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Luisa Neubauer sieht die Wurzeln der Klimakrise in sexistischen und rassistischen Strukturen – und wird in den sozialen Medien massiv angegangen. Bild: SULUPRESS.DE / Marc Vorwerk/SULUPRESS.DE
Klima & Umwelt

Wie hängen Klimakrise und Patriarchat zusammen? Luisa Neubauer tritt Diskussion auf Twitter los

18.03.2022, 12:27

Klimagerechtigkeitsaktivistin Luisa Neubauer wird in den sozialen Medien wegen einer Aussage über die Klimakrise massiv angegriffen. In ihrem Podcast "1,5 Grad" und einem Interview mit watson erklärte sie anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März, dass die Wurzeln der Klimakrise in Machthierarchien von Männern über Frauen, von weißen Menschen über People of Colour und von Männern über die Natur liegen würden. Hinzu komme, dass Frauen auch stärker von der Klimakrise getroffen würden. Denn auch wer sich vor den Folgen der Krise schützen könne, sei eine Frage von Macht.

Das zeige sich unter anderem an der Infrastruktur und den Städten, die rund ums Auto gebaut – und damit an die Bedürfnisse der Männer angepasst seien. Auch wenn Frauen und Männer heute fast ausgeglichen viel Auto fahren würden, "müssen wir jetzt also alle in dieser Infrastruktur arbeiten und leben, die im Kern eine patriarchale ist, und auf die Bedürfnisse von Frauen eben sehr viel weniger guckt", so Neubauer im Gespräch mit watson. Auch der Arbeitsmarkt sei im Kern an den Mann angepasst. So seien soziale Berufe weniger angesehen als jene, in denen Männern an Maschinen arbeiten.

Als weiße FFF-Aktivistin profitiert auch Luisa Neubauer selbst vom System

Um Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen, müsste der Fokus "unserer Wirtschaftsleistung weggezogen von den emissionsintensiven Sektoren, hin zu den Sektoren, wo überproportional viele Frauen beschäftigt sind", erklärt Neubauer. Auch sich selbst hinterfragt sie ständig, immerhin würde auch sie von dem System profitieren: "Ich bin ja auch eine weiße Frau. Es wäre ganz anders und ich würde nicht hier sein, wenn ich eine Person of Colour wäre, da bin ich mir ganz sicher."

Aus eben jenem Grund, dass nämlich Frauen und People of Colour nicht gleichsam eingebunden und an politischen Entscheidungen beteiligt würden, "ist es nur logisch, dass diese Krise nicht bewältigt werden kann, wenn ein großer Teil der Perspektive im Raum fehlt".

Der Angriff auf Neubauer bezüglich ihrer Einschätzung zu den sexistischen und rassistischen Wurzeln der Klimakrise startete auf Twitter erst einige Tage nach Erscheinen der Podcast-Folge und des watson-Interviews. Während der Fridays for Future-Aktivistin von vielen Frauen und Organisationen Zustimmung und Solidarität entgegenschlägt, ziehen insbesondere (ältere) Männer mit Kommentaren über sie her – und bestätigen damit zugleich Neubauers These, Frauen würden in unserem System benachteiligt.

Anfeindungen Neubauers stehen Solidarität und Zustimmung gegenüber

"Dieses Mädchen ist die mit Abstand verstrahlteste Person, die ich kenne", twitterte Christian Natterer, ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter. Stefan Homburg, Professor an der Leibniz University Hannover, ergänzt: "Ihre Beiträge sind in Sachen Rassismus und Sexismus kaum zu toppen, Frau Neubauer. Ein weißer Mann lässt grüßen." Der AfD-Politiker Georg Pazderski bezeichnete Neubauer zudem als "offensichtlich geistig total verwirrt".

Studien und Untersuchungen belegen Zusammenhang zwischen Klima und Feminismus

Dass Klima und Feminismus zusammenhängen, ist nichts Neues. Erst kürzlich hat die Friedrich-Ebert-Stiftung im Auftrag der Europa-Politikerin Delara Burkhardt (SPD) ein Policy Paper herausgebracht, das untersucht, wie sehr der European Green Deal Frauen benachteiligt (watson berichtete). Das Ergebnis: Frauen werden nicht ausreichend in der Klimapolitik mitgedacht, selbst im European Green Deal nicht, der eine Gleichberechtigung explizit anstrebt. Laut Burkhardt hänge das unter anderem mit der geringeren Berücksichtigung von Frauen in Politik und Machtstrukturen zusammen.

Insbesondere im globalen Süden, aber auch in Europa, würden Frauen so stärker von den Folgen der Klimakrise getroffen. Denn Hierarchien bedeuten immer auch Abgrenzung und Handlungsspielraum. So starben bei dem Tsunami 2004 nach einem Bericht von Oxfam beispielsweise etwa viermal so viele Frauen wie Männer. Der Grund: Warnungen erreichten sie später. Und da sie sich häufig zu Hause um Kinder und Familienangehörige kümmern müssen, waren sie auch für deren Rettung verantwortlich.

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