?

Corona wird endemisch, das heißt aber nicht, dass wir diese Wellen nicht beeinflussen können. Wie hoch eine Welle wird, wann sie bricht und wie viele Menschen sich infizieren, hängt natürlich von der Immunität ab, aber auch von unserem Verhalten. Das macht die Wellen jetzt nicht um ein Vielfaches kleiner als in den ersten beiden Jahren, aber es kann durchaus ein beträchtlicher Faktor sein. Wenn also Personen weitsichtig sind und im Verdachtsfall die Kontakte reduzieren, dann ist das ein Beitrag, die Wellen abzuflachen, und zwar nachhaltig. Und das reduziert die Krankheitslast der Bevölkerung, das Risiko für Long Covid und den Personalausfall.

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