Themenbild Ausbau der Ladeinfrastruktur. E-Autos werden an Ladesaeulen in Wolfsburg aufgeladen.TESLA, Elektroauto-E-Auto wird geladen,Ladestecker,Ladekabel, Ladesaeule,Ladebuchse, E-Mobilitaet,Elektri ...
Um mehr Autofahrer:innen vom Kauf eines E-Autos zu überzeugen, wird laut Autobauern und VDA eine bessere Ladeinfrastruktur benötigt.Bild: IMAGO/ FrankHoermann/SVEN SIMON
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Autobauer wollen den Ausbau eigener E-Ladenetze vorantreiben

10.01.2023, 11:20

Der Ausbau des E-Ladenetzes hinkt der wachsenden Zahl von Elektroautos weiter hinterher. Kamen etwa Anfang 2021 noch 14 E-Autos auf einen Ladepunkt, waren es nach Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) zuletzt 23. Zwar will die Bundesregierung gegensteuern – etliche Autobauer wollen sich aber nicht nur auf die Politik verlassen und treiben den Ausbau der Ladeinfrastruktur selbst voran.

"Wir wollen nicht zusehen und abwarten, bis [ein Schnellladenetz] gebaut ist."
Ola Källenius, Mercedes-Chef

So kündigte Mercedes-Benz ein eigenes Netz mit weltweit 10.000 Ladepunkten bis Ende des Jahrzehnts an. Dafür wird das Stuttgarter Unternehmen einen einstelligen Milliardenbetrag investieren. "Wir wollen nicht zusehen und abwarten, bis es gebaut ist. Daher errichten wir selbst ein globales Schnellladenetzwerk", sagte Mercedes-Chef Ola Källenius. Man habe zunächst gedacht, dass andere Player wie Energieunternehmen den Bedarf decken würden, sagte Technikchef Markus Schäfer. "Aber das ist nicht passiert."

Der VW-Konzern dagegen will bis Ende 2025 mit Partnern weltweit gut 45.000 Schnellladepunkte einrichten. Sowohl die Wolfsburger, als auch Mercedes wollen das Netz dann für alle Marken zur Verfügung stellen.

Eine Million Ladepunkte für Mercedesfahrer

Wie viele Ladepunkte konkret in Deutschland entstehen werden, teilte Mercedes nicht mit. Klar ist aber: Für die weltweiten Ausbauziele – alleine die Bundesregierung will eine Million öffentlich zugänglicher Stecker bis 2030 bereitstellen – sind die Pläne der Stuttgarter allenfalls ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Weitaus größer sind die Ladenetze, die sich die Autokonzerne mittels Kooperationen gesichert haben. Für Mercedes-Fahrer stünden etwa eine Million Ladepunkte weltweit zur Verfügung, sagte Källenius. Das auf eine BMW-Initiative zurückgehende Digital Charging Solutions-Netz (DCS), an dem auch Mercedes und der Ölkonzern BP beteiligt sind, kommt nach eigenen Angaben auf über 400.000 Ladepunkte in Europa in Japan.

Mercedes betreibt unter anderem gemeinsam mit BMW, VW, Ford und Hyundai das Konsortium Ionity, das in Deutschland bislang 480 Schnellladesäulen mit bis zu 350 Kilowatt Ladeleistung errichtet hat.

Ziele der Regierung sind lange nicht erreicht

Hat die Politik den Ausbau der Ladeinfrastruktur in den vergangenen Jahren also so sehr verschlafen, dass die Autoindustrie den einzigen Ausweg in der Eigeninitiative sieht? VDA-Präsidentin Hildegard Müller formuliert es so: "Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur gelingen kann, wenn alle Akteure diese tragen und Verantwortung übernehmen." Jeder müsse seinen Beitrag leisten – und dabei sei natürlich auch die Autoindustrie engagiert.

ARCHIV - 09.02.2022, Berlin: Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie e.V, (VDA), bei einem Porträttermin in der VDA-Vertretung. (zu dpa "VDA-Präsidentin Müller für zwei ...
Hildegard Müller ist Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Bild: dpa / Carsten Koall

Dabei zeigt der Blick auf die Zahlen, dass die Ziele der Regierung noch in weiter Ferne liegen. Laut Daten der Bundesnetzagentur von Anfang November 2022 wuchs die Zahl der Ladepunkte binnen eines Jahres um rund 17.000 auf insgesamt 72.000. Ginge es in diesem Tempo weiter, wäre das Ziel von einer Million Ladepunkte rein rechnerisch erst im Jahr 2077 erreicht.

Um schneller zu werden, beschloss das Kabinett im Oktober einen "Masterplan Ladeinfrastruktur" und will dafür 6,3 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Das zeige zumindest, dass sich die Bundesregierung der Herkulesaufgabe bewusst sei, hieß es vom ADAC.

Ladezeiten müssten kürzer werden

Das Ausbautempo 2022 bewertete der Automobilclub vergleichsweise positiv. Immerhin habe die Zahl der Ladepunkte im vergangenen Jahr einigermaßen mit der Zahl der neu zugelassenen E-Autos Schritt gehalten, lobte auch VDA-Chefin Müller. Sie betonte aber:

"Das Angebot müsste der Nachfrage vorauseilen, damit das Vertrauen der Menschen in die E-Mobilität weiter wachsen kann."

Davon sei Deutschland noch weit entfernt. Vor allem bei den Schnellladern müsse es daher mit hohem Tempo weiter vorangehen.

Für Deutschland zählt die Bundesnetzagentur bislang rund 12.000 solcher Stecker, die ab einer Ladeleistung von mehr als 22 Kilowatt als Schnellladepunkte definiert sind. Rund ein Viertel davon erreicht die höchste Leistungsklasse von über 300 Kilowatt. In diese Bereiche will auch Mercedes mit seiner neuen Infrastruktur vorstoßen.

Eine Batterie könne so von zehn auf 80 Prozent in rund einer halben Stunde geladen werden. "Wir werden das noch signifikant verkürzen", kündigte Technikchef Schäfer auf der Technik-Messe CES in Las Vegas an. Mit besserer Ladeinfrastruktur werde die Elektroauto-Akzeptanz steigen.

ADAC beklagt Unübersichtlichkeit

Der Karlsruher Energiekonzern EnBW schätzt, dass es bis 2030 bundesweit etwa 130.000 bis 150.000 Schnellladepunkte – und nicht eine Million überwiegend langsame normale Ladepunkte – brauche, um die von der Bundesregierung angepeilten 15 Millionen Elektroautos zu versorgen. Rund 30.000 davon will EnBW selbst bauen. Schon heute betreibt der Konzern mit 2800 Ladepunkten das nach eigenen Angaben größte Schnellladenetz Deutschlands.

Der ADAC beklagte, dass ein E-Autofahrer schnell den Überblick verlieren kann. Mal brauche er eine Ladekarte, mal eine App. An dieser Säule zahle er per Smartphone, an der anderen per Rechnung zum Monatsende. Einige Anbieter verlangen eine Grundgebühr, einige ab einer gewissen Standzeit an der Ladesäule einen Aufschlag pro Minute. Es bleibt also noch einiges zu tun auf dem Weg in die vollelektrische Mobilität.

(sp/dpa)

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