Der dichte Pflanzenteppich verdrängt die heimische Flora.
Der dichte Pflanzenteppich verdrängt die heimische Flora. Bild: iStockphoto / Bkamprath
Gute Nachricht

Unkraut wird zum Klimaretter: Biokohle aus Wasserhyazinthen

29.10.2020, 10:47

Die Wasserhyazinthe, in Europa bekannt als Gartenteichblume, gilt als die schnellstwüchsige Pflanze der Welt, denn innerhalb von zwei Wochen kann sich ihre Biomasse verdoppeln. Im Victoriasee, dem größten Süßwassersee Afrikas, sorgte das für eine Umweltkatastrophe. Doch jetzt gibt es gute Nachrichten: Der Verein Char2Cool hat ein Verfahren entwickelt, um aus der invasiven Wasserhyazinthe Biokohle herzustellen – und damit Tonnen CO2 einzusparen und zu binden.

Denn so harmlos sie auch aussieht mit ihren lilafarbenen Blüten, stellt die Wasserhyazinthe schon lange außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets ein enormes ökologisches, wirtschaftliches und soziales Problem dar. Sie kann ganze Ökosysteme zerstören, weil ihre dichten Pflanzenteppiche die heimische Flora verdrängen, indem sie Nährstoffe und Sauerstoff an der Wasseroberfläche verbrauchen und kaum Sonnenlicht durchlassen. Dadurch reduzieren sich Fischbestände, zudem sorgt das üppige Blattwerk für eine erhöhte Oberflächenverdunstung und behindert die Wasserzirkulation. Nach dem Absterben der Pflanze verrottet das Unkraut auf dem Gewässergrund ohne Sauerstoff. Das führt zur Entstehung von Methan, einem Treibhausgas, das rund 25 mal klimaschädlicher ist als CO2.

Die Pflanzen bedecken die gesamte Wasseroberfläche und machen das Fischen unmöglich.
Die Pflanzen bedecken die gesamte Wasseroberfläche und machen das Fischen unmöglich.bild: imago images

Der gemeinnützige Verein Char2Cool hat jetzt allerdings den C2C-Kiln erfunden, eine Art Ofen, mit der die Wasserhyazinthen in Pflanzenkohle umgewandelt werden können. Die Materialien für den Bau des Ofens kosten zwischen 20 und 80 Euro und seien auch in weniger entwickelten Regionen gut zu bekommen, erklärt Olivia Thierley, Entwicklerin des C2C-Kiln gegenüber dem Digital-Magazin "Reset".

Die einzelnen Produktionsschritte für die Verkohlung seien simpel: Nach der Ernte werden die Wasserhyazinthen etwa eine Woche lang getrocknet. Anschließend wird die Biomasse unter hohen Temperaturen bei 300 bis 600 Grad und Sauerstoffmangel im Kiln verschwelt. Diesen Vorgang nennt man Pyrolyse. Mit zwei Kilns lassen sich 65 Kilogramm Pflanzenkohle am Tag gewinnen.

Gleich mehrere positive Effekte

Neben der Unkrautvernichtung wird auch ein natürlicher Bodenverbesserer gewonnen. Die Pflanzenkohle kann nämlich im Boden Versäuerungen ausgleichen und dient als Trägermittel für Nährstoffe. Gleichzeitig wird durch die Verkohlung der Wasserhyazinthen Kohlenstoff gebunden. Mit einer Tonne Wasserhyazinthen-Kohle werden laut Char2Cool 200 bis 300 Tonnen an CO2-Äquivalenten erzielt. Das entspricht dem jährlichen CO2-Fußabdruck von bis zu 30 in Deutschland lebenden Menschen.

Aus dem Unkraut, das beispielsweise die Fischerei stark behindert, soll nun eine Einkommensquelle werden. Die Pflanze wächst schließlich kostenlos – wenn aus ihr Pflanzenkohle gemacht werden kann, können so Arbeitsplätze geschaffen werden. Die fertige Pflanzenkohle wird übrigens nicht, wie beispielsweise Holzkohle, zum Verbrennen verwendet, sondern dient als Bodenhilfsstoff bei trockenen Böden sowie als Feuchteregulator bei nassen Böden. Bisher ist der Kiln in Nigeria, Uganda, Kenia, Äthiopien und Peru zum Einsatz gekommen.

(sb)

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