Excited woman riding bike down the boardwalk with her friends running along. Two female friends having a great time on their vacation. Panoramic shot with lots of copy space on background.
Für Urlaub am Meer muss man nicht unbedingt ins Flugzeug steigen. Bild: iStockphoto / jacoblund
Klima & Umwelt

Nachhaltiger Urlaub als Trend: Das ist Urlaubern 2022 wichtig

31.05.2022, 11:2001.06.2022, 07:20

Es ist wieder die schöne Zeit des Jahres, in denen man im Taumel zwischen den Feier- und Brückentagen einen Vorgeschmack auf den Sommer bekommt. Und Sommer bedeutet für viele Verreisen. Möglichst nachhaltig sollte dies aber sein, das ist vielen Menschen mittlerweile wichtig, wie eine Umfrage des Umfrageportals Statista zeigt: 54 Prozent der Deutschen haben demnach angegeben, ihren Urlaub nachhaltiger gestalten zu wollen.

Doch wie reist man möglichst nachhaltig? Sollte man ab jetzt nur noch mit Zug und Zelt unterwegs sein? Oder ist eine Fernreise hin und wieder doch ganz okay? Watson hat mit dem Geografen und Tourismusforscher Julius Arnegger von der FH Westküste gesprochen.

Nachhaltiger Urlaub – was bedeutet das eigentlich?

"Er soll sozial verträglich, ökonomisch gewinnbringend und gleichzeitig ökologisch so ausgerichtet sein, dass negative Auswirkungen möglichst minimiert werden", erklärt Tourismusexperte Julius Arnegger einen nachhaltigen Urlaub. Insbesondere die Umwelt- sowie die Sozialverträglichkeit sei dabei zu beachten.

Nachhaltigkeit beim Reisen ist vielen Menschen wichtig, doch wie man diese am besten umsetzt, ist gar nicht so einfach. Zu einer Urlaubsreise gehören zahlreiche Aspekte wie Anreise, Unterkunft oder Aktivitäten vor Ort. Urlauber müssen bei der Planung also viel mitdenken.

Siegel können helfen

Um sich zurechtzufinden, gibt es verschiedene Nachhaltigkeitssiegel und Zertifikate. Doch für die Verbraucher ist es oft nicht ersichtlich, auf welche Siegel sie achten sollen. Arnegger erklärt:

"Einige der Siegel werden durch private oder gemeinnützige Organisationen vergeben. Die unterliegen jedoch dem Konflikt, dass sie sich über die Unternehmen finanzieren, an die sie die Siegel vergeben. Sie zahlen Geld, um zertifiziert zu werden. Und wenn sie die Voraussetzungen dann zu streng machen, riskieren sie, dass sie nicht genug Mitglieder haben, um sich zu finanzieren."
Julius Arnegger Tourismusexperte gegenüber watson

Bei anderen Siegeln sei es wiederum nicht immer erkennbar, ob das Unternehmen, das damit wirbt, tatsächlich die Nachhaltigkeitskriterien erfüllt oder nur den Mitgliedsbeitrag gezahlt hat. Es gibt jedoch eine Organisation, die Global Sustainable Tourism Council, welche die Nachhaltigkeits-Siegel zertifiziert. Leichter wird es dadurch für den Verbraucher jedoch nicht unbedingt, wie Arnegger sagt: "Das ist für den Verbraucher etwas komplex. So umfassend informiert sich realistisch niemand, das ist auch das Problem mit der Umsetzung von Nachhaltigkeit."

Was kann ich konkret tun, meinen Urlaub nachhaltiger zu gestalten?

Nach zwei Jahren, die sehr von der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Beschränkungen geprägt waren, verspüren besonders viele junge Menschen Nachholbedarf, was das Reisen angeht. Viele planen wieder Urlaube in weiter entfernten Zielen. Natürlich wäre es immer umweltverträglicher, mit der Bahn zu reisen, doch manche Urlaubsorte sind ohne Flugzeug nur mühsam oder sehr zeitintensiv zu erreichen.

Wenn man jedoch einen Flug bucht, kann man den Schaden zumindest etwas mindern: "Man könnte zum Beispiel für die Anreise oder den gesamten Aufenthalt die Treibhausgasemissionen kompensieren", empfiehlt Julius Arnegger.

Dies ist auch relativ einfach umzusetzen. Es gibt verschiedene Webseiten, auf denen man ausrechnen lassen kann, wie viele Tonnen CO2 bei dem gebuchten Flug ausgestoßen werden. Diese kann man dann finanziell kompensieren. Webseiten, auf denen das möglich ist, sind zum Beispiel "Atmosfair" oder "My Climate". Ein Flug von Berlin nach Rom "kostet" nach Berechnungen der Webseiten zwischen 10 und 14 Euro. Diese Kompensation geht dann an gemeinnützige Zwecke.

Trotz der einfachen Umsetzung und des relativ geringen Preises, natürlich abhängig vom Ziel, nutzen die wenigsten diese Möglichkeit der Kompensation. Julius Arnegger erklärt, wieso das so ist: Beim Thema Nachhaltigkeit herrsche nämlich bei vielen den sogenannten "Attitude-Bahaviour-Gap". Das heißt, die innere Einstellung und das Verhalten, das daraus resultiert, stimmen nicht unbedingt überein.

"61 Prozent der Deutschen sagen, dass es ihnen wichtig sei, dass ihr Urlaub möglichst umwelt- und sozialverträglich sei. Aber nur sechs Prozent achten auf die Gütesiegel. Und nur drei Prozent gleichen ihre CO2-Emissionen aus. Prinzipiell finden die Menschen es also gut, aber sobald es die Auswahl einschränkt oder gar Geld kostet, setzen es dann viele doch nicht um."
Julius Arnegger zu watson

Diese nachhaltigen Reise-Trends werden in Zukunft wichtiger

Während der Corona-Pandemie waren viele Menschen gezwungen, ihren Haupturlaub umzuplanen und die Ferien im eigenen Land zu verbringen. Und haben festgestellt: So schlimm ist es gar nicht. Ob Gürkchen snacken im Spreewald oder ein Wein an der Mosel: Deutschland hat auch viele schöne Ecken zu bieten. Dieses Jahr könnte der Trend durch das 9-Euro-Ticket also weiter anhalten. Und mit diesem kommt man ja bekanntlich sogar bis nach Sylt.

Der "erzwungene" Urlaub im eigenen Land während der Pandemie habe gleichzeitig weitere Trends beschleunigt, die sich schon vorher angedeutet haben. "So zum Beispiel den Camping-Urlaub, der einen starken Boom erlebt hat. Dazu kommt: Die Menschen, die sich in den letzten zwei Pandemie-Jahren einen Campervan gekauft haben, werden den auch weiter benutzen", sagt Tourismus-Experte Julius Arnegger.

Auch Aktivurlaube werden zunehmend beliebter. Der Wanderurlaub hatte in der Vergangenheit eher ein etwas spießiges Image, aber jetzt fahren auch zunehmend jüngere Menschen in die heimischen Mittel- und Hochgebirge. Auch Radurlaube erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Ganz auf Fernreisen verzichten?

Sollte man dem Umweltaspekt zuliebe also in Zukunft am besten auf Fernreisen verzichten? Tourismusexperte Arnegger meint hierzu: "Fernreisen sind auch nicht zu verteufeln. Global betrachtet gibt es viele Entwicklungsländer, besonders kleine Inselstaaten, die kaum wirtschaftliche Alternativen zum Tourismus haben, und wenn, dann wären diese in vielen Fällen vermutlich noch weniger nachhaltig."

Es sei zwar problematisch, dass eine Flugreise auf die Malediven viel CO2 verursache. Doch man müsse auch bedenken: "Über 50 Prozent der dortigen Wirtschaft hängt am Tourismus."

"Diejenigen, die jetzt propagieren, keine Fernreisen mehr zu unternehmen, sollten fairerweise dann auch erklären, was aus diesen Ländern werden soll."
Julius Arnegger Tourismusexperte gegenüber watson

Besonders die weit entfernten Reiseziele, die man von Deutschland und Europa aus nur mit dem Flugzeug erreichen kann, hätten während der Pandemie wirtschaftlich und sozial am meisten gelitten. Sie seien darauf angewiesen, dass wieder Urlauber kommen, sagt Arnegger. Und weiter: "Diejenigen, die jetzt propagieren, keine Fernreisen mehr zu unternehmen, sollten fairerweise dann auch erklären, was aus diesen Ländern werden soll. Ich wüsste keine nachhaltige Alternative."

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