3,5 Kilogramm an Getreideprodukten wie Haferflocken und Nudeln empfiehlt die Bundesregierung als zehntägigen Notvorrat – falls wichtige Strukturen ausfallen sollten.
3,5 Kilogramm an Getreideprodukten wie Haferflocken und Nudeln empfiehlt die Bundesregierung als zehntägigen Notvorrat – falls wichtige Strukturen ausfallen sollten.Bild: picture alliance / Frank May
Exklusiv

Notfallvorrat der Bundesregierung: So gut sind junge Menschen für den Ernstfall gewappnet

07.05.2022, 10:49

Seit dem ersten Corona-Lockdown am 22. März 2020 spielen Notfallvorräte in der Einkaufsplanung eine größere Rolle als zuvor. Was aber viele häufig vergessen: Auch unabhängig von der Corona-Pandemie empfiehlt das Bundesamt für Katastrophenhilfe und Bevölkerungsschutz (BBK) den Deutschen einen Notvorrat (hier die vollständige Liste) – für den Fall der Fälle.

Angesichts des Krieges in der Ukraine betonte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) nochmals, wie wichtig Lebensmittelvorräte für den Fall sein könnten, dass wichtige Strukturen ausfallen: "Wenn tatsächlich mal länger der Strom ausfällt oder das tägliche Leben auf andere Art eingeschränkt wird, dann ist es auf jeden Fall sinnvoll, einen Notvorrat zu Hause zu haben", sagte Faeser am Anfang der Woche in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

Sind junge Menschen für den Ernstfall gewappnet?

Aber haben wir in Deutschland, wo wir zu beinahe jeder Tag- und Nachtzeit in den Supermarkt gehen oder uns Lebensmittel via App nach Hause bestellen können, tatsächlich einen Notvorrat zuhause oder planen, uns einen solchen zuzulegen?

Mehr als die Hälfte der Deutschen sagt: Nein. Bei einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsunternehmen Civey im Auftrag von watson durchgeführt hat, gaben 66 Prozent der Befragten an, auch nach der Empfehlung der Bundesregierung, Vorräte für zehn Tage anzulegen, dies künftig nicht tun zu wollen. Nur 23 Prozent planen offenbar, in Zukunft Lebensmittel auf Vorrat zu kaufen.

bild: civey

Diese Lebensmittel sollte man laut BKK zuhause haben

  • Getränke: 2 Liter pro Tag und Person (insgesamt 20 Liter)
  • Getreide, Getreideprodukte, Brot, Nudeln, Kartoffeln, Reis: 3,5 Kilogramm
  • Gemüse und Hülsenfrüchte in Gläsern und Dosen: 4 Kilogramm
  • Obst und Nüsse in Gläsern und Dosen: 2,5 Kilogramm
  • Milch und Milchprodukte: 2,6 Kilogramm
  • Fisch, Fleisch, Eier bzw. Volleipulver: 1,5 Kilogramm
  • Fette, Öle: 0,357 Kilogramm
  • Sonstiges nach Belieben: Zucker, Honig, Marmelade, Kekse, Schokolade, Jodsalz, Fertiggerichte, Salzstangen, Instantbrühe, Kakaopulver, Mehl

Auf ihrer Website schreibt das BKK: "Versuchen Sie, Ihren Vorrat in Ihren alltäglichen Lebensmittelverbrauch zu integrieren." So sollte der Vorrat nach dem eigenen Geschmack aufgestellt sein und immer wieder verbraucht und neu aufgefüllt werden, sodass nichts verdirbt.

Neben Lebensmitteln und Getränken führt das BKK auch einen Grundvorrat von Medikamenten und Hygieneartikeln wie Desinfektionsmitteln, Seife, Zahnpasta, Toilettenpapier, aber auch einen Verbandskasten, Schmerzmittel und Taschenlampen, Batterien, Feuerzeuge oder Streichhölzer an.

Lebensmittelvorrat reicht bei 26 Prozent der 18 bis 29-Jährigen für vier bis fünf Tage

Laut der Befragung halten die Vorräte bei 25 Prozent der Deutschen zwischen vier und fünf Tagen, bei 18 Prozent für knapp eine Woche. Immerhin 17 Prozent der Befragten gaben an, zwei Wochen oder länger von ihren Vorräten leben zu können.

Konserven, Kichererbsen, Linsen, Couscous, Haferflocken und Öl: Um im Ernstfall einige Tage ohne Hilfen überleben zu können, empfiehlt das BKK einen Notfallvorrat.
Konserven, Kichererbsen, Linsen, Couscous, Haferflocken und Öl: Um im Ernstfall einige Tage ohne Hilfen überleben zu können, empfiehlt das BKK einen Notfallvorrat.Bild: Zoonar.com/Olena Mykhaylova / Olena Mykhaylova

Wie viele Lebensmittel die Befragten vorrätig hätten, hängt allem voran mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Platz zusammen: So gab über die Hälfte (52 Prozent) an, nicht ausreichend Platz für Vorräte zu haben, die sie zusätzlich zu denen für die nächsten paar Tage lagern könnten. Auch die Planung des Einkaufs sowie die zusätzlichen Kosten gaben die Befragten mit 34 beziehungsweise 37 Prozent als einen der führenden Gründe an, warum sie keinen größeren Vorrat besitzen würden.

Insbesondere bei den 18 bis 29-Jährigen scheitert das Anlegen längerfristiger Vorräte aber an den Kosten – mit insgesamt 54 Prozent ist das für sie der bestimmende Faktor. Bei den 30 bis 64-Jährigen führten dies zwischen 36 und 39 Prozent der Befragten als Grund an, bei ihnen rangiert stattdessen das Platzproblem an erster Stelle.

bild: civey

Junge Menschen gehen deutlich häufiger einkaufen als ältere

Zwar gab der Großteil der Befragten an nur ein- (35 Prozent) oder zweimal (32 Prozent) die Woche im Supermarkt einkaufen zu gehen. Hier fällt aber auf, dass jüngere Menschen zwischen 18 und 29 Jahren deutlich häufiger einkaufen gehen, als höhere Altersgruppen.

So gaben 18 Prozent von ihnen an, viermal die Woche einkaufen zu gehen, bei den anderen Altersgruppen sind es nur zwischen vier und sechs Prozent, die viermal die Woche in den Supermarkt gehen.

bild: civey

Liefermitteldienste wie "Gorillas" deutlich weiter verbreitet bei Jüngeren

Auch wenn die in den Großstädten vielfach umherflitzenden Fahrradkuriere von "Gorillas" und "flink" vermuten lassen, dass die Menschen ihre Einkäufe immer häufiger über Lieferdienste erledigen, zeigt die Umfrage deutlich, dass dies nicht der Fall ist: Nur vier Prozent der Befragten gab an, einmal die Woche Lebensmittel über einen Lieferdienst zu bestellen, immerhin 17 Prozent tun dies ab und zu, aber seltener als einmal die Woche.

In immer mehr Großstädten sind Fahrradkuriere von "Gorillas" oder "flink" unterwegs und liefern Lebensmittel aus.
In immer mehr Großstädten sind Fahrradkuriere von "Gorillas" oder "flink" unterwegs und liefern Lebensmittel aus.Bild: ROBIN UTRECHT / ROBIN UTRECHT

Genutzt werden die Lieferdienste dabei überwiegend von den jüngeren Befragten. Zehn Prozent der 18 bis 29-Jährigen erklärte, einmal die Woche online Lebensmittel zu bestellen. Bei den 30 bis 49-Jährigen sind es zwischen fünf und sechs Prozent.

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In dem Befragungszeitraum vom 4. bis zum 6. Mai 2022 haben sich 5.001 Menschen an der Umfrage beteiligt. Der statistische Fehler liegt bei 7,1 Prozent.

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