Es muss nicht immer echtes Fleisch sein: Pulled Pork gibt es auch aus Jackfrucht.
Es muss nicht immer echtes Fleisch sein: Pulled Pork gibt es auch aus Jackfrucht.
Bild: iStockphoto / bhofack2
Im Test

Erbsen, Jackfrucht, Soja: Wir haben pflanzliche Fleisch-Alternativen getestet

20.03.2021, 18:5521.03.2021, 09:39

Im Prinzip wissen wir es alle: Fleisch ist klimaschädlich, ungesund und verursacht Tierleid. Gründe, uns den Appetit zu verderben, gibt es also genug. Trotzdem schaufeln die Deutschen im Durchschnitt noch ganze 60 Kilo Fleisch im Jahr in sich hinein – schmeckt halt so gut, hört man dann immer wieder. Die Lust auf Fleisch vergeht dennoch immer mehr Menschen. Und so entern zunehmend Fleischersatzprodukte die Kühltheken in Bio- und Supermärkten.

Lupinen, Soja, Erbsen, Weizen, Jackfrucht – sie alle wälzen sich in den unterschiedlichsten Gewürzen und geben sich beste Mühe, uns vorzugaukeln, sie wären zartes BBQ-Pulled-Pork, knusprige Hühnchenschlegel oder ein saftiges Schnitzel. Bleibt die Frage: Ist ihre Tarnung erfolgreich? Und sind sie tatsächlich nicht nur mit weniger Tierleid verbunden, sondern auch weniger klimaschädlich? Watson hat dafür vier verschiedene pflanzliche Ersatzprodukte unter die Lupe genommen.

Um den Kritikern gleich mal den Wind aus den Segeln zu nehmen: Natürlich sind Fleischalternativen – teilweise – hoch verarbeitet und nicht zwingend gesund und nährstoffreich. Wir sollten sie folglich in eine ausgewogene Ernährung einbinden. Und beim Blick auf die Zutatenliste gilt: Je kürzer, desto besser. Aber mal ehrlich, beim Biss in ein Schnitzel erwartet auch niemand einen Vitamin-Boost. Und was die Proteine angeht, sind viele Ersatzprodukte mindestens gleichauf mit dem "echten" Fleisch. Also, losgebraten!

Pulled Pork aus Erbsen von Planted

Erbsen sind von Fleisch geschmacklich ziemlich weit entfernt. Das schweizer Startup Planted stellt trotzdem Fleischalternativen aus einer Mischung aus Erbsen, Hafer und Sonnenblumen her. Und findet, es ist "no pig deal" damit Pulled Pork den Kampf anzusagen. Neben den Pflanzenproteinen besteht das Fake-Schwein aus Erbsenfasern, Rapsöl, einer Gewürzzubereitung und enthält außerdem das Vitamin B12. Pro 100 Gramm kommt das Pulled Pork mit 142 Kalorien und 24 Gramm Eiweiß daher. Zum Vergleich: 100 Gramm "echtes" Pulled Pork haben nur 13 Gramm Eiweiß.

bild: instagram/eatplanted

In der Pfanne angebraten schmeckt der Fleischersatz erstmal relativ neutral und – Surprise – irgendwie erbsig. So eine richtige Geschmacksexplosion ist das noch nicht. Das ändert sich in dem Moment, in dem – wie im mitgeschickten Rezept angegeben – Sojasoße dazu kommt, die das Ganze etwas würziger macht. Die faserige Konsistenz erinnert tatsächlich ein wenig an Pulled Pork, vielleicht ein bisschen trockener. So richtig knusprig ist es auch nicht, aber das ist auch nicht die Aufgabe von Pulled Pork. Das Erbsenfleisch gibt es aber auch noch als Chicken- und Kebab-Ersatz und in marinierter Form – dazu würde ich beim nächsten Mal greifen.

Ein Pluspunkt gibt's für die Regionalität der Zutaten: Die werden nämlich allesamt in der Schweiz angebaut und dort auch weiterverarbeitet. Spart Emissionen beim Transport, und der Anbau von Erbsen ist sowieso deutlich klimafreundlicher als Schweinezucht: Ein Kilo Erbsen kommt auf 0,78 Kilo CO2-Äquivlant, Schweinefleisch dagegen auf 4,15 Kilo.

