Nachhaltigkeit
CLOSE-UP FURRY JACK RUSSELL DOG, SHEDDING HAIR DURING MOLT SEASON ON SOFA FURNITURE.

Nervig, aber auch nützlich: Ausfallene Hundehaare. Bild: iStockphoto / smrm1977

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Kleidung aus Hundehaaren: Start-up entwickelt nachhaltige Woll-Alternative

Zugegeben: Vielleicht klingt es am Anfang etwas verrückt, die Haare des eigenen Vierbeiners als Pullover oder Mütze zu tragen. Aber die ausgekämmte Unterwolle einfach wegzuwerfen, obwohl man sie doch verwenden könnte, das fand Modedesignerin Ann Cathrin Schönrock noch abwegiger. Also entwickelte sie eine nachhaltige Wollalternative aus den Haaren.

Die Idee zu ihrem Start-up kam Schönrock, als sie ihrer Mutter bei der Hundepflege zusah. Beim frühjährlichen Auskämmen des flauschigen Unterhaars kommen mitunter mehrere Kilogramm davon zusammen – eine wertvolle Ressource, die die Modedesignerin nicht verschwenden wollte. Gemeinsam mit Textilingenieurin Franziska Uhl startete sie Modus Intarsia: Bei dem Textil-Start-up geht es darum, die Hundehaare in Wolle zu verarbeiten und so eine nachhaltige Alternative zu Kaschmir, Angora, Mohair und Kamelhaar herzustellen.

Warum die "Hundewolle", genannt Chiengora, nachhaltiger als andere Woll-Stoffe ist, erklären die beiden auf ihrer Website: Die Wolle von Ziegen und Schafen sei viel verschmutzter und oft mit einem Wollfett imprägniert. Die Wäsche benötigt also deutlich mehr Energie und Wasser, um geruchsfrei zu werden. Da Hunde in der Regel öfter gewaschen werden und schwächer riechen, muss das Hundehaar nur zweimal eingeweicht und einmal bei 40 Grad durchgespült werden.

Danach verbleiben nach Angaben der Gründerinnen auch keine Gerüche mehr – es muss also niemand Angst davor haben, nach nassem Hund zu riechen. Auch Allergikerinnen und Allergiker sollen die Kleidung aus Hundehaar bedenkenlos tragen: Die allergische Reaktion wird nämlich nicht durch das Fell, sondern durch Stoffe, die sich auf dem Fell lagern, ausgelöst. Da diese durch das mehrmalige Waschen vom Fell gelöst werden, bleibt ein anti-allergenes Naturprodukt zurück.

Ann Cathrin und Franziska haben mit Modus Intarsia das erste Unternehmen weltweit gegründet, das Wolle aus Hundehaar herstellt. Das Material ist eine Mischung aus 80 Prozent Hundehaar und 20 Prozent Alpaka- oder Merino-Wolle. Diese ist regional gewonnen und hält das fertige Garn elastisch.

Doch woher kommt das Hundehaar? Die beiden Gründerinnen haben sich eine Community aufgebaut, die aus Hunderten Hundebesitzerinnen und -besitzern besteht. Diese können das Winterfell ihrer Hunde einfach nach dem Auskämmen per Post einschicken und bekommen dafür sogar bis zu 40 Euro pro Kilo Rohwolle. Ein weiterer Erlös geht an verschiedene Tierschutzprojekte. Das bisher verschwendete Material wird dann in einer Spinnerei in Sachsen zu einem hochwertigen Garn in Naturfarben verarbeitet – und wartet darauf, zu einem Kleidungsstück gestrickt zu werden.

(sb)

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