Nicht nur Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte: Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern hat einen Antrag gestellt, um Fleischgerichte in Kantinen auch weiterhin als Standard beizubehalten.
Nicht nur Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte: Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern hat einen Antrag gestellt, um Fleischgerichte in Kantinen auch weiterhin als Standard beizubehalten.
Nachhaltig leben

CDU-Landesverband fordert Fleischgarantie in Kantinen

18.01.2023, 17:53

"Wer Fleisch essen möchte, muss auch Fleisch essen können", erklärte Thomas Diener, agararpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion im Gespräch mit dem "Nordkurier". Denn aus Sorge um die heimischen Schweine-Produzenten in Mecklenburg-Vorpommern fordert der dortige CDU-Landesverband eine Garantie für Fleischgerichte in Kantinen von Kitas, Schulen und Universitäten.

Regional und ausgewogen soll das dort angebotene Essen sein.

Und auch Fleisch soll weiter angeboten werden.

Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern fordert eine Garantie für Fleischgerichte in Kantinen.
Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern fordert eine Garantie für Fleischgerichte in Kantinen.bild: pexels / lukas

Der Grund: Die Fleisch-Industrie schwächelt. Das weiß Diener, der selbst Landwirt ist, nur zu gut. Gütezeichen, wie das von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) geplante Tierwohllabel für frisches Schweinefleisch würde Landwirt:innen zusätzlich unter Druck setzen. Das Gütezeichen soll eine einheitliche Kennzeichnung über die Haltungsbedingungen der Masttiere gewährleisten.

"Landwirtschaftspolitik wird in der Stadt gemacht, ländliche Regionen müssen das dann ausbaden."
Agrarpolitischer Sprecher der CDU, Thomas Diener

Doch Diener zufolge würde ein solches Siegel lediglich Chaos stiften. "Wir haben ein Grundproblem", erklärte er: "Landwirtschaftspolitik wird in der Stadt gemacht, ländliche Regionen müssen das dann ausbaden."

Weniger Mehrwertsteuer für Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte

Ein Eckpunktepapier der Bundesregierung aus dem Dezember 2022 sieht eine Transformation des Ernährungssystems zur pflanzenbetonten Ernährungsweise vor – unter Berücksichtigung von internationalen und nationalen Klima-, Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitszielen.

Das soll sich auch in einem verminderten Fleischangebot in den Kantinen widerspiegeln.

ILLUSTRATION - Tellerlinsen (obere Reihe, l-r), Erbsen, Kidneybohnen, Weiße Bohnen (untere Reihe, l-r), Kichererbsen und Rote Linsen stehen auf einem Tisch.
Weniger Fleisch, dafür mehr Hülsenfrüchte wie Kichererbsen, Linsen und Bohnen. Bild: dpa / Silas Stein

Gleichzeitig soll die Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte reduziert werden. Mehrkosten für die Kantinen durch den Einkauf von Bio-Lebensmitteln sollen durch einen geringeren Fleischkonsum kompensiert werden.

Doch das will der CDU-Landesverband in Mecklenburg-Vorpommern nicht unterstützen.

Alle in Deutschland produzierten Lebensmittel hätten einen hohen qualitativen Wert und würden den gesetzlichen Vorgaben entsprechen – ob nun konventionell oder ökologisch produziert, argumentiert Diener. Gegenüber watson sagt er:

"Die CDU will, dass die Entscheidungsfreiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher hinsichtlich der Ernährung nicht durch politische oder fiskalische Vorgaben [Steuergestaltung] eingeschränkt wird."

Dabei wird sie das quasi sowieso.

Denn in Deutschland wird auf Lebensmittel, die zum Grundbedarf zählen, sieben Prozent Mehrwertsteuer fällig. Bei Brot, Butter und Milch also zum Beispiel. Doch bei der Milch fängt es schon an – denn auf Soja- und Mandelmilch etwa werden 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Ähnlich suspekt geht es weiter: Äpfel – sieben Prozent, Apfelsaft – 19 Prozent. Bei Luxusprodukten wie beispielsweise frischen Trüffeln und Wachteleiern werden aber ebenfalls nur sieben Prozent Mehrwertsteuer berechnet. Für Periodenprodukte hingegen werden wiederum 19 Prozent fällig.

Die Lage ist undurchsichtig, undurchschaubar.

Ernährung als Lifestyle

"Gleichzeitig soll tierhaltenden Betrieben in Deutschland eine Zukunft ermöglicht werden", sagt CDU-ler Diener. "Hierfür ist es notwendig, dass auch der Absatzmarkt in Deutschland für tierische Produkte auf hohem Niveau erhalten bleibt."

Dazu passe es nicht, dass die Ernährung und das Essen mit "zu vielen Zielen überfrachtet" würden. Er ergänzt:

"Es gab noch Zeiten, da diente das Essen dem Sattwerden, inzwischen ist es gerade in der städtischen Bevölkerung zu einer Art 'Lifestyle' geworden. Essen sollte auch schmecken und auch der Genuss dabei nicht zu kurz kommen, immer ein schlechtes Gewissen zu haben ist wenig dienlich."

Doch das sehen heutzutage viele anders.

Die Ernährung ist Thomas Diener zufolge vor allem in der städtischen Bevölkerung zu einem "Lifestyle" geworden.
Die Ernährung ist Thomas Diener zufolge vor allem in der städtischen Bevölkerung zu einem "Lifestyle" geworden.bild: watson / josephine andreoli

Auch und gerade aufgrund des Klimas. Denn: Laut Forschenden ist die Änderung des Ernährungsverhaltens einer der wichtigsten Hebel, um die Erderwärmung abzumildern und die CO2-Emissionen zügig zu drosseln.

Forschende empfehlen daher allem voran die sogenannte "Planetary Health Diet". Diese sieht vor, den Konsum von Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen in etwa zu verdoppeln und den Verzehr von Fleisch und Zucker hingegen zu halbieren. Würde sich die Mehrheit aller Menschen nach diesem Prinzip ernähren, wäre es machbar, bis zum Jahr 2050 etwa zehn Milliarden Menschen auf der Erde gesund zu ernähren, ohne den Planeten weiter zu zerstören.

Twitter-Reaktionen auf CDU-Antrag

Auf Twitter ließen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Unter dem Tweet des Video-Journalisten Tilo Jung sammelten sich zahlreiche spöttische Reaktionen. Ein User erklärte unter anderem "Darauf erst mal ein veganes Cordon Bleu", ein weiterer twitterte nur "Veggyverbotspartei".

Wetter in Deutschland: Frühling im Anmarsch – aber mit klirrend kalten Nächten

Nach tagelangem Sturm und Dauerregen zeigt sich diese Woche endlich mal wieder die Sonne. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) geht davon aus, dass uns dieses freundliche Wetter mit noch immer kalten Nächten auch die kommenden Tage erhalten bleibt. Grund dafür ist ein sich verstärkender Hochdruckeinfluss.

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