Fazit

Echte Fleischliebhaber werden sich vielleicht erstmal ein bisschen umgewöhnen müssen. Schlecht ist das Erbsen-Pork aber nicht – und mit Blick auf die Klimabilanz schmeckt's noch besser. Allerdings hat das seinen Preis: 400 Gramm Fakefleisch kosten hier knapp 10 Euro.

Jackfrucht in Salzlake von Who's Jack

Die exotischste Pflanze im Rennen um den besten Fleischersatz ist definitiv die Jackfrucht. Sie ist kommt aus der Familie der Maulbeergewächse, ist die größte Baumfrucht der Welt und wächst in tropischen Gebieten wie Indien, Bangladesch und Indonesien. Die Jackfrucht in Salzlake von Who's Jack, die ich ausgewählt habe, hat logischerweise auch einen weiten Weg hinter sich – sie stammt aus Sri Lanka, kommt dafür aber zumindest aus biologischem Anbau. Und: Sie ist frei von künstlichen Zusätzen, Geschmacksverstärkern und Konservierungsstoffen und schwimmt nur in etwas Wasser, Salz und Limettensaft.

bild: instagram/who's jack

Vom Geschmack her ist die Jackfrucht selbst eher neutral, es kommt deshalb auf die Würze an. Je nachdem, wie sie gewürzt oder mariniert wird, kann sie nach Gulasch, Döner, Curry oder BBQ schmecken. Und genau das stellt mich als Jackfrucht-Neuling vor ein Problem: Was bedeutet bitte "nach Belieben" würzen und marinieren?

Ich mariniere also wild drauf los mit allem, was ich in die Finger kriege: Sojasauce, Pilzsauce, Salz und Pfeffer, Curry, Limette, Brathähnchen-Gewürz. Am besten schmeckt mir am Ende die in Pilzsauce marinierte Jackfrucht, die anderen Stücke sind auch okay. Abends koche ich eines der auf der Website vorgeschlagenen Rezepte nach, eine Spinat-Gnocchi-Pfanne mit Jackfruit. Schmeckt lecker, wirklich an Fleisch erinnert mich das Ganze aber nicht.

Schmecken dürfte die Jackfrucht vor allen denjenigen, die auf ihr Gewicht achten: 100 Gramm von der Frucht haben nur 25 Kalorien. Ein Eiweißlieferant ist sie allerdings auch nicht.

Fazit

Eine exotische Frucht, mit der ich gerne noch das ein oder andere Mal experimentiere. Als regelmäßiger klimafreundlicher Fleischersatz taugt sie für mich aber nicht.

Soja-Huhn von The Vegetarian Butcher

Fleischersatz von Fleischliebhabern für Fleischliebhaber, das ist das Motto von The Vegetarian Butcher. Gründer Jaap Korteweg ist Landwirt der neunten Generation und schreibt schon auf der Verpackung: "Mein Ziel ist es, leckeres vegetarisches Fleisch herzustellen, das noch besser schmeckt als das Original" – wenn das mal keine Ansage ist. Hinter dem vermeintlichen Dorfmetzger verbirgt sich allerdings der Riesenkonzern Unilever.

In den veganen Chikeriki-Streifen, die ich mir ausgesucht habe, stecken Soja, Gewürzextrakte, Sonnenblumenöl und natürliche Aromen, 100 Gramm sorgen für 126 Kalorien. Im Vergleich zum Erbsen-Fleischersat enthält es mehr Fett (4,2 Gramm) und Salz (1,6 Gramm) und gleichzeitig weniger Eiweiß (16 Gramm).

