Braunkohlebagger an der Abrisskante aufgenommen bei einem Pressetermin von Fridays for Future zur aktuellen Situation vor Ort; mit dabei sind auch Vertreter der Organisationen Alle Dörfer Bleiben, Lüt ...
Am Montag hatte das Oberverwaltungsgericht mitgeteilt, dass RWE Power das letzte Grundstück in Lützerath für den Braunkohletagebau Garzweiler abbaggern darf.Bild: dpa / Thomas Banneyer
Energie

Letzter Landwirt in Lützerath verkauft Grundstück an RWE

04.04.2022, 17:5504.04.2022, 17:58

Der letzte Landwirt in dem nordrhein-westfälischen Ort Lützerath am Braunkohletagebau Garzweiler hat seinen Hof und die damit direkt verbundenen Flächen an den Betreiber des Tagebaus RWE verkauft. Das bestätigten seine Anwältin Roda Verheyen und die RWE am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Vor einer Woche hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster entschieden, dass RWE das Grundstück abbaggern darf.

Die Anwältin erklärte, ihr Mandant Eckardt Heukamp habe schweren Herzens die Niederlage beim OVG gegen die Besitzeinweisung angenommen und für sich entschieden, die noch anhängigen Verfahren nicht weiterzuführen. "Mein Zuhause ist kein Spielball für Gerichte und Politik, die sich aus der Verantwortung für Klimaschutz ziehen wollen", sagte der Landwirt laut einer Mitteilung der Initiative "Alle Dörfer bleiben". "Nach zehn Jahren im Konflikt mit den Profitinteressen von RWE brauche ich eine Verschnaufpause."

Verständnis von Klimaaktivisten für Landwirt

Die Klimaaktivisten der Initiative "Lützerath Lebt!" und das Bündnis "Alle Dörfer Bleiben" zeigten Verständnis für Heukamps Entscheidung, wie sie in einer Pressemitteilung klarstellten:

"Wir müssen endlich den Menschen vor den Profit stellen. Hier passiert das Gegenteil. Nicht nur Eckardt Heukamp leidet unter RWE, sondern auch Menschen, die zum Beispiel die aktuelle Dürre und Hitzewelle in Mexiko ertragen müssen. Wir werden uns weiterhin gegen die Klimakrise und dieses System an diesem Ort wehren"
Florian ÖczanSprecher der Lützerath Lebt! Initiative
Landwirt Eckart Heukamp spricht bei einer Pressekonferenz von Fridays for Future zur aktuellen Situation vor Ort; mit dabei sind auch Vertreter der Organisationen Alle Dörfer Bleiben, Lützerath Lebt!  ...
Nach dem Urteil des OVG Münster in der vergangenen Woche hat Landwirt Eckart Heukamp nun doch sein Grundstück an RWE verkauft.Bild: dpa / Thomas Banneyer

Sie kündigten weitere Proteste und eine Großdemonstration in Lützerath gemeinsam mit Fridays for Future und Ende Gelände für den 23. April an. Denn neben Lützerath schweben damit auch weiterhin noch viele weitere umliegende Dörfer in der Gefahr, abgebaggert zu werden, wie David Dresen, Bewohner im Nachbardorf Kuckum, befürchtet:

"Der psychische Druck, den RWE auf Umsiedler ausübt, ist absolut unmenschlich. Das Dorf wird immer leerer, die Gebeine der Toten werden aus dem Friedhof geholt, die Bagger graben Tag und Nacht in Richtung Ihres Hauses, die Firma ruft Sie ständig an – und wenn Sie nicht tun, was RWE gefällt, sagen sie: Entweder du nimmst dieses Angebot jetzt an oder du schaust, wo du wohnst. Wir sind beeindruckt, wie lange und mit wie viel Mut Eckardt Heukamp diesem Druck standgehalten hat."
David DresenKlimaaktivist bei "Alle Dörfer bleiben"

Inzwischen stehen in Lützerath, einem Ortsteil der Stadt Erkelenz am Rand des Tagebaus, nur noch wenige Gebäude. Seit Monaten leben Klimaaktivisten in Zelten, Wohnwagen und verlassenen Häusern. Sie wollen verhindern, dass das Gelände für den Braunkohletagebau abgebaggert wird.

(mcm/ mit Material von dpa)

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