Uniper, Volksbanken, die Deutsche Bank oder Commerzbank: Deutsche Banken finanzieren seit Jahren fossile Energieträger.
Uniper, Volksbanken, die Deutsche Bank oder Commerzbank: Deutsche Banken finanzieren seit Jahren fossile Energieträger.
Bild: www.imago-images.de / Christoph Hardt
Gastbeitrag

Fridays for Future: "Seit Jahren stecken Banken Milliarden in fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas"

30.07.2021, 12:4230.07.2021, 12:56
annika rittmann, gastautorin

Deutschland muss mehr für den Klimaschutz tun, das geben seit unzähligen Monaten mehr als die Hälfte aller Befragten in verschiedensten Umfragen an. Dabei denken wir oft an Maßnahmen wie den Kohleausstieg, den Ausbau der erneuerbaren Energien sowie des Schienennetzes. Doch nicht nur diese Sektoren selbst müssen sich entwickeln, auch die Maschinerie dahinter muss sich ändern – die Finanzwelt.

Die meisten von uns haben ein Konto bei einer Bank. Doch um herauszufinden, was die Banken mit unserem Geld tatsächlich anstellen, bedarf es so gut wie immer längerer Nachforschungen. Denn seit Jahren stecken Banken Milliarden in fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas und finanzieren somit mit unser aller Geld aktiv die Zerstörung des Klimas und von Lebensgrundlagen vor allem im globalen Süden. Damit gehören sie zu den größten Akteuren in der Klimakrise.

"Doch um herauszufinden, was die Banken mit unserem Geld tatsächlich anstellen, bedarf es so gut wie immer längerer Nachforschungen."

Banken finanzieren Großprojekte, die Klima, Regionen und Menschen schaden

Seit dem Inkrafttreten des Pariser Klimaabkommens 2016 investierten Finanzinstitute 1,6 Billionen Dollar in zwölf Großprojekte, die fossile Energieträger ausbauen. Zusammen setzen allein diese zwölf Projekte mindestens 175 Gigatonnen an CO2 frei. Dies entspricht circa 75 Prozent der Menge an CO2, die wir weltweit noch ausstoßen dürfen, um die 1,5 Grad Grenze nicht zu überschreiten.

So werden international verschiedenste Projekte und Unternehmen finanziert, die nicht nur unser Klima und die Regionen vor Ort zerstören, sondern auch aktiv die Menschenrechte verletzen. Diese Projekte finden dann oftmals in den Ländern statt, die schon jetzt die Folgen der Klimakrise regelmäßig zu spüren bekommen, in denen aber Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten durch Repression der Kampf für ihre Zukunft massiv erschwert wird. So wird unter anderem in den Philippinen gegen den lauten und anhaltenden Protest der Bewohnerinnen und Bewohner ein weiteres Kohlekraftwerk gebaut und in Betrieb genommen.

"Uniper ist eines der Unternehmen, die beispielsweise in Kolumbien und Russland sogenannte 'Blutkohle' kaufen."
Annika Rittmann ist 18 Jahre alt, wohnt in Hamburg und ist seit 2019 bei Fridays for Future aktiv. Dort plant sie die Hamburger Demonstrationen mit und ist unter anderem für die bundesweite Kooperationsarbeit zuständig.
Annika Rittmann ist 18 Jahre alt, wohnt in Hamburg und ist seit 2019 bei Fridays for Future aktiv. Dort plant sie die Hamburger Demonstrationen mit und ist unter anderem für die bundesweite Kooperationsarbeit zuständig.
bild: privat

Auch die Finanzierung des Unternehmens Uniper fördert Kohleabbau unter menschenunwürdigen Bedingungen. Uniper ist eines der Unternehmen, die beispielsweise in Kolumbien und Russland sogenannte "Blutkohle" kaufen. Schon beim Entstehen eines Tagebaus werden indigene Völker gewaltsam, in Teilen durch paramilitärische Gruppen, vertrieben. Und auch der Abbau selbst findet unter kaum regulierten Arbeitsbedingungen statt. So manifestieren europäische Unternehmen und (auch deutsche) Banken koloniale Strukturen und nehmen bewusst Menschenrechtsverletzungen in Kauf.

Klimasünder im Inland und Ausland

Doch nicht nur im Ausland werden Milliarden in die Zerstörung unseres Planeten gesteckt. Auch Deutsche Banken, wie die Volksbanken, die Deutsche Bank und die Commerzbank investieren Unsummen in fossile Projekte. Allein die Commerzbank hat seit Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens ihre Finanzierung von fossilen Energieunternehmen mehr als verdoppelt und damit mehr als 11 Milliarden Euro in klimaschädliche Firmen investiert. Damit ist sie die größte Kreditgeberin der globalen Kohleindustrie. Sie investiert hierbei beispielsweise in Firmen wie OMV, Gazprom und Uniper, welche Hauptverantwortlich für die Gaspipeline "Nord-Stream 2" sind.

"Die Commerzbank, aber auch alle anderen Deutschen Banken, müssen aufhören so zu tun, als wäre unendliches Wachstum möglich."

Wie absurd und klimaschädlich dieses Projekt ist, ist seit unzähligen Studien und riesigen Demonstrationen schon fast keiner Erklärung mehr Wert. Auch bei der Finanzierung Europas größten CO2-Emittentens RWE hat die Commerzbank ihre Finger im Spiel. Und während all diese Gelder fließen, behauptet sie im "Rahmenwerk zum Umgang mit Umwelt- und Sozialrisiken" vom Februar 2020 sich an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zu orientieren. Viele dieser Banken treffen ihre Entscheidungen hier in Deutschland – in Frankfurt.

Klimastreik gegen Klimasünder Banken

Die Commerzbank, aber auch alle anderen Deutschen Banken, müssen aufhören so zu tun, als wäre unendliches Wachstum möglich. Sie müssen aufhören, Investitionen in fossile und nur noch künstlich am Leben erhaltene Technologien als sicher zu verkaufen. Sie müssen aufhören, unsere Zukunft zu verkaufen.

Deswegen gehen wir gemeinsam auf die Straße, demonstrieren und blockieren mit niedrigschwelligen Aktionen des Zivilen Ungehorsams den Alltag derer, die unsere Zukunft blockieren. Am 13. August stehen wir vor ihrer Haustür und fordern einen Stopp der Investitionen in Unternehmen, die mehr als 20 Prozent ihres Gewinns mit Kohle machen.

Wir fordern langfristig einen Ausschluss der Finanzierung jeglicher Unternehmen, die überhaupt noch fossile Ressourcen gewinnen, die Technik zur Verarbeitung bereitstellen oder die Energieträger verbrennen. Aber auch von der Politik braucht es klare Regeln für deutsche Banken. Es darf kein Geld in menschenrechtsfeindliche oder klimazerstörende Projekte fließen. Stattdessen müssen alle Investitionen mit dem Pariser Klimaabkommen und der UN-Menschenrechtskonvention vereinbar sein. Gemeinsam fordern wir am 13. August in Frankfurt: #KeineKohleFürDieKohle

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