Kurz in der Pfanne angebraten schmecken die Soja-Brocken dafür direkt wie gebratenes Hühnchen. Wie ziemlich fettiges gebratenes Hühnchen, was aus meiner Sicht definitiv ein Pluspunkt ist. Hier muss auch nicht mehr viel gewürzt werden, der Eigengeschmack erinnert schon stark an gebratenes Fleisch, die faserige Konsistenz sowieso. Aus meiner Sicht ist das tatsächlich das leckerste Ersatzprodukt – und das, das am ehesten an Fleisch herankommt. Ein bisschen ungesünder als das Erbsenfleisch ist es zwar, aber so ist es ja oft im Leben mit Dingen, die Spaß machen.

Die große Frage ist nur: Wo wird das Soja für das Fake-Chicken angebaut? Auf Nachfrage heißt es, dass konventionelles, aber gentechnisch nicht verändertes Soja aus Europa, Kanada, China und den USA verwendet wird. Wirklich aussagekräftig hinsichtlich der Klimabilanz ist das nicht.

Fazit

Das Ziel, Pflanzen wie echtes Fleisch schmecken zu lassen, hat "The Vegetarian Butcher" definitiv erreicht. Geschmacklich gibt's also auf jeden Fall einen Daumen nach oben. Für die volle Punktzahl reicht es trotzdem nicht, dafür ist einfach die Gefahr zu groß, dass wir Soja essen, das einen weiten Weg hinter sich hat.

Seitan von Veganz

Warum auf exotische Zutaten zurückgreifen, wenn es auch der gute alte Weizen tut? Nummer vier im Bunde der pflanzlichen Ersatzprodukte ist deshalb selbst zusammengerührter Seitan – und der besteht bekanntermaßen aus Weizengluten. Würzen, Stücke formen und in Gemüsebrühe kochen, und schon hat man den faserigsten Fleischersatz seit es faserige Fleischersätze gibt. Richtig mariniert schmeckt der Seitan wunderbar und erinnert tatsächlich an Rindfleisch. Nur eben mit einer sehr, sehr viel besserer Ökobilanz. Während ein Kilo Weizen 0,34 Kilogramm CO2-Emissionen verursacht, sind es beim Rindfleisch unfassbare 12,3 Kilo!

Der Seitan ist dabei nicht nur lecker und klimafreundlich, sondern auch eine Eiweißbombe: 80 Gramm Eiweiß stecken in 100 Gramm Seitan, dafür haut er mit 400 Kalorien auch deutlich mehr rein als die Konkurrenz. Und obwohl ich regelmäßig mit Seitan koche, fühlt es sich doch ein wenig seltsam an, mir das pure Gluten reinzuschaufeln, nachdem mir das eine Weile von ärztlicher Seite aus ganz untersagt war. Dafürkommt das Seitanpulver ohne Geschmacksverstärker und sonstiges Shishi aus.

Fazit

Günstig, regional, klimafreundlich, lecker: Wer nicht mit Glutenunverträglichkeiten zu kämpfen hat, für den ist Seitan ein wunderbarer Fleischersatz.

Am Ende heißt es: Ausprobieren

Es ist wahrlich keine Breaking News mehr, dass man auch ohne Tiere zu töten easy etwas auf den Teller bekommt, das an Fleisch erinnert. Vor- und Nachteile haben alle der getesteten Produkte, welches das richtige ist, muss am Ende wohl jeder für sich selbst herausfinden, schließlich wird die Auswahl immer größer. Aber es gibt vermutlich schlimmeres, als sich durchzufuttern und immer wieder neue Rezepte auszuprobieren.

watson-Kolumne

Schokolade, Gummibärchen, Energy Balls: Veganerin verrät, welche Süßigkeiten ihr am besten schmecken

"Ich könnte nie auf Schokolade verzichten" lautet eines der Argumente, das ich schon häufiger zu hören bekommen habe, wenn es darum geht, vegan zu leben. Davon abgesehen, dass die Verhältnismäßigkeit zwischen dem Verlangen nach Süßigkeiten und Tierleid, Klimabelastung und so weiter schwierig zu diskutieren wäre, ist es auch gar nicht nötig, denn die Schokoladen-Problematik lässt sich meiner Meinung nach wunderbar lösen.

Vier persönliche Punkte zum Thema vegane Süßigkeiten:

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