Auf Baustellen entsteht Bauschutt, der für die Zukunft gelagert werden soll.
Auf Baustellen entsteht Bauschutt, der für die Zukunft gelagert werden soll.
Bild: E+ / Bim
Gute Nachricht

Urban Mining: So funktioniert nachhaltiges Bauen in der Stadt

30.10.2020, 13:53

Keramik, Holz, Glas, Metall, Ziegel, Beton – um uns herum befinden sich tonnenweise Rohstoffe, die in der Stadt verbaut sind. Trotzdem werden beim Bau neuer Gebilde meist Materialien verwendet, die ohnehin schon knapp sind. Urban Mining kann eine Lösung darstellen: Das Konzept begreift die Stadt als Rohstofflager, die Idee ist es, Bauschutt zu recyceln und Bauteile wiederzuverwenden.

Denn in den Städten werden täglich Gebäude abgerissen, um Platz für neue zu schaffen. Es entstehen Tonnen von Bauschutt: Material, das früher einfach als wertloser Müll deklariert und entsorgt wurde. Dabei besteht der Bauschutt aus unterschiedlichsten Rohstoffen, die wiederverwendet werden könnten. "Wir sind umgeben von einem vom Menschen gemachten Lager in Höhe von über 50 Milliarden Tonnen an Materialien", beschreibt es die Präsidentin des Umweltbundesamts, Maria Krautzberger, gegenüber der "Deutschen Welle".

Deshalb folgt die Entsorgung jetzt vermehrt einem Abrisskonzept, nach dem an den einzelnen Baustellen individuell unterschieden wird, welche Materialien für eine spätere Wiederverwendung aufgehoben werden. Urban Mining funktioniert also wie die Hausmülltrennung – aber im großen Stil.

Beim Umbau bleiben wertvolle Rohstoffe zurück, die recycelt werden können.
Beim Umbau bleiben wertvolle Rohstoffe zurück, die recycelt werden können.
Bild: iStockphoto / Fentino

Werden die sogenannten Sekundärrohstoffe, die schonmal verwendet wurden, für die Zukunft aufbewahrt, recycelt und in der Umgebung wieder verbaut, werden sowohl Materialkosten als auch Transportkosten und somit CO2 eingespart. Denn viele Rohstoffe wie Sand und Kies haben lange Lieferwege, bis sie dort ankommen, wo sie verbaut werden. Bei der Wiederverwertung von Sekundärrohstoffen wird außerdem weniger Energie verbraucht als bei dem aufwändigen Prozess, den die Rohstoffe durchlaufen müssen, um zum ersten Mal verarbeitet zu werden.

Urban Mining ist vor allem ein Perspektivwechsel: Es geht darum, ein Endprodukt, etwa ein Gebäude oder ein Auto, auch als Sammlung von Rohstoffen zu begreifen, die weiterverarbeitet werden können. Autoreifen lassen sich beispielsweise zu Straßenbelägen und Dämmstoffen verarbeiten. Dieses Umdenken zur Kreislaufwirtschaft ist durch und durch nachhaltig und schont die ohnehin knappen Primärrohstoffe.

Sand beispielsweise gilt inzwischen weltweit als wichtigster und meist gehandelter Rohstoff nach Wasser. Das liegt vor allem daran, dass Sand vielseitig verwendet wird, besonders in der Baubranche: Allein für ein Einfamilienhaus werden etwa 200 Tonnen Sand verwendet, laut NDR. Der Rohstoff wird immer knapper, denn es wird viel mehr Sand verbraucht, als auf natürliche Weise wieder entstehen kann – Urban Mining wirkt dieser Entwicklung entgegen.

Zweites Leben für Bauteile

Nicht nur zerstörte Materialien und Bauschutt können wiederverwendet werden. Auch ganze Bauteile, die bei Abbruch oder Umbau anfallen, können weitervermittelt werden – durch sogenannte Bauteilbörsen. Diese richten sich laut NDR an Privatleute, aber auch an Abrissunternehmen, Handwerksbetriebe oder Baugesellschaften. Kunden kommen so zu gut erhaltenen Bauteilen, die oft günstiger sind als neuwertige und dazu einen authentischen Vintage-Charm besitzen: Historische Haustüren zum Beispiel oder Buntglasfenster aus den 50er Jahren. Dadurch erfahren die Schätze ein zweites Leben und landen nicht auf dem Müll.

(sb)

Gute Nachricht

Jetzt aber langsam: Paris wird größtenteils zur 30er-Zone

Für Paris ist es ein weiterer Schritt hin zu einer Verkehrswende und einem Stadtleben, in dem das Auto nicht mehr überall dominiert. Große Teile der französischen Hauptstadt werden von diesem Montag an zur Tempo-30-Zone, die Stadtautobahn und wichtige Verkehrsachsen bleiben ausgenommen.

59 Prozent der Pariser hätten einer Geschwindigkeitsbegrenzung bei einer Umfrage zugestimmt, begründete die Stadtverwaltung den Schritt. 25 Prozent weniger Unfälle, zweimal weniger Lärm und mehr Raum …

Artikel lesen
Link zum Artikel