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Wer beim Duschen darauf hingewiesen wird, wie viel Wasser verbraucht wird, duscht kürzer. Bild: iStockphoto / torwai
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Green Nudging: Schon kleine Anreize bringen Menschen zum Energiesparen

16.05.2022, 12:1516.05.2022, 12:19

Erst sind fünf Eisbären auf dem Duschkopf zu sehen, dann vier, drei, zwei, einer. Die Botschaft: Je kürzer Du duschst, desto mehr Eisbären bleiben übrig. Die Ingenieure, die das Schweizer Produkt entwickelt haben, konnten in Studien zeigen, dass Menschen kürzer duschen und im Durchschnitt 22 Prozent Energie sparen, wenn sie darauf hingewiesen werden, wie viel Wasser – und damit Energie – sie verbrauchen.

Die Eisbären sind ein sogenannter "Green Nudge", ein Stups oder Anreiz, sich umweltfreundlicher zu verhalten. "Green Nudging", das Konzept, Menschen ohne große Verbote oder neue Regeln zu umweltfreundlicherem Verhalten zu animieren, ist groß im Kommen.

Die Eisbären sollen die Folgen der Klimakrise veranschaulichen: Wer viel Energie verbraucht, trägt zu Treibhausgasen bei. Und die sorgen für die Klimaerwärmung, die wiederum zur Eisschmelze führt und den Lebensraum der Eisbären bedroht.

Green Nudging funktioniert in vielen Bereichen

Die gemeinnützige Klimaschutzagentur Energiekonsens des Bundeslands Bremen hilft Unternehmen beim Green Nudging. Mittlerweile sind es mehr als 20, die verschiedenste Tricks zum Energiesparen ausprobiert haben.

Bei einer Fischfeinkost-Firma haben Mitarbeiter aus Bequemlichkeit oft die Tore zu den Kühlräumen offengelassen und damit unnötig Energie verbraucht. Heute sind nahe den Toren große Anzeigen mit der Temperatur und einem Smiley angebracht: Wenn es zu warm wird, ist ein roter Smiley mit nach unten gezogenen Mundwinkeln zu sehen. Stimmt die Temperatur, ist ein lachender grüner Smiley zu sehen. Das Fazit: In einem Zeitraum von 25 Tagen wurden mit der Smiley-Anzeige 19 Prozent weniger starke Temperaturabsenkungen zum Nachkühlen der Räume benötigt als im gleichen Zeitraum vorher.

Der Smiley zeigt an, ob die angezeigte Temperatur gut oder schlecht ist.
Der Smiley zeigt an, ob die angezeigte Temperatur gut oder schlecht ist.bild: green-nudging.de

"Beim Green Nudging wird nichts verboten und nichts belohnt", sagt die Bremer Projektleiterin Astrid Stehmeier. "Man lässt die Leute wie sie sind, aber ändert die Entscheidungsumgebung." Viele Menschen würden sich gern klimafreundlicher verhalten, seien aber ohne Denkanstöße aus der Umgebung in einer Routine gefangen. Oft reiche es, Voreinstellungen zu ändern. So könne die Klimaanlage im Büro routinemäßig zu einer bestimmten Zeit ausgehen oder die Spülmaschine könne automatisch auf Ökowaschgang eingestellt sein. Wer will, kann die Einstellungen ändern. "Nudging ist ein schlankes Instrument für Klimaschutz, da muss kein großes Rad gedreht werden", sagt Stehmeier.

Ohne Zwang, nur durch Informationen

Das Nudging-Konzept wurde von den amerikanischen Verhaltensökonomen Richard Thaler, der 2017 den Nobelpreis erhielt, und Cass Sunstein geprägt. Sie legten dar, wie Menschen durch kleine Anregungen von Firmen oder Behörden ganz ohne Zwang zu Verhaltensänderungen gebracht werden können.

Oft reicht als "Nudge" schon eine konkrete Information, hat Stehmeier festgestellt. Etwa, wenn im Büro an Müllbehältern Symbole kleben, die genau zeigen, was wo hineingehört. Eine Firma hat damit erreicht, dass der Anteil der korrekt sortierten Müllstationen von 46 auf 71 Prozent gestiegen ist.

Oder bei der Dusche mit den Eisbären, die den Wasser- und Energieverbrauch anzeigt. Die Firma Amphiro lässt den Duschkopf auch via App mit dem Smartphone verbinden. So kann die Schnelligkeit, mit der die Eisbären verschwinden, eingestellt werden. In der App können Duschende verfolgen, wie sich ihr Energieverbrauch entwickelt. Auf Instagram ist die Firma mit Informationen wie dieser präsent: "Eine Sekunde warm duschen verbraucht so viel Energie wie das Aufladen eines Smartphones."

(sb/dpa)

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