Das macht Mut für das Ergebnis der COP26: Zwar konnten sich die Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel in Rom auf keine konkreten Klimaschutzmaßen einigen, dafür warfen sie Münzen in den Trevi-Brunnen.
Das macht Mut für das Ergebnis der COP26: Zwar konnten sich die Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel in Rom auf keine konkreten Klimaschutzmaßen einigen, dafür warfen sie Münzen in den Trevi-Brunnen.Bild: Getty Images Europe / Thomas Lohnes
Meinung

"Gipfel der letzten Hoffnung": Es geht um nichts weniger als alles

02.11.2021, 13:3502.11.2021, 13:47

Die Welt ist erschöpft. Die Corona-Zahlen steigen und der 26. UN-Klimagipfel hat mit einer herben Enttäuschung begonnen: Denn anstatt einen festen Zeitplan für den Ausstieg aus der Kohleverstromung oder den Abbau von Subventionen für fossile Energieträger vorzulegen, haben sich die G20-Staaten auf ihrem Gipfeltreffen in Rom lediglich den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens verpflichtet. Wieder einmal. Doch was nützen leere Worte ohne konkrete Maßnahmen, wenn es um nicht weniger als alles geht?

Der Sprech der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jedenfalls hat sich längst verändert. Statt tagein, tagaus immer wieder nur besonnen die Konsequenzen der Erderwärmung aufzuzählen, sind ihre Aussagen jetzt radikaler, drastischer. "Wir befinden uns in einem Fahrzeug und fahren mit hoher Geschwindigkeit im Nebel auf eine Klippe zu", sagte Professor Nikolas Höhne, Gründer des New Climate Instituts, kürzlich gegenüber watson. Der Bremsweg sei extrem kurz – es gehe nicht mehr darum, elegant zu bremsen. "Es geht nur noch darum, überhaupt irgendwie rechtzeitig zum Stoppen zu kommen."

"Der Konsens ist eigentlich klar: Um die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten, muss deutlich mehr getan werden als bislang."

Die Alarmglocken schrillen – sollte man zumindest meinen. Aber die Staats- und Regierungschefs zeigen sich entspannt wie eh und je. So sollten die 197 Staaten, die 2015 das Pariser-Klimaabkommen unterzeichnet haben, in diesem Jahr erstmals Nachbesserungen zum Erreichen des 1,5 Grad-Ziels einreichen, pünktlich zum Start der COP26. Aber Pustekuchen: Viele Länder hätten laut dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" nur minimale Verbesserungen zugesagt, einige wären gar zurückgerudert – und hätten ihre Ziele gesenkt. Andere hatten erst gar keine Nachbesserungen eingereicht. Wie kann das nur möglich sein? Und wie bitte können sich die Staats- und Regierungschefs dieser Dringlichkeit, dieser Panik entziehen?

Dass der chinesische Präsident Xi Jinping, dessen Land der größte CO2-Emittent der Welt ist, nicht nach Glasgow kommt, trägt nicht gerade zur Besserung bei. Und auch der russische Präsident Wladimir Putin, der brasilianische Staatschef Jair Bolsonaro sowie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatten offenbar Wichtigeres zu tun, als die uns allen gemeinsame Lebensgrundlage zu retten. Die Weltgemeinschaft, das zeigt sich bei diesem Klimagipfel deutlich, tritt längst nicht mehr so geschlossen auf wie noch auf dem Gipfel in Paris 2015.

Dabei ist der Konsens eigentlich klar: Um die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten, muss deutlich mehr getan werden als bislang. Punkt. Und kleiner Tipp am Rande: Die Erde merkt, wer schummelt. Schon jetzt hat sie sich um rund 1,1 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erhitzt, die fatalen Folgen sind längst spürbar: Hitzewellen, Dürren, Waldbrände, Starkregen, Stürme, Überschwemmungen, Corona. Die Liste ließe sich endlos weiterführen.

Auch in Deutschland sind die Klimafolgen längst spürbar, wie hier im Ahrtal nach den Überschwemmungen im Sommer 2021.
Auch in Deutschland sind die Klimafolgen längst spürbar, wie hier im Ahrtal nach den Überschwemmungen im Sommer 2021.Bild: Getty Images Europe / Thomas Lohnes

Dabei sind wir erst bei 1,1 Grad Erderwärmung. Selbst dann, wenn wir das 1,5 Grad-Ziel wie durch ein Wunder doch noch erreichen sollten, werden sich die Folgen noch einmal deutlich verschlimmern. Da hilft es erst einmal wenig, dass das Zwei-Grad-Ziel seit dem G20-Gipfel vom letzten Wochenende formell vom Tisch ist – zumindest solange, bis nicht entsprechende Maßnahmen auf den Weg gebracht wurden. Denn nach Berechnungen der UNO sieht es derzeit eher nach einer Erderwärmung um 2,7 Grad aus.

"'Gipfel der Hoffnung' heißt schließlich auch: Noch ist es nicht zu spät, noch können wir das 1,5 Grad-Ziel erreichen"

Die Klimawissenschaftler jedenfalls verzweifeln an der Politik. Immer mehr erklären das Treffen in Glasgow zum "Gipfel der letzten Hoffnung". Die Zeit zum Handeln ist jetzt. Aber es braucht klare Klimaschutzmaßnahmen, Durchhaltevermögen und eine unendlich hohe Frustrationstoleranz aller Beteiligten. Es ist an der Zeit, Hand in Hand mit den anderen Staaten zu arbeiten. Es ist an der Zeit, dass große Industrienationen wie Deutschland die Verantwortung dafür übernehmen, einen fetten CO2-Fußabdruck hinterlassen zu haben – und dem globalen Süden finanziell unter die Arme greifen.

"Gipfel der Hoffnung" heißt schließlich auch: Noch ist es nicht zu spät, noch können wir das 1,5 Grad-Ziel erreichen. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser "Gipfel der Hoffnung" nicht so schnell dahinschmilzt wie die Permafrostböden in Russland.

Kondome und Tampons in Algen verpackt: Berliner Start-up entwickelt Prototypen

Dass Meeresalgen essbar sind und sogar äußerst schmackhaft sein können, beweist die asiatische Küche, bei welcher die Unterwasserpflanzen als fester Bestandteil des Speiseplans gelten. In Form von Sushi, getrockneten Chips und Suppeneinlage kommt das gesunde Super-Food auch in Europa gern auf den Teller. Wissenschaftler finden gerade heraus, dass Algen jedoch noch viel mehr können als nur lecker zu sein: Sie haben das Potential, Plastik als nachhaltige Variante zu ersetzen (watson berichtete). Diese Entdeckung machen sich bereits einige Unternehmen zu Nutze. So auch das Berliner Start-up Einhorn. Der Kondom- und Periodenartikel-Vertrieb entwickelte kürzlich als Prototyp Verpackungen aus Braunalgen.

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