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Trotz trockenem Sommer 2022: Dem Feldhasen geht es gut

A wild brown hare on a meadow
Im Nordwesten Deutschlands gibt es die meisten Feldhasen.Bild: iStockphoto / heckepics
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Trotz trockenem Sommer 2022: Dem Feldhasen geht es gut

09.04.2023, 12:13
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Die Zahl der gefährdeten Feldhasen hat sich in Deutschland zuletzt stabilisiert. 16 Feldhasen hoppelten im Frühjahr 2022 nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes (DJV) im Schnitt pro Quadratkilometer auf Feldern, Wiesen und Äckern – so viele wie schon 2021.

"Das ist einer der höchsten Werte bei der Zählung in den vergangenen 20 Jahren", sagte DJV-Sprecher Torsten Reinwald der Deutschen Presse-Agentur. Das trockene Frühjahr 2022 habe dazu beigetragen, dass die Zahl auf dem Niveau des Jahres 2021 blieb – auch wenn der folgende heiße und trockene Sommer 2022 den Langohren zusetzte. Das Frühjahr ist die wichtige Geburtszeit der Feldhasen.

Wohlergehen des Feldhasen wird vom Wetter beeinflusst

Wie sich die Jungtiere der Feldhasen zur Osterzeit im März und April entwickeln, ist aber noch unsicher. Denn sie sind gegen nasskalte Witterung wie zuletzt im März empfindlich.

Eine schützende Höhle wie etwa Kaninchen haben Feldhasen nicht. Nach der Geburt isoliere das Fell der Nestflüchter noch nicht so gut, sagte Reinwald. "Wenn es dann verklebt, durch Regen und Feuchtigkeit, dann verlieren die Hasen viel zu viel Körperwärme und erfrieren letztendlich." Ein Wetterumschwung mit weniger Regen und weniger Minusgraden sei dem Feldhasen-Nachwuchs daher zu wünschen, sagte Reinwald.

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Es ist noch unsicher, wie sich die aktuellen Jungtiere entwickeln.Bild: iStockphoto / slowmotiongli

Das vergangene Jahr begann für den Feldhasen-Nachwuchs mit einem trockenen und warmen Frühjahr vielversprechend. Allerdings setzten gerade diese Wetterbedingungen den Tieren später zu: "Da hat sich die Situation umgekehrt, der Sommer war zu heiß und zu trocken. Da ist viel potenzielles Hasenfutter einfach vertrocknet", sagte Reinwald mit Blick auf Kräuter und Gräser, die die Feldhasen fressen.

Im Nordwesten gibt es die meisten Feldhasen

Für die Zählung der Feldhasen im Rahmen des Wildtier-Monitoring haben Jägerinnen und Jäger im vergangenen Jahr im Frühjahr und Herbst in 463 ausgewählten Gebieten erfasst, wie viele Tiere nachts im Licht eines normierten Scheinwerfers zu entdecken waren.

Zwischen den sechs Großlandschaften in Deutschland gibt es deutliche Unterschiede: Mit im Schnitt 24 Tieren pro Quadratkilometer ist der Bestand im nordwestdeutschen Tiefland, also von der dänischen Grenze bis ins nördliche Rheinland, am dichtesten. In den südwestdeutschen Mittelgebirgen sind es 17 Feldhasen. Vergleichsweise wenig zu finden sind die Langohren im nordostdeutschen Tiefland mit nur sechs Feldhasen pro Quadratkilometer.

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Im Nordwesten Deutschlands ist die Population am dichtesten.Bild: iStockphoto / weisschr

Im Vergleich der ersten Zählung im Frühjahr mit der zweiten Zählung im Herbst 2022 zählten die Jägerinnen und Jäger bundesweit im Schnitt 13 Prozent mehr Feldhasen pro Fläche. Diese Zuwachsrate, die auch als Gradmesser für die Gesundheit der Population dient, ist dem DJV zufolge überdurchschnittlich und fiel drei Prozentpunkte höher aus als 2021.

Deutlich mehr Zuwächse wurden demnach mit 22 Prozent in den westdeutschen Mittelgebirgen registriert. Dort habe sich die Natur von den Überschwemmungen 2021 erholt, hieß es.

Agrarpolitik schafft besseren Lebensraum für den Feldhasen

Als Gründe für den schrumpfenden Lebensraum von Feldhasen nennt der Jagdverband einen höheren Flächenverbrauch, eine intensivere Landwirtschaft und Straßenverkehr. Auch Fressfeinde wie Füchse machen dem Feldhasen demnach zu schaffen.

Hochrechnungen der Deutschen Wildtier Stiftung und des Jagdverbandes zufolge gibt es in Deutschland mindestens zwei Millionen Feldhasen. Zwar ist die Zahl derzeit stabil, im Vergleich zu den 1970er Jahren aber auf einem niedrigen Niveau.

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Feldhasen-Bestand ist auch Indikator für Wohlergehen anderer Tiere

Die Stiftung sieht in dem Feldhasen-Bestand auch einen Indikator dafür, wie es anderen Feldbewohnern wie Rebhühnern, Feldhamstern und Kiebitzen geht. "Denn wenn es dem Hasen nicht gut geht, stehen andere Arten bereits kurz vor dem Aussterben", sagte Andreas Kinser, Leiter Natur und Artenschutz bei der Stiftung, laut einer Mitteilung. Die Stiftung und auch der Jagdverband fordern daher, dass mehr Lebensräume für Feldhasen entstehen und Landwirtinnen und Landwirte dafür honoriert werden.

Einen ersten Hoffnungsschimmer erkennt die Stiftung in dem riesigen Agrarbudget der Europäischen Union. Dieses wird zunehmend für gesellschaftliche Leistungen der Landwirte, wie beispielsweise dem Natur- und Artenschutz, eingesetzt.

Die Regelungen sehen unter anderem vor, dass ab 2024 vier Prozent der Ackerfläche in Deutschland brach fallen müssen, wenn die Landwirte ihren Anspruch auf Agrarzahlungen geltend machen wollen. Das würde ideale Bedingungen für den Feldhasen schaffen.

(sb/dpa)

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