In Lützerath demonstrieren Aktivistinnen und Aktivisten gegen RWE.
In Lützerath demonstrieren Aktivistinnen und Aktivisten gegen RWE.
Bild: www.imago-images.de / Jochen Tack
Gastbeitrag

#LützerathBleibt: Fridays for Future fordert Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze

08.10.2021, 13:2708.10.2021, 15:02
quang paasch, gastautor

#AlleFür1Komma5: Das war das Motto eines unserer letzten globalen Klimastreiks. Seit drei Jahren hängen wir uns an dieser Zahl auf: 1,5. Seit drei Jahren sagen wir den Politikerinnen und Politikern: 1,5 Grad ist eine Grenze. Wenn ihr sie überschreitet, dann greift ihr in die Freiheit künftiger Generationen ein. Wenn ihr sie überschreitet, dann entwickeln sich Eigendynamiken in der Klimakrise, die kein Klimamodell vorhersehen kann. Wenn ihr sie überschreitet, dann brecht ihr das Versprechen, das ihr mit dem Pariser Klimaabkommen gegeben habt.

Oft wirkt es sehr technisch, was wir sagen. Holt die Menschen nicht ab. Mit Zahlen gewinnt man keine Herzen, wird einem dann gesagt. Und das stimmt. Denn häufig geht es um Reduktionspfade, um Prozentziele, um Gigatonnen und um wirre Zahlenkombinationen. Kaum einer kommt da noch mit. Laufend erscheinen neue Studien - es ist unmöglich, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Aber darum geht es auch eigentlich gar nicht. Niemand muss alle Studien lesen, alle Zahlen auswendig kennen.

Quang Paasch, 20 Jahre alt, ist Aktivist und Sprecher für Fridays for Future Deutschland und Berlin. Sein politischer Fokus liegt auf Klima, Bildung und Gerechtigkeit. Neben dem Aktivismus studiert Quang Paasch Sonderpädagogik und Politikwissenschaften an der Freien Uni und Gender Studies an der Technischen Uni in Berlin.
Quang Paasch, 20 Jahre alt, ist Aktivist und Sprecher für Fridays for Future Deutschland und Berlin. Sein politischer Fokus liegt auf Klima, Bildung und Gerechtigkeit. Neben dem Aktivismus studiert Quang Paasch Sonderpädagogik und Politikwissenschaften an der Freien Uni und Gender Studies an der Technischen Uni in Berlin.
bild: Rodin Sanagouy Moharrer

Zu Recht wird gefragt: Was bedeutet eigentlich 1,5 Grad? Die Antwort ist hyperkomplex und einfach zugleich: Um 1,5 Grad nicht zu überschreiten, müssen wir jetzt drastische Handlungen auf allen Ebenen und in allen Sektoren ergreifen. Am besten mit einem Plan. Und lieber gestern als morgen. Es gibt bereits tausend Ideen, tausend Konzepte, die dazu diskutiert werden. Was es sicherlich nicht gibt, ist der eine Masterplan für eine klimagerechte Zukunft.

Eines ist jedoch klar – nämlich, was wir auf gar keinen Fall tun dürfen. Wir können viel über die richtige Lösung streiten, über CO2-Preise oder Subventionsstopps. Wir können uns in den Details verlieren, die konkrete Kritik in Verträgen und Programmen suchen. Dabei bleibt eine Grenze klipp und klar: Lützerath muss bleiben. Es gibt nichts Eindeutigeres – und nichts Absurderes, das die Klimakillerpolitik mehr verdeutlicht als die Bagger in Lützerath.

Im Wahlkampf wurden zahlreiche Versprechen gegeben, echten Klimaschutz umsetzen zu wollen. Alle demokratischen Parteien haben blumige Phrasen gefunden, haben scheinbar ausgeklügelte Emissionsreduktionspläne vorgelegt, haben nette Versprechen für Paris und damit das 1,5-Grad-Ziel gegeben.

Doch die Wissenschaft zeigt: Aktuell hat keine Partei einen Plan für 1,5 Grad. Und das, obwohl sie alle sich im Wahlkampf zu echtem Klimaschutz bekannt haben. Obwohl die Klimakrise laut Studien das wahlentscheidende Thema war. Und das, obwohl am Mittwoch die Sondierungen für eine Regierung abseits der Klimabremser-Union begannen.

Im Dorf Lützerath in Nordrhein-Westfalen entscheidet sich, ob Deutschland einen gerechten Beitrag zur Eindämmung der Erderhitzung leistet. Dort entscheidet sich, ob die Bundesrepublik ihr Treibhausgas-Budget sprengt. Dort verläuft die 1,5 Grad-Grenze.

Der Kohlekonzern RWE plant, Lützerath – genau wie zuvor die ehemals südlich gelegene Nachbargemeinde Immerath – vollständig abzureißen, um den Braunkohletagebau Garzweiler II auszudehnen. Doch wenn die Braunkohle, die unter Lützerath liegt, verbrannt wird, überschreitet Deutschland laut einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sein Treibhausgas-Budget für die 1,5-Grad-Grenze. Dann verabschiedet die Bundesrepublik sich endgültig von ihren edlen Klimazielen. Und dann gibt es kein Zurück mehr.

Um die 1,5 Grad-Grenze einzuhalten, sind schon 100 Millionen Tonnen verbrannte Kohle zu viel. So jedenfalls beschreibt es das DIW in seinem neuesten Gutachten von diesem Jahr. RWE dagegen plant noch 650 Millionen Tonnen zu verbrennen – mehr als das sechsfache. Und die Politik schaut zu. Es ist kaum zu glauben.

Es ist kaum zu glauben, wie schamlos vor unser aller Augen die Lebensgrundlage meiner und aller kommenden Generationen aufs Spiel gesetzt werden. Es ist kaum zu glauben, dass wir im Jahr 2021 noch darüber diskutieren müssen, dass das Abbaggern und Zerstören von Dörfern nicht 1,5 Grad-kompatibel ist. Es ist kaum zu glauben, dass Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat Menschen in Lützerath für den Erhalt des selbigen Dorfes und damit die Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze kämpfen müssen.

Manchmal wird uns vorgeworfen, zu radikal zu sein. Zu viel zu wollen, zu absurd, fernab der Realität. Ist es nicht viel absurder, viel radikaler, viel realitätsferner - im Jahr 2021 - nach fast drei Jahren Klimastreik, noch immer echten Klimaschutz zu blockieren?

"Die Klimakrise ist nichts, was einfach so passiert. Sie ist kein Zufall und kein Versehen, sondern eine direkte Folge politischer Entscheidungen."

Die Klimakrise ist nichts, was einfach so passiert. Sie ist kein Zufall und kein Versehen, sondern eine direkte Folge politischer Entscheidungen. Politikerinnen und Politiker entscheiden sich jeden Tag für die Klimakrise, für die Zerstörung von Ökosystemen und Lebensräumen, für die Ignoranz gegenüber zahlreichen Menschenleben.

Das mag frustrierend klingen, aber es zeigt auch eine Sache: Es kann anders gehen! Wir können Lützerath leben lassen, wir können echten Klimaschutz umsetzen, wir können die 1,5-Grad-Grenze einhalten. Doch das wird nicht von alleine klappen - deshalb sehen wir alle uns am 22. Oktober zum nächsten globalen Klimastreik in Berlin!

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