Turquoise waters in Mallorca. Moro beach. Mediterranean coastline. Spain
Die Besucherzahlen sind in Mallorca jedes Jahr extrem hoch.Bild: iStockphoto / ABBPhoto
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Mallorcas Massentourismus soll grün werden

12.11.2022, 11:44

Bei den Besucherzahlen ist Mallorca mit den Balearen seit Jahren führende Spitze, nun will die spanische Inselgruppe im Mittelmeer auch beim Umweltschutz ganz vorne dabei sein. Denn die immer dramatischeren Auswirkungen des Klimawandels sind deutlich zu spüren.

Der Sommer war extrem heiß, es fehlte Regen und selbst im Herbst lagen die Temperaturen noch über 30 Grad. Die Balearen wollen deshalb den Tourismus begrenzen und beim Umweltschutz vorbildlich werden.

Wie sieht nachhaltiger Massentourismus aus?

Die zu Spanien gehörende Inselgruppe im Mittelmeer soll die erste Ferienregion der Welt mit nachhaltigem Massentourismus und Kreislaufwirtschaft werden. Dies komme der Umwelt, den Einheimischen, den Beschäftigten und den Urlaubern zugute, sagt die Regionalregierung.

Natürlich sollen damit auch Urlauber, die sich zunehmend um das Klima sorgen, nach Mallorca gelockt werden. Eine Straßenumfrage bei deutschen Urlaubern zeigt, dass viele bereit wären, dafür auch mehr zu bezahlen.

Tourismus soll begrenzt werden

Die Inselregierung ist überzeugt, dass sie mit einem neuen Tourismusgesetz die richtige Richtung eingeschlagen hat. "Das neue Gesetz schreibt zunächst ein Moratorium für die Zahl der Touristenbetten bei derzeit 630.000 für die Balearen vor", sagte der regionale Minister für Tourismus und Wirtschaft, Iago Negueruela, der Deutschen Presse-Agentur. "In den meisten Monaten des Jahres haben wir kein Problem mit zu vielen Touristen, sondern nur in den Sommermonaten. Deshalb müssen wir die Besucher besser über das Jahr verteilen."

Mallorca lebt vom Tourismus-Geschäft.
Mallorca lebt vom Tourismus-Geschäft. bild: IMAGO / Hanno Bode

Langfristig solle die Zahl der Übernachtungsmöglichkeiten dann aber langsam verringert werden. Parallel sollen die Hotels, Restaurants und andere Teile der Tourismusindustrie auf den Inseln nach und nach gezwungen werden, umweltfreundlicher zu wirtschaften.

Dafür müssen sie zunächst in jährlichen Berichten darlegen, wie viel Energie und Wasser sie verbrauchen, welchen Müll sie produzieren und woher sie ihre Lebensmittel beziehen. In Fünfjahresplänen müssen sie sich dann zu konkreten Schritten verpflichten, den Energie- und Wasserverbrauch sowie die Müllmengen zu reduzieren und Lebensmittel möglichst ortsnah einzukaufen.

60 Millionen Euro für nachhaltige Projekte

Die öffentliche Hand will die Entwicklung hin zu mehr Umweltschutz mit Beihilfen in Höhe von 60 Millionen Euro unterstützten. Es geht um die Installation von Photovoltaikanlagen, eine bessere Isolierung der Häuser, sparsameren Einsatz von Wasser, die Nutzung von Abluftwärme, die Umstellung auf elektrische Geräte etwa in Küchen und bei der Warmwasseraufbereitung oder E-Autos.

Umweltschützer sehen die Gesetzesinitiative der Inselregierung kritisch. "Wir begrüßen zwar die Ziele des Gesetzes, aber die sollten nicht mit öffentlichen Geldern finanziert werden. Die Tourismusbranche hat selbst Geld genug", sagt Margalida Ramis von der Umweltgruppe GOB auf Mallorca.

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Die Balearischen Inseln sind bei Tourist:innen beliebt.bild: IMAGO / robertharding

Zudem werde der Branche zu viel Zeit für Umweltmaßnahmen eingeräumt. Der Tourismus in seinem heutigen Umfang sei einfach zu groß für die Insel. Es gebe weder genügend Agrarflächen noch ausreichend Platz für Solaranlagen und Windparks, um die Millionen Urlauber und die Einheimischen mit Lebensmitteln, Wasser und grüner Energie zu versorgen.

Worauf die Balearen, die Politik und auch Tourismusmanager keinen Einfluss haben, sind die für das Klima sehr schädlichen Flüge, mit denen die Urlauber auf die Insel kommen. Im letzten Jahr vor der Pandemie 2019 wurden nach Angaben des Flughafenbetreibers Aena 29,7 Millionen Fluggäste und 217 218 Starts- und Landungen in Mallorca registriert. Dieses Jahr dürften es in etwa genauso viele werden.

(sb/dpa)

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