Fridays for Future mahnt die Gr

Am 18. Juni findet die nächste Klimademo statt. (Symbolbild) Bild: www.imago-images.de / www.AlexanderPohl.photography

So hat sich die Sicht auf Fridays for Future verändert – und das will die Bewegung noch erreichen

fabia klein, gastautorin

Medienberichte in Massen, kleine Proteste mit ein paar hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern, bis wöchentlich die Streikzahlen rasant in die Höhe schossen. Zum Beginn der Streiks in 2018/2019 hätte kaum jemand gedacht, dass Fridays for Future im Jahr 2021 noch auf die Straßen gehen und noch immer dieselben Forderungen wie vor zweieinhalb Jahren stellen würde.

Politik und Wirtschaft blockieren nach wie vor den Klimaschutz, den die Klimagerechtigkeitsbewegungen einfordern. Dadurch wehren sie eine effektive Klimapolitik mit einem sinnvollen und ambitionierten Plan für die Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze nicht nur ab, sondern machen sie schier unmöglich.

So fing alles an: Die ersten Proteste 2018

Denken wir einmal an den Beginn der Proteste zurück, so fällt auf, dass sich bis heute der Diskurs über Fridays for Future drastisch verändert hat: Nicht nur, dass die Bewegung auf globaler Ebene so einzigartig ist – dass sich Kinder für ihr Recht auf Zukunft starkmachen?! Nein. Auch die Sichtweise vieler Menschen, insbesondere der Politik, hat sich verändert.

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Alle zwei Wochen melden sich Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future in einem Gastbeitrag bei watson zu Wort, um zu zeigen: Wir können noch etwas gegen den Klimawandel tun – wenn wir jetzt handeln. null / watson

2018/2019 waren wir lange eine Gruppierung aus Schülerinnen und Schülern, die von Politikerinnen und Politikern nicht ernst genommen wurden, die man belächelte. Die Politik ging trotz der Proteste weiter den Weg, den man in den vergangenen Jahren beschritten hatte: Nämlich das, was uns heute als Klimapolitik verkauft wird, im Kern allerdings als Symbolpolitik zu bezeichnen ist.

"Von der Politik ignoriert und klein geredet, haben wir uns als Bewegung trotzdem einen Namen gemacht."

Zu Beginn unserer Proteste war kaum jemand von uns davon ausgegangen, dass wir länger als ein halbes Jahr würden streiken müssen. Doch wir wurden eines Besseren belehrt. Von der Politik ignoriert und klein geredet, haben wir uns als Bewegung trotzdem einen Namen gemacht. Heute: Nicht nur das Denken, auch menschlich haben wir uns weiterentwickelt. Zweieinhalb Jahre Protest, jede Woche, verändern, bringen Erfahrung und lassen spüren, wie langwierig Politik tatsächlich ist.

Doch heute hat sich die Sicht auf uns als Bewegung verändert. Wir sind zwar bis heute noch eine weltweit vertretene Jugendbewegung, die den Diskurs rund um die Klimakrise in die Familien bringt, aber eben auch viel mehr als das. Die Gesellschaft hat begriffen, was es heißt Klimaschutz zu betreiben, die Ambitionen sind da.

Heute sind wir nicht mehr nur eine Bewegung, die die Politik an ihre Zusagen erinnert und zum Handeln auffordert. Wir sind die Projektionsfläche der Anliegen der Bürgerinnen und Bürger, die die Klimakrise als existenzbedrohend wahrnehmen, die Klimaschutz von der Politik fordern. Nicht nur unsere Proteste, sondern eben auch, dass wir eine weit verbreitete Meinung im politischen Diskurs vertreten, macht uns heute zu einem politischen Akteur, der die Situation nicht nur von außen betrachtet, sondern selbst durch Proteste handelt, denn Veränderung entsteht mit und vor allem aus der Gesellschaft.

Protest soll bunt, vielseitig, divers sein

Das ist es, was wir wollen. Dass die Veränderung, die wir so dringend benötigen, aus der Breite der Gesellschaft heraus erwirkt wird. Wenn wir alle Menschen bei dieser Veränderung mitnehmen wollen, muss eine große Bandbreite an Perspektiven in den Diskurs einbezogen und die bestehenden Mehrheiten aus der Gesellschaft sichtbar gemacht werden. Wie sollte das besser funktionieren als mit buntem Protest, in dem viele verschiedene Stimmen zu Wort kommen?

