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Agroforst-Systeme: Neue Methode für mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft

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Benedikt Bösel besinnt sich auf eine mittelalterliche Landwirtschaftsform, um gegen die Dürre anzukommen.Bild: dpa / Patrick Pleul
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So versucht ein Brandenburger Landwirt gegen die Dürre vorzugehen

05.07.2023, 11:44
Mehr «Nachhaltigkeit»

Der 38-jährige Benedikt Bösel hat ein Landgut und eine große Farm in Brandenburg, in der trockensten Gegend Deutschlands. Längst ist er ein Promi unter den Öko-Bauern, auf vielen seiner Instagram-Videos, in seinem Buch und in Talkshows erzählt er, wie er den Boden retten will.

"Nun ist überall zu spüren, dass Wasser immer knapper wird und wir keinen gesunden Boden mehr haben", sagt Bösel, der in Alt Madlitz in der Gemeinde Briesen, etwa eine Stunde von Berlin entfernt, einen XXL-Betrieb mit 1000 Hektar Ackerland und 2000 Hektar Wald bewirtschaftet. Seine Felder sind eine Art Versuchslabor. In einer der niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands mit den sandigen Böden entwickelt er angesichts der Klimakrise neue Formen der Landnutzung.

Wetterextreme sollen weniger Schäden anrichten

Agroforst-Systeme gehören dazu, um Dürreschäden und Erosion zu verringern. Einfach gesagt, werden dabei Bäume und Sträucher mit Ackerkulturen kombiniert. Die Gehölze stehen in regelmäßigen Abständen in Reihen auf den Feldern.

Experten gehen davon aus, dass Feuchtigkeit so besser im Ackerboden gehalten wird und Wetterextreme weniger Schäden anrichten. Bislang sei es in der Landwirtschaft meist so, dass man im Ackerbau "schön lange geradeaus fahren möchte", sagt Bösel, der mit mehreren Forschungsinstituten zusammenarbeitet und vom Bundesagrarministerium gefördert wird.

PRODUKTION - 22.06.2023, Brandenburg, Alt Madlitz: Benedikt Bˆsel, Landwirt, Unternehmer, Agrarˆkonom, zeigt mit seinen H‰nden die trockene Erde in einem Haferfeld. (zu dpa: ´Kein Acker ohne Baum? Lan ...
Die Erde ist sehr trocken.Bild: dpa / Patrick Pleul

Laut Dürremonitor beim Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) ist es in einem Streifen vom östlichen Niedersachsen über Sachsen-Anhalt bis Berlin und Brandenburg schon seit fünf Jahren permanent zu trocken. In Dürre-Sommern ist zu sehen, wie Traktoren lange Staubwolken hinter sich her ziehen.

"Wir haben die Landschaft ausgeräumt, immer größere Flächen einheitlich bewirtschaftet, das führt zu Nachhaltigkeitsproblemen", meint Klaus Müller, Professor am Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung (ZALF). Bei Bösel gilt: kein Acker ohne Baumreihen. Hundert Hektar große Flächen ohne Baum dazwischen, "das macht wenig Sinn", sagt auch Renke de Vries, der Agroforst-Experte in Bösels Team.

Herausforderungen und Chancen der Agroforst-Systeme

Neu ist diese Form der Bewirtschaftung nicht, laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft war sie schon im Mittelalter verbreitet.

Doch zum Ende des 19. Jahrhunderts sei sie mit der Intensivierung der Landwirtschaft mehr und mehr verschwunden. Bösel sagt: "Die Landwirte und Landwirtinnen haben die letzten 40, 50 Jahre genau das gemacht, was sie machen sollten. Sie sollten viel produzieren – und das so günstig wie möglich. Das heißt, sie haben sich immer weiter spezialisiert und immer weiter technologisiert."

ARCHIV - 22.06.2023, Brandenburg, Alt Madlitz: Benedikt Bˆsel, Landwirt, Unternehmer, Agrarˆkonom, ist auf einer Agroforstfl‰che mit einem Haferfeld (Luftaufnahme mit einer Drohne). Zukunftssorgen bel ...
Bösel liebt es, Landwirt zu sein.Bild: dpa / Patrick Pleul

Der Deutsche Bauernverband nennt hohe Kosten für Agroforst-Systeme als Vorbehalte bei Landwirten. Zudem sei es aufwendiger, die Fläche zu bewirtschaften. Eine Hürde sieht der Bauernverband auch darin, dass ein Großteil landwirtschaftlicher Flächen gepachtet ist.

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Einigkeit dürfte im Nutzen für das Klima bestehen. Denn Bäume und Sträucher binden das schädliche Treibhausgas CO₂, der Acker kann auch durch mehr Humusaufbau zum besseren Kohlenstoffspeicher werden. Die Klimaleistung des Landwirts sollte besser vergütet werden, meint der Bauernverband.

"Aktuell wird auf europäischer Ebene an einer einheitlichen Zertifizierung von "Kohlenstoffsenken" gearbeitet. Die Erwartungen seitens der Landwirte sind hoch", heißt es. Für Bösel steht angesichts seines Beitrags fürs Klima fest: "Landwirt zu sein ist im Jahr 2035 längst einer der coolsten Jobs überhaupt."

(dpa)

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