In die Pedale treten für eine bessere Klimapolitik: Genau das tun die Students for Future.
In die Pedale treten für eine bessere Klimapolitik: Genau das tun die Students for Future. Bild: iStockphoto / pixdeluxe
Gastbeitrag

"Ohne Kerosin nach Berlin": 4000 Kilometer Fahrradfahren für eine klimagerechte Welt

10.09.2021, 12:5710.09.2021, 16:52
Rahel Meier und Maren Solmecke, gastautorinnen

Mit der von Students for Future organisierten Aktion "Ohne Kerosin nach Berlin" brachten mehr als 400 Menschen aus über 100 Städten vom 20. August bis 10. September ihren Klimaprotest auf die Straße. Auf sechs Touren trugen die Aktivistinnen und Aktivisten auf ihrem insgesamt 4.000 Kilometer langen Fahrradkorso die Forderung für eine klimagerechte Politik zur anstehenden Bundestagswahl in den nächsten Wochen lautstark in die Öffentlichkeit. Zwei der Organisatorinnen erzählen, wie es war:

20. August, morgens in Karlsruhe: Hunderte Menschen versammeln sich vor dem Bundesverfassungsgericht. Denn hier startet heute die Südwesttour von "Ohne Kerosin Nach Berlin" ihren über 1000 km weiten Weg in die Hauptstadt.

Rahel Meier und Maren Solmecke sind Bundespressesprecherinnen der Students for Future Germany. Nebenbei studieren die beiden Aktivistinnen und sind an der Organisation von "Ohne Kerosin Nach Berlin" beteiligt.
Rahel Meier und Maren Solmecke sind Bundespressesprecherinnen der Students for Future Germany. Nebenbei studieren die beiden Aktivistinnen und sind an der Organisation von "Ohne Kerosin Nach Berlin" beteiligt.

Fahrradfahren gegen die Klimapolitik

Geplatzte Reifen, Regenschauer und schmerzende Oberschenkel sind für uns Aktivisten und Aktivistinnen nebensächlich. Kopfzerbrechen bereitet uns vielmehr der derzeitige Kurs der Bundesregierung, durch den zielstrebig auf eine Erderwärmung von mehr als 3 Grad zugesteuert wird. Deswegen haben wir uns als Studierende, Auszubildende, Schülerinnen, Schüler und andere klimabewegte Menschen auf den Weg gemacht.

Wir kämpfen für Klimagerechtigkeit und die dafür notwendigen Maßnahmen. Dafür radeln wir durchs ganze Land, kommen mit Menschen ins Gespräch, wollen für unterschiedliche Aspekte der Klimakatastrophe sensibilisieren und Wünsche und Forderungen an die zu wählende Bundesregierung bis nach Berlin tragen.

"Aus allen Himmelsrichtungen fahren wir durch Deutschland, sind laut und zeigen diesen Sommer: Der Klimaprotest lebt!"

Aus allen Himmelsrichtungen fahren wir durch Deutschland, sind laut und zeigen diesen Sommer: Der Klimaprotest lebt! Unser Ziel: Das Bundeskanzleramt in Berlin. Denn nie zuvor war eine Bundestagswahl so entscheidend wie in diesem Jahr. Die nächsten vier Jahre entscheiden, wie sich unsere Zukunft gestalten wird – und wir wissen; ohne uns passiert klimapolitisch nichts!

Klimakrise made in Germany

Unsere Touren führen uns über Autobahnen, Bundesstraßen, Landstraßen, durch Städte und Dörfer. Dabei kommen wir an unterschiedlichen klimarelevanten Orten vorbei – am Braunkohletagebau, im Dannenröder Forst, an der Erdgas-Pipeline Nordstream 2, im Frankfurter Bankenviertel oder beim Fleischfabrikanten Tönnies. All diese Orte haben eines gemeinsam: Klimakrise made in Germany.

Auf unserer Fahrt treffen wir auf Verbündete und Unterstützerinnen und Unterstützer, lernen Sorgen und Ängste von Landwirtinnen und Landwirten, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister und Menschen aus ländlichen Regionen kennen. Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind, weil der ÖPNV kaum ausgebaut ist. Menschen, deren Lebenssituation es ihnen nicht erlaubt, sich vollumfänglich mit der Klimakatastrophe zu beschäftigen. Menschen, die bereits von Klimafolgen betroffen sind und Menschen, die zeigen, wie eine nachhaltige Welt gestaltet sein kann.

"Bei der Bundestagswahl in wenigen Tagen sind wir alle gefragt, unsere Stimme fürs Klima abzugeben. Doch Wählen allein reicht nicht!"

Bei der Bundestagswahl in wenigen Tagen sind wir alle gefragt, unsere Stimme fürs Klima abzugeben. Doch Wählen allein reicht nicht! Deshalb bleiben wir auf den Straßen und setzen auch dort ein Zeichen für die Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze: #Allefürsklima am 24. September! Denn eines steht fest: Um eine Chance zu haben, die Klimakatastrophe einzudämmen, müssen wir handeln, und zwar jetzt!

Verkehrswende versus IAA

10. September, Berlin: Das große Finale von "Ohne Kerosin Nach Berlin"! Heute kommt die letzte Gruppe, von der Westroute, in Berlin an. Der heutige Tag steht ganz im Zeichen der Verkehrswende. Denn: Wir sind bereits mitten in der Klimakrise. Wir befinden uns in einer Krise, die wir aktiv eindämmen müssen, anstatt sie immer weiter zu befeuern! Gemeinsam mit Radfahrenden aus ganz Deutschland und vielen Klimabündnissen blockieren wir deshalb mit einer Fahrraddemo die A100 und demonstrieren in großer Zahl in Berlin.

Es kann nicht sein, dass weiterhin Autobahnen gebaut werden, Böden großflächig versiegelt und dafür intakte Ökosysteme zerstört werden, um den Verbrennungsmotoren und dem motorisierten Individualverkehr ungebremst freie Fahrt zu gewähren. Denn was wirkt wie ein Relikt des letzten Jahrhunderts, findet zurzeit in München statt: Die Internationale Automobilausstellung (IAA), eine der wichtigsten Messen der Automobilindustrie.

Die IAA beansprucht, die Zukunft der Mobilität zu sein, besteht aber aus genau den zukunftsfremden Unternehmen, die sich gegen jeden Wandel sträuben. Es ist klar, dass wir an einer tiefgreifenden sozial-ökologischen Verkehrswende, weg vom Individualverkehr und hin zu flächendeckendem, zuverlässigem ÖPNV, in einer klimagerechten, lebenswerten Welt nicht vorbeikommen. Aller Fakten zum Trotz überbieten sich in München die Automobilkonzerne mit neuesten Green-Washing-Kampagnen, um eine Mobilität zu feiern, die vor allem eins ist: Von gestern.

"Wir brauchen konkrete Maßnahmen in Richtung Klimagerechtigkeit und zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens, die auch in die Tat umgesetzt werden und keine weiteren leeren Versprechungen."

Die Klimabewegung plant geeinten Protest. Am Dienstagmorgen wurden beispielsweise fünf Autobahnen blockiert, außerdem organsiert Fridays for Future München diesen Freitag eine laute und bunte Demo.

Letzte Chance für Veränderung

Nach der Fahrraddemo schließen wir uns dem Klimagerechtigkeitscamp vor dem Bundeskanzleramt an und werden unseren Forderungen dort bis zur Bundestagswahl und darüber hinaus Ausdruck verleihen.

Wir brauchen konkrete Maßnahmen in Richtung Klimagerechtigkeit und zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens, die auch in die Tat umgesetzt werden und keine weiteren leeren Versprechungen. Die kommende Legislaturperiode ist unsere letzte Chance dafür. Deshalb demonstrieren wir heute und gehen am 24. September zum globalen Klimastreik auf die Straße! Sei auch du dabei und kämpfe gemeinsam mit uns für gerechte und konsequente Klimapolitik.

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