Geschenke, Essen und Deko zu Ostern können eine Menge Müll produzieren – und damit die Umwelt belasten. Aber das geht auch anders.
Geschenke, Essen und Deko zu Ostern können eine Menge Müll produzieren – und damit die Umwelt belasten. Aber das geht auch anders.Bild: dpa Themendienst / Christin Klose
Nachhaltig leben

Eier, Schokolade, Feuer: Tipps für ein nachhaltiges Osterfest

12.04.2022, 16:2412.04.2022, 16:25

Das Osterfest bedeutet für viele vor allem Genuss: ein ausgiebiger Brunch mit der Familie, reichlich Schokolade, Eier aller Arten – und für viele Kinder auch Geschenke. Wer bei all der Feierei auch Ostern die Umwelt schonen will, kann sich hier von unseren Tipps für ein nachhaltiges Fest inspirieren lassen.

Ei, Ei, Ei – das geht auch nachhaltig

Eines darf garantiert nicht fehlen: Die Eier, am liebsten bunt gefärbt. Das Problem dahinter: Gefärbte Eier, die es im Supermarkt zu kaufen gibt, gelten als "eihaltige Lebensmittel" – und für die gilt keine Pflicht zur Haltungskennzeichnung. Das Ergebnis: Die buntgefärbten Eier stammen häufig aus schlechten Haltungssystemen.

Zwar ist die Käfighaltung von Hühnern in Europa verboten, doch die Haltung in Kleingruppenkäfigen bleibt weiter erlaubt. Hier haben die Hennen gerade einmal 0,08 Quadratmeter Platz zur Verfügung – das ist kaum mehr als ein DIN A4-Blatt. In Deutschland werden auf diese Art mehr als 717 Millionen Eier produziert, die oft in verarbeiteten Produkten landen, oder eben gefärbt werden.

"Aber nicht nur im Biobereich gibt es Zweinutzungshühner. Auch aus besonders artgerechter Haltung – wie zum Beispiel von Neuland-Höfen – gibt es Eier von diesen Hühnerrassen."
Christoph Schrammreferent für landwirtschaft beim bund

Frank Waskow, Teamleiter Lebensmittelqualität und Nachhaltigkeit im Bereich Ernährung und Umwelt der Verbraucherzentrale NRW, empfiehlt, auf Nummer sicher zu gehen und Bio-Eier zu kaufen. Mit der Ziffer "0" gekennzeichnete Eier garantieren dabei den meisten Platz und Auslauf für die Tiere. Je höher die Zahl auf dem Ei, umso geringer die Haltungsstandards. "Wenn man stärker darauf achtet, aus welchem Haltungsstandard die Eier kommen, ist das schon gut", sagt Waskow im Gespräch mit watson. Bestenfalls kaufe man dann nur Eier mit der Kennzeichnung "0" oder "1", solche mit der Kennzeichnung "2" und "3" kämen aus der Bodenhaltung und sehr beengtem Auslauf.

Am besten sind Eier von Zweinutzungshühnern, denn bei diesen werden die Bruderhähne nicht nach dem Schlüpfen getötet. Unter dem Zweinutzungshuhn versteht man Hühnerrassen, die sich sowohl zur Eier- als auch zur Fleischerzeugung eignen. Christoph Schramm, Referent für Landwirtschaft beim BUND, empfiehlt, im Bioladen gezielt nach solchen Eiern zu fragen: "Aber nicht nur im Biobereich gibt es Zweinutzungshühner. Auch aus besonders artgerechter Haltung – wie zum Beispiel von Neuland-Höfen – gibt es Eier von diesen Hühnerrassen."

Um umweltschädliche Chemikalien zu umgehen, kann man Eier auch mit Natur- und Pflanzenfarben einfärben.
Um umweltschädliche Chemikalien zu umgehen, kann man Eier auch mit Natur- und Pflanzenfarben einfärben. Bild: CHROMORANGE / Martina Raedlein

Eier selbst färben

Weil die bunten Eier zu Ostern trotzdem nicht fehlen dürfen, kann man sie auch selbst – und dabei ganz natürlich – einfärben. Für eine gelbe bis rot-braune Färbung eignen sich Zwiebelschalen, Kurkuma, Birkenblätter oder Johanniskraut. Gras und Brennnesseln sorgen für eine grüne, Kaffee oder Schwarztee für eine braune und Rotkohl für eine violette Färbung. Die Pflanzenteile müssen für rund 45 Minuten in einem Liter Wasser ausgekocht werden, der Sud muss anschließend gefiltert werden. Ein Schuss Essig verleiht den Farben mehr Kraft. Und nun einfach die Eier für zehn Minuten in den kochenden Sud geben. Wer eine intensivere Färbung will, kann die Eier nach dem Abschrecken noch einmal in die Farbe zurücklegen.

Schoko-Osterhasen mit Fairtrade-Siegel kaufen

Neben den herkömmlichen Eiern dürfen auch die Schokoladen-Hasen und Ostereier nicht fehlen. Auch hier gilt: Ein kurzer Blick auf die Verpackung hilft. "Wenn man fair gehandelte Schokolade kauft, verhindert man damit Kinderarbeit und sorgt dafür, dass die Kakaobauern fair bezahlt werden und sogar Bildungsangebote für sie finanziert werden", sagt Frank Waskow von der Verbraucherzentrale. Wer noch mehr wolle, könne Bio-zertifizierte Schokolade kaufen. Außerdem sollte man versuchen darauf zu achten, Schokolade zu kaufen, die ohne Palmöl auskommt.

Ein Blick auf die Verpackung hilft: Ist in der Schokolade Palmöl enthalten, trägt sie ein Fairtrade-Siegel?
Ein Blick auf die Verpackung hilft: Ist in der Schokolade Palmöl enthalten, trägt sie ein Fairtrade-Siegel? Bild: dpa / Jens Kalaene

Muss es denn immer Fleisch sein?

Traditionell kommt an Ostern bei vielen Fleisch auf den Tisch – nach der zumindest ursprünglich enthaltsamen Fastenzeit. Aber muss es denn immer Fleisch sein? Nicht unbedingt. Auf ihrem veganen Foodblog "Zucker & Jagdwurst" veröffentlichen Julia und Isa jede Menge Rezepte. Auf ihrem Oster-Menü: Pilz-Scallops mit grünem Spargel und Edamame-Wasabi-Püree – das klingt nicht nur gut, sondern macht auch optisch ordentlich was her.

Zutaten

Für die Pilz-Scallops:

  • 200 g Kräuterseitlinge
  • 2 EL Sojasauce
  • 1/2 TL Old Bay Seasoning (optional)
  • 1 TL Zitronensaft
  • 1 TL Reissirup (alternativ Ahornsirup oder Agavendicksaft)
  • Pfeffer
  • vegane Butter zum Anbraten

Für das Edamame-Wasabi-Püree:

  • 250 g Edamame
  • 1/2 TL Wasabi
  • 1 TL helle Misopaste
  • 100 ml pflanzliche Sahne
  • Salz, Pfeffer

Außerdem:

  • 4 Stangen grüner Spargel
  • 3 EL vegane Butter
  • 2 Knoblauchzehen
  • 4 Radieschen
  • 1 Blutorange (oder Orange)
  • Kresse und Dill zum Garnieren
  • Salz

Zubereitung:

  1. Sojasauce, Zitronensaft, Reissirup, Old Bay Seasoning und Pfeffer miteinander verrühren.
  2. Kräuterseitlinge putzen und die Stiele in breite Stücke schneiden. Die restlichen Pilzteile könnt ihr für ein anderes Rezept verwenden. Die Pilzstiele in die Marinade geben, vermengen und ca. 20 Minuten marinieren.
  3. Butter in einer Pfanne schmelzen. Die marinierten Pilzstiele ca. fünf Minuten braten bis sie leicht gebräunt sind. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  4. Einen Liter gesalzenes Wasser zum Kochen bringen und Edamame darin ca. fünf Minuten garen. Anschließend abgießen, aus der Schale fischen und in ein hohes Gefäß geben. Pflanzliche Sahne, Wasabi und Misopaste dazugeben und zu einer cremigen Masse pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Wer das Püree weniger stückig mag, kann noch einen Schuss Sahne dazugeben. Warm halten.
  5. Grünen Spargel in mundgerechte Stücke schneiden. Vegane Butter in einer Pfanne zerlassen und den Spargel darin ca. acht Minuten anbraten, er sollte noch bissfest sein. Mit Salz und Pfeffer würzen.
  6. Fürs Anrichten Radieschen in feine Scheiben schneiden und die Blutorange filetieren. Das Edamame-Püree anrichten und die Pilz-Scallops darauf anrichten. Rundum Radieschenscheiben und Blutorangenfilets verteilen. Mit Dill und Kresse garnieren.

Wer nach weiteren