Nachhaltigkeit
Heiligenblut THEMENBILD - Die Pasterze ist mit etwas mehr als 8 km Laenge der groesste Gletscher Oesterreichs und der laengste der Ostalpen. Seit 1856 hat ihre Flaeche von damals ueber 30 km um beinahe die Haelfte abgenommen. Hier im Bild Panoramaansicht der Pasterze mit Gletschersee, Johannisberg 3453m, frueher auch Keeserkopf und Herzoghut genannt. Heiligenblut, Oesterreich am Freitag 21. August 2020 // With a length of just over 8 km, the Pasterze is the largest glacier in Austria and the longest in the Eastern Alps. Since 1856, its area has decreased by almost half from then 30 km. Picture shows Panorama view of the Pasterze with glacier lake, summit of Johannisberg 3453m, formerly also called Keeserkopf and Herzoghut. Heilige PUBLICATIONxNOTxINxAUT EP_gro

Die Pasterze ist der größte Gletscher Österreichs. Seit 1856 hat ihre Fläche um beinahe die Hälfte abgenommen. Die Wassermassen am Fuße des Gletschers werden dadurch mehr. Bild: www.imago-images.de / Eibner-Pressefoto/EXPA/Groder

Alarmierendes Ergebnis: So sehr sind Gletscherseen seit 1990 gewachsen

Zwischen den Jahren 1990 und 2018 ist aufgrund zunehmenden Schmelzwassers die Anzahl an Gletscherseen weltweit um 52 Prozent gestiegen. Das geht aus einem Bericht mehrerer US-amerikanischer und britischer Wissenschaftler hervor, der im Fachmagazin "nature climate change" veröffentlicht wurde.

Demnach haben die Wissenschaftler über 250.000 Satellitenbilder ausgewertet, um zu analysieren, welche Auswirkungen der Klimawandel auf das Schmelzen der Gletscher und die damit einhergehende Entstehung von Gletscherseen hat. Das Ergebnis zeigt, dass sich insgesamt 14.394 Gletscherseen auf fast 9.000 Quadratkilometern der Erdoberfläche verteilen. Die Fläche auf der Erde, die von den Seen bedeckt ist, hat sich somit etwa verdoppelt.

Für die Wissenschaftler ist das ein alarmierendes, aber gleichzeitig interessantes Ergebnis. "Unsere Ergebnisse zeigen, wie schnell die Systeme an der Erdoberfläche auf den Klimawandel reagieren und wie global das ist", erklärt Stephan Harrison, Professor für Klima- und Umweltveränderungen an der Universität Exeter im Südwesten Englands. "Noch wichtiger ist, dass unsere Ergebnisse dazu beitragen, eine Lücke in der Wissenschaft zu schließen. Denn bisher war nicht bekannt, wie viel Wasser in den Gletscherseen der Welt gespeichert ist."

Die Vergrößerung der Seen bedeutet vielerorts ein Risiko für die Bevölkerung

Gletscherseen seien zwar in vielen Teilen der Welt eine wichtige Wasserquelle für die dort lebenden Menschen, doch würden die Vergrößerung der Gletscherseen auch Risiken bergen, so die Wissenschaftler. Plötzliche Ausbrüche von Gletscherseen können verheerende Folgen haben. Kommt es zu Überschwemmungen, können ganze Dörfer weggespült oder Straßen, Pipelines und andere Infrastruktursysteme zertört werden.

Anfang August herrschte etwa in der Schweizer Gemeinde Lenk höchste Gefahr für Hochwasser und Springfluten, nachdem ein Gletschersee im Berner Oberland ausgelaufen war. Der Faverges-See hatte sich erst vor einigen Jahren am Rand des Plaine-Morte-Gletschers gebildet und läuft seitdem fast jeden Sommer aus. Damit das Wasser kontrollierter abfließen kann, wurde ein Abflusskanal ins Eis geschlagen.

Plateaugletscher Plaine Morte am Fuss des Gipfels Gletscherhore, Berner Alpen, Schweiz, Crans-Montana Plaine Morte Glacier beneath the Gletscherhore peak, Bernese Alps, Switzerland, Crans-Montana BLWS611050 Copyright: xblickwinkel/G.xFischerx

Blick auf den Plateaugletscher Plaine Morte am Fuß des Gipfels. Bild: www.imago-images.de / G. Fischer

Bei sogenannten GLOFs ("glacial lake outburst floods"), also Gletschersee-Überschwemmungen, seien in den letzten Jahren tausende Menschen ums Leben gekommen, erklärt Harrison weiter. Zudem sei immer wieder wichtige Infrastruktur, wie Wasserwerke, zerstört worden. "Einige Seen werden weniger anfällig für GLOF-Auslöser, wenn sie größer werden, aber je mehr Wasser verfügbar ist, desto schlimmer wird die Überschwemmung, wenn es zu einer kommt", warnt Harrison.

Laut der Studie befinden sich die am schnellsten wachsenden Seen in Skandinavien, Island und Russland. Dort hat sich deren Fläche im Untersuchungszeitraum mehr als verdoppelt. Da viele der Seen relativ klein sind, ist der Volumenanstieg auf globaler Ebene jedoch nicht wesentlich.

In anderen Ländern, beispielsweise in Patagonien und Alaska, wuchsen die Gletscherseen langsamer, aber viele der Seen in diesen Regionen sind riesig, was den absoluten Anstieg des Wasservolumens enorm macht.

(lau)

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