Der nächste globale Klimastreik steht an.
Der nächste globale Klimastreik steht an. Bild: www.imago-images.de / imago images
Gastbeitrag

"Die eskalierende Klimakrise macht eine friedliche Welt unmöglich": Fridays for Future über die Zusammenhänge von Krisen

25.03.2022, 11:4226.03.2022, 13:06
jule pehnt, gastautorin

Momentan befinden wir uns in einem Zustand, in dem die Welt den Atem anhält. Fassungslos schauen wir uns das Weltgeschehen an und können nicht glauben, wozu wir als Menschheit imstande sind.

Wir haben in den letzten Jahren als Generation und als Gesellschaft durch Corona gelernt, was es heißt, stillzustehen. Denn das war die größte Hilfe, die wir leisten konnten. Wir haben gelernt, was Solidarität heißt. Gerade jetzt bei diesem Krieg und seit Jahrzehnten bei der Klimakrise, merken wir jedoch, dass stillstehen und zuschauen keine Option ist, dass Solidarität Handeln heißt. Krisen überschlagen sich, feuern sich gegenseitig an und vor allem kosten sie jeden Tag Menschenleben.

Alle zwei Wochen melden sich Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future in einem Gastbeitrag bei watson zu Wort, um zu zeigen: Wir können noch etwas gegen den Klimawandel tun – wenn wir jetzt handeln.
Alle zwei Wochen melden sich Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future in einem Gastbeitrag bei watson zu Wort, um zu zeigen: Wir können noch etwas gegen den Klimawandel tun – wenn wir jetzt handeln.

An diesem Freitag findet der 10. Globale Klimastreik von Fridays for Future statt. Wir streiken, weil wir es nicht zulassen können, dass weiterhin täglich Menschen ihre Lebensgrundlagen und ihre Familien verlieren, nur, weil ein paar Großkonzerne gerne ihr Geld behalten wollen oder weil Länder wie Deutschland es zu mühsam finden, Emissionen konsequent zu reduzieren.

Auf der ganzen Welt und in über 250 Städten deutschlandweit werden Menschen auf die Straßen gehen. Menschen, die nicht teilnahmslos zuschauen können und wollen, wie unsere globale Gesellschaft auf Katastrophe nach Katastrophe zu schlittert.

Viele fragen uns in den letzten Tagen, warum wir eigentlich noch streiken. Klimaschutz sei doch jetzt eher weniger wichtig und die Menschen in der Ukraine interessiere das nicht. Aber genau das ist der falsche Ansatz – wir können Kriege und Krisen nicht als vereinzelte Symptome betrachten, wir können sie nicht unabhängig voneinander bekämpfen, sondern wir müssen erkennen, dass sie alle ineinandergreifen.

Die eskalierende Klimakrise macht eine friedliche Welt unmöglich. Ressourcen-Knappheiten und Katastrophen werden zunehmen, Demokratien destabilisieren – und Frieden massiv gefährden. Gerade jetzt müssen wir erkennen, dass unter anderem unser fossiles, profitorientiertes System zu diesem Krieg beigetragen hat.

Die EU kauft jeden Tag für rund 600 Millionen Euro Kohle, Öl und Gas aus Russland. Nicht erst seit gestern wissen wir, dass in Russland ein totalitäres Regime herrscht und trotzdem hat unsere Regierung zugelassen, dass sich eine enorme geopolitische Abhängigkeit entwickelt.

Die Kanzlerin und Minister und Ministerinnen der letzten Jahre, aber auch in der Ampel-Regierung haben es bis Kriegsausbruch willentlich verhindert und ignoriert, eine konsequente Energie-, Verkehrs und Wärmewende zu gestalten. Die lauten Stimmen von Konzernen und Geldversprechen dahinter, waren mehr wert als die Menschenleben, die verloren gingen und gehen.

"Frieden ist nicht möglich in einem fossilen Weltsystem, das Profite über Menschenleben stellt."

Fossile Energieträger heizen also nicht nur unsere Atmosphäre auf, sondern finanzieren auch diesen Krieg mit. Eine der Antworten auf diesen Krieg ist deswegen klar: Wir brauchen einen sofortigen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas – Frieden ist nicht möglich in einem fossilen Weltsystem, das Profite über Menschenleben stellt. Dabei fordern wir, dass dieser Ausstieg schnell und konsequent sein muss, aber immer sozial abgesichert. Wir dürfen Klimaschutz nicht auf den Schultern der ärmeren Leute betreiben.

Jule Pehnt ist 17 Jahre alt und geht in Freiburg in die elfte Klasse. Seit 2 Jahren engagiert sie sich bei Fridays for Future für eine konsequente und gleichzeitig sozial-gerechte Klimapolitik.
Jule Pehnt ist 17 Jahre alt und geht in Freiburg in die elfte Klasse. Seit 2 Jahren engagiert sie sich bei Fridays for Future für eine konsequente und gleichzeitig sozial-gerechte Klimapolitik.

Angebliche Lösungen, wie Gasreserven zu erhöhen, LNG-Terminals zu glorifizieren oder Abhängigkeiten von anderen autokratischen Systemen zu verstärken, lassen wir nicht mehr durchgehen, denn sie umgehen das eigentliche Problem dahinter. Wir erfahren immer wieder von Mitstreitern und Mitstreiterinnen aus schon heute von Klimakatastrophen betroffenen Regionen, unter welchen Folgen sie leiden müssen. Wie die Klimakrise ihren Alltag, ihre Familien und auch ihr gesamtes Land beeinflusst. Es ist absurd, all das zu hören und gleichzeitig die rückwärtsgewandten, eingestaubten Gespräche der Politiker und Politikerinnen zu hören. Von Menschen, die denken, wir hätten noch Zeit, oder, dass Klimaschutz doch viel zu anstrengend sei.

"Die Faulheit, Bequemlichkeit und Ignoranz unserer Bundesregierung führen uns tagtäglich in eine humanitäre Katastrophe."

Die Faulheit, Bequemlichkeit und Ignoranz unserer Bundesregierung führen uns tagtäglich in eine humanitäre Katastrophe. Ja, klimagerechte Politik ist anstrengend und wird uns einiges abverlangen, sie ist aber die einzige Wahl, die wir haben. Menschen, die alles verlieren durch die Klimakrise, wir junge Menschen, müssen diese Wahl ergreifen, denn sonst versinken wir immer mehr in Ungerechtigkeiten, Krisen und Kriegen. Wir können eine klimagerechte Welt noch gestalten – der gesellschaftliche Wille und die physikalischen Möglichkeiten, diesen Wandel umzusetzen, sind nämlich lange vorhanden. Die Stimmen von Profit und fossilen Lobbyisten sind für unsere Regierung aber immer noch wichtiger.

Es ist die Aufgabe der Bundesregierung, auf grundlegende Krisen allumfassend zu antworten, international Verantwortung zu übernehmen und eine klimagerechte Welt zu gestalten. Wir, eine junge Bewegung, in der viele zur Schule gehen, Ausbildungen machen oder studieren, haben realisiert, in welchem tiefen Chaos wir stecken. Das zu realisieren, mag schmerzhaft sein, aber es ist nicht schwierig – wir müssen nur auf das Offensichtliche schauen.

Global fordern wir am 25.03. unser Recht auf eine friedliche und gerechte Zukunft ein, von einer Regierung, die uns genau das versprochen hat. Bis das umgesetzt wird, werden wir weiter streiken!

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