Dass Buntbarsche rechnen können, haben die Forschenden nicht erwartet.
Dass Buntbarsche rechnen können, haben die Forschenden nicht erwartet.Bild: iStockphoto / Marina Vedernikova
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Neues Forschungsergebnis beweist, wie empfindungsfähig und intelligent Fische sind

07.04.2022, 11:5707.04.2022, 14:39

Sind Fische wirklich eine primitive Tierart? Obwohl sie keine Großhirnrinde besitzen, können zwei Fischarten einfache Rechenaufgaben lösen und sind empfindungsfähiger als zuvor gedacht – das ergab eine Untersuchung der Universität Bonn ergab. Nach der in der Fachzeitschrift "Scientific Reports" veröffentlichten Studie können Buntbarsche und Stachelrochen im Zahlenraum bis fünf addieren und subtrahieren.

Die Bonner Zoologin Vera Schlüssel ließ beide Arten in ihrer Studie einfache Additionen und Subtraktionen vornehmen. "Dabei mussten sie einen Ausgangswert um eins erhöhen oder vermindern", erklärte Schlüssel. Dazu nutzten sie und ihr Team bereits bei anderen Tierarten erprobte Methoden zum Test der mathematischen Fähigkeiten.

Forschende wenden Belohnungssystem an

Sie zeigten den Fischen eine Ansammlung geometrischer Formen, wie etwa vier Quadrate. Wenn diese blau gefärbt waren, bedeutete das "addiere eins". Gelb gefärbte Quadrate bedeuteten "subtrahiere eins". Danach seien die Aufgaben ausgeblendet und den Tieren neue Abbildungen gezeigt worden - eine mit fünf und eine mit drei Quadraten. Schwammen sie zum richtigen Bild – also bei der Addition statt vier fünf blaue Quadrate – wurden die Fische mit Futter belohnt. Bei der falschen Antwort bekamen sie nichts.

Um zu testen, ob die Fische ihre Erkenntnis auch auf neue Aufgaben anwenden konnten, veränderten die Forschenden ihre Aufgaben nach der Lernphase. Dabei habe sich gezeigt, dass die Fische nun auch die Aufgaben drei plus eins und drei minus eins lösen konnten. Auch in einer Kombination mehrerer geometrischer Formen wie Quadrat, Dreieck und Kreis hätten die Fische richtig gerechnet.

Kognitive Potenziale vieler Fischarten noch kaum erforscht

Die Forschenden überraschte die Leistung der Barsche und Rochen auch deshalb, weil diese keine Großhirnrinde haben. Diese ist beim Menschen für die meisten komplexen kognitiven Aufgaben zuständig. Außerdem sei auch nicht bekannt, dass die beiden Fischarten ein gutes Zahlenverständnis benötigen. Studienleiterin Schlüssel sieht in dem Ergebnis ihrer Arbeit eine Bestätigung, dass der Mensch dazu neige, andere Spezies zu unterschätzen.

Vor diesem Hintergrund appellierte die Forschergruppe an den Erhalt des weltweiten Fischbestands und der Biodiversität in den Meeren, da viele Potenziale von Fischen bisher noch kaum erforscht sind und ihre kognitiven Fähigkeiten möglicherweise auch zu neuen Erkenntnissen bei Klimaanpassungsmechanismen beitragen könnten.

(sb/afp)

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