"Veränderung ist ein Prozess, den wir gemeinsam anpacken und als Aufgabe der ganzen Gesellschaft ansehen müssen."

Doch nicht nur das: Umdenken entsteht im Austausch, wenn Perspektiven aufeinandertreffen und Menschen miteinander kommunizieren. Veränderung entsteht aber nicht von heute auf morgen. Veränderung ist ein Prozess, den wir gemeinsam anpacken und als Aufgabe der ganzen Gesellschaft ansehen müssen. Die Politik spielt an dieser Stelle die Rolle des Akteurs, der die Veränderung möglich macht, Steine aus dem Weg räumt und den ersten Schritt nach vorne tut.

Uns ist besonders wichtig, verschiedene Meinungen und Sichtweisen in die Diskussion zu holen, weswegen wir Kooperationen mit den unterschiedlichsten Akteuren eingehen, um sie vielfältig zu gestalten. So arbeiten wir seit einigen Monaten unter dem Titel #Aufbruchsklima mit Ver.di und Unteilbar zusammen.

Am 18. Juni wird dazu von unserer Seite zu einem bunten Protest mobilisiert, der so divers wie möglich gestaltet wird. Bundesweit finden in diesem Rahmen Aktionen statt, die das Klima-Thema wieder politisch sichtbar machen sollen. Hier werden Perspektiven eingebunden, die wir aus dieser Kooperation mitgenommen haben – das ist nur der erste von vielen Schritten in die Richtung breiter Bündnisse, die die Notwendigkeit nach sofortigen Maßnahmen zusammen mit uns laut und klar artikulieren.

Seit 2019 streiken wir mit den unterschiedlichsten Menschen auf den Straßen und schmieden Kooperationen mit Organisationen aus allen Teilen der Gerechtigkeitskämpfe. Gemeinsam organisieren heißt voneinander lernen, Fehler reflektieren und stärker vereint Wandel auf die Straße tragen.

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Fabia Klein, 19 Jahre, ist seit 2019 Aktivistin bei Fridays for Future und wohnt in Nürnberg. Sie organisiert die Demonstrationen in ihrer Heimatstadt Nürnberg und ist Pressesprecherin für Fridays for Future Deutschland. bild: Mae Pergher

Die Bundestagswahlen stehen vor der Tür

So viel Zeit seit dem Beginn der Streiks auch vergangen ist, so wenig Zeit ist noch bis zu den Bundestagswahlen – hundert Tage. Hundert Tage um nochmal deutlich zu machen, von welch großer Bedeutung Klimagerechtigkeit insbesondere in der kommenden Legislaturperiode ist.

Entscheidend ist jetzt, dass Politik grundlegend "Veränderung" ist, dass wir den entscheidenden Schritt nach vorne tun. Weg von einer Politik, die in dieser Form nicht zukunftsfähig ist. Die Politik muss die Klimakrise ein für allemal als eine Existenz bedrohende Krise behandeln und dieser Tatsache ins Gesicht sehen. Die Bewältigung der Klimakrise gelingt nicht von heute auf morgen.

"Wir können diese Krise bezwingen, wenn wir als eine Gesellschaft, mit der Politik, der Wirtschaft und der Wissenschaft an einem Strang ziehen."

Aber klar ist: Wir können diese Krise bezwingen, wenn wir als eine Gesellschaft, mit der Politik, der Wirtschaft und der Wissenschaft an einem Strang ziehen. Momentan ist das noch nicht der Fall. Das Klima-Thema darf nicht nur Teil des Wahlkampfes sein – Klimagerechtigkeit darf nicht ausschließlich als Wahlkampfthema existieren, Klimaschutz ist keine Meinung, Klimaschutz muss Grundlage unserer Politik werden. Erst dann behandeln wir die Krise als Krise und können gemeinsam anpacken.

Die entscheidende Frage ist jetzt: Was braucht es, um Klimaschutz zu betreiben und sich von Symbolpolitik abzukehren? Wir brauchen eine Politik, die auf Wissenschaft beruht, Problemlösung betreibt und mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und diskutiert. Der Leitgedanke der Politik muss sein: Wir machen Veränderung möglich und geben anderen die Möglichkeit, etwas zu verändern und dazu Neues zu schaffen. An dieser Stelle heißt es, Politik neu zu denken.

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