Positive young female in green sweater hugging friendly beagle dog enjoying happy moments together while walking in green park in sunny day
Wir können den ökologischen Pfotenabdruck mit ein paar Maßnahmen senken.Bild: iStockphoto / max-kegfire
Klima & Umwelt

Nachhaltige Hundehaltung – wie geht das und was bringt es?

12.06.2022, 13:3512.06.2022, 13:40

Tagsüber gehen wir mit ihnen durch den Park spazieren, abends kuscheln sie sich zu uns auf die Couch – Hunde sind für ein Fünftel der Deutschen ein ständiger Begleiter im Alltag. Welche Auswirkungen unser treuer Begleiter auf die Umwelt hat, darüber denken wir allerdings eher selten nach: Denn Hundefutter besteht zu großen Teilen aus Fleisch, die Kotbeutel sind in der Regel aus Plastik und die Leinen aus Leder. Geht das nicht nachhaltiger?

In fast jedem zweiten deutschen Zuhause lebt ein Haustier – das hat eine repräsentative Erhebung des Industrieverbands Heimtierbedarf und des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands herausgefunden. Der Hund belegt dabei den zweiten Platz auf der Beliebtheits-Skala, insgesamt leben schätzungsweise rund 10,3 Millionen Hunde in deutschen Haushalten.

Hunde sind nach der Katze das zweitbeliebteste Haustier der Deutschen.
Hunde sind nach der Katze das zweitbeliebteste Haustier der Deutschen. bild: Industrieverband heimtierbedarf e.v.

Dass diese große Zahl an Tieren auch eine Auswirkung aufs Klima hat, ist klar. Genauso wie seine Besitzerinnen und Besitzer hat auch der Hund einen CO₂-Fußabdruck – denn im Laufe seines Lebens erzeugt er Emissionen, die schädlich fürs Klima sind.

So groß ist der CO2-Pfotenabdruck

Für wie viele Emissionen ein Hund verantwortlich ist, hat ein Forschungsteam der TU Berlin 2020 erstmals herausgefunden. Das Ergebnis ist ziemlich eindrücklich: Rund 8,2 Tonnen CO₂ stößt ein 15 Kilogramm schwerer Hund im Laufe von 13 Lebensjahren aus.

"Die 8,2 Tonnen CO₂ entsprechen 13 Hin- und Rückflügen von Berlin nach Barcelona oder fast der Menge, die bei der Produktion eines Luxusautos der Mittelklasse, wie zum Beispiel eines Mercedes C250, emittiert wird", sagt Matthias Finkbeiner, Leiter des Forschungsteams. Die Studie hat bei der Berechnung der Hunde-Ökobilanz zudem herausgefunden, dass vor allem das Tierfutter und die Exkremente des Hundes für eine starke Umweltbelastung verantwortlich sind. Doch was genau macht das das Hundefutter so umweltschädlich?

Der größte Umweltfaktor: Hundenahrung

Darüber, wie man seinen Hund am besten ernährt, wird seit Jahrzehnten diskutiert. Ob "klassisch" omnivor – als Allesfresser, pflanzlich oder ausschließlich mit rohem Fleisch – darüber scheiden sich die Geister. Dass Hundenahrung so schlecht fürs Klima ist, liegt jedenfalls in erster Linie daran, dass sie oft sehr fleischlastig ist. Denn der Hund stammt schließlich vom Wolf ab und braucht Fleisch in seiner Ernährung – oder?

Dr. Berg ist Vegetarier – seinen Hund ernährt er aber omnivor.
Dr. Berg ist Vegetarier – seinen Hund ernährt er aber omnivor. bild: dr-berg-tiernahrung.de

Gregor Berg ist Tier-Ernährungsexperte und betreibt einen eigenen Online-Shop für Tiernahrung. Er weiß, welche Nährstoffe Hunde wirklich brauchen und wie man sie ihnen am besten verabreicht. Im Gespräch mit watson erklärt er, wie eine nachhaltige Ernährung für den Hund aussehen kann.

"Es ist wissenschaftlich belegt, dass der Hund keinen Bedarf an bestimmten Rohstoffen hat, die nur Fleisch ihm geben kann."

Bei einer klimafreundlichen Ernährungsweise denkt Berg sofort an fleischlose Kost: "Eine vegetarische Ernährung beispielsweise verbraucht weniger Ressourcen und ist deshalb nachhaltiger als eine fleischlastige – sowohl bei Menschen als auch bei Hunden." Anders als viele Menschen annehmen, stellt die vegetarische Ernährung für den ausgewachsenen Hund Berg zufolge kein Problem dar. "Natürlich frisst der Hund aus seiner Natur heraus auch Fleisch. Aber es ist wissenschaftlich belegt, dass der Hund keinen Bedarf an bestimmten Rohstoffen hat, die nur Fleisch ihm geben kann", sagt er.

Funktioniert Hundeernährung auch vegan?

Der Experte erklärt, dass der Hund – anders als die Katze – bestimmte "Bausteine" selbst zu Proteinen und Vitaminen verarbeiten kann. So kann er beispielsweise das Beta-Carotin aus Karotten in Vitamin A umwandeln. Damit ist der Hund ein Allesfresser, der aber nicht fleischlastig ernährt werden muss, weil er viele Stoffe verarbeiten kann, die in Pflanzen erhalten sind.

Auch die vegane Ernährung ist beim ausgewachsenen Hund Berg zufolge möglich. "Aber sie erfordert viele Kenntnisse über Ernährung und seinen Hund vegan zu ernähren ist nichts, was man nebenbei machen kann." Für den Alltag sei es durchaus kompliziert und zeitaufwendig. "Besonders bei Welpen würde ich es nicht empfehlen." Die Hundeernährung mit Milchprodukten und Eiern zu ergänzen sei deshalb sinnvoll, weil sie viele Proteine und schwefelhaltige Aminosäuren enthalten, die der Hund braucht.

Nachhaltige Ernährung mit Fleisch

Auch wenn man seinen Hund nicht fleischlos ernähren möchte, kann man auf Nachhaltigkeit achten. Zum Beispiel, indem man nicht nur Filetstücke verfüttert, sondern alles vom geschlachteten Tier verwertet. Bedenken braucht man dabei keine zu haben: Denn auch bei günstigem Hundefutter werde kein Fleisch verwertet, das gesundheitsschädlich ist.

"Wenn ein Stück Fleisch allerdings zum Beispiel Verfärbungen aufweist, dann wird es beim Metzger nicht gekauft. Es im Futter zu verwenden, finde ich überhaupt nicht kritisch – im Gegenteil." Wenn die Tiere schon geschlachtet würden, sollte ihr Fleisch so respektvoll und vollständig wie möglich verwertet werden. "Das bedeutet für mich auch Nachhaltigkeit", sagt der Tier-Ernährungsexperte gegenüber watson. "Ich liebe meine Hunde, trotzdem muss ich nicht zum Metzger fahren und ihnen ausschließlich Filets servieren – das finde ich ein bisschen zu dekadent."

"Wenn die Tiere schon geschlachtet wurden, sollte ihr Fleisch so respektvoll und vollständig wie möglich verwertet werden. Das bedeutet für mich auch Nachhaltigkeit."

Menschen, die "barfen" – ihren Hunden also ausschließlich rohes Fleisch zu Fressen geben – versteht Berg nicht. Das sei weder gut für die Umwelt, noch notwendig für das Wohlergehen der Hunde.

Umweltfreundlich leben mit Hund

Doch nicht nur das Hundefutter kann einen negativen Einfluss auf die Umwelt haben. In so ziemlich jedem Lebensbereich des Hundes können klimaschädliche Emissionen entstehen. Um diese so gering wie möglich zu halten, hat Sandra Plath einen nachhaltigen Hundeshop eröffnet. Denn als sie ihren ersten Hund Stella mit dem nötigen Zubehör ausstatten wollte, war sie in den Geschäften erschlagen von dem vielen Plastik und den synthetischen Gerüchen, wie sie im Gespräch mit watson erzählt.

"Es gibt für fast alle Produkte, die man für den Hund benötigt, eine umweltschonende Alternative."

Ihren Shop Fräulein Plath hat sie aus Überzeugung gegründet: "Es gibt für fast alle Produkte, die man für den Hund benötigt, eine umweltschonende Alternative." Umweltfreundliche Produkte zu kaufen, sei nicht nur gut für die Erde und das Klima, sondern auch für den eigenen Hund. "Zum Beispiel sind die meisten Plastikspielzeuge nachweislich schädlich für Hunde, weil sie durchtränkt sind von Chemikalien und Schadstoffen." In ihrem Online-Shop setzt Plath daher auf recycelte Materialien, Bio-Qualität und Naturstoffe.

Sandra Plath will für ihren Hund Stella nur das Beste.
Sandra Plath will für ihren Hund Stella nur das Beste.bild: sandra plath

Das betrifft alle Lebensbereiche des Vierbeiners. In Plaths Öko-Shop gibt es beispielsweise Hundebetten, Spielzeug, Pflegeprodukte, Leinen und Halsbänder zu kaufen – jedes Produkt ist dabei nachhaltig und von Plath selbst ausgesucht worden. So sind Leinen und Halsbänder in ihrem Shop nicht aus Leder, sondern aus Kork. "Kork ist ein nachwachsender Rohstoff, der zu hundert Prozent recycelbar ist und herkömmlichem Leder sehr ähnelt – total genial. Dabei werden sowohl Tierleid als auch schlechte Arbeitsbedingungen in der Lederproduktion vermieden", erklärt die Shop-Besitzerin.

Ein weiteres – wenn auch unbequemes Thema – sind Kotbeutel. Diese bestehen in der Regel aus Plastik, das zunehmend unsere Umwelt und Meere verdreckt. Trotzdem werden die Plastik-Gassibeutel in vielen Städten gratis vergeben. Das sei vielleicht gut für den Geldbeutel und die Sauberkeit, aber sicher nicht für die Umwelt, wie Plath meint. "Ich finde, dass Städte nicht diese Plastikbeutel kostenlos zur Verfügung stellen sollten, weil sie das Problem damit noch verstärken. Es gibt schließlich auch Kotbeutel aus recycelten Materialien oder Maisstärke, die biologisch abbaubar sind."

Tiermarkt wird nachhaltiger

Immer mehr Hundeprodukte werden jetzt nachhaltig produziert, wie Plath erklärt. Damit reagiert der riesige Tiermarkt auf die Nachfrage von zahlreichen Kundinnen und Kunden, denen die Umwelt am Herzen liegt. In der Regel muss man für die Öko-Produkte allerdings tiefer in die Tasche greifen als bei Produkten aus dem Discounter, räumt Plath ein. Gute Qualität habe nun mal ihren Preis.

Der Umstieg auf nachhaltige Produkte sei trotzdem unerlässlich. "Wenn wir den Planeten, auf dem wir leben, unseren Kindern und Enkelkindern hinterlassen wollen, dann müssen wir uns jetzt umorientieren und auf Nachhaltigkeit setzen. Bei rund zehn Millionen Hunden in Deutschland kann auch eine kleine Veränderung schon Großes bewirken."

Vorsicht bei der Gassirunde

Sich einen Hund zu holen, bringt nicht nur Freude, sondern auch eine große Verantwortung mit sich. Die täglichen Gassirunden beispielsweise sind Pflicht – auch bei Regen und Schnee. Wer der Umwelt dabei nicht schaden will, sollte zwei wichtige Dinge beachten.

Nicht jeder wohnt direkt neben einem Park oder Waldstück, deswegen fahren viele Hundebesitzerinnen und -besitzer ein Stück mit dem Auto, bis sie an dem Startpunkt der Gassirunde angelangt sind. Rechnet man diese täglichen Autofahrten hoch, wird klar, dass eine Menge klimaschädliche Gase produziert wird, die absolut vermeidbar ist. Besser ist es, direkt von der Haustür aus zu starten und den Vierbeiner an diese Route zu gewöhnen.

Zudem haben Forschende aus Belgien herausgefunden, dass es für die Umwelt extrem gefährlich ist, wenn Hundekot in Naturschutzgebieten liegen gelassen werden. In einer Studie zeigen die Wissenschaftler auf, dass die Hunde-Ausscheidungen reich an Stickstoff und Phosphaten sind – die unerwünschten Nährstoffe gelangen in den Boden und belastet die Ökosysteme und die Artenvielfalt. Die Häufchen des eigenen Vierbeiners zu entfernen, ist deswegen nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Natur die Pflicht eines jeden Hundehalters.

Lieber keinen Hund?

Der Umwelt zu Liebe auf einen Hund als Haustier zu verzichten, kommt für Sandra Plath aber nicht infrage. Schließlich haben sie – genauso wie alle anderen Tiere auch – das Recht, auf dieser Welt zu leben. "Hunde nicht als Haustiere zu halten, kann nicht die Lösung sein. Denn Nachhaltigkeit und Hundehaltung stehen sich gegenseitig nicht im Weg."

Wer sein Leben mit Hund nachhaltig gestalten möchte, kann das zum Beispiel mit fleischfreier Kost und der Benutzung von umweltfreundlichen Tierprodukten tun. Genauso wie bei Menschen komme es auch bei Hunden nicht auf Perfektion, sondern auf die vielen kleinen Schritte in Richtung Nachhaltigkeit an.

Außerdem würden die Vierbeiner uns wieder mehr raus in die Natur verschlagen und hätten zahlreiche positive Effekte auf unser Wohlergehen, wie Plath erklärt. "Sie halten die Menschen gesund und machen sie glücklich. Und wenn wir gemeinsam ihren ökologischen Pfotenabdruck klein halten, gibt es keinen besseren Gefährten als einen Hund."

Gut fürs Klima und den Geldbeutel: Adventskränze selbst machen

Es ist Mitte November und das bedeutet, die Adventszeit steht bevor. Draußen ist es neblig und kalt, drinnen soll es umso gemütlicher werden. Natürlich darf ein Adventskranz nicht fehlen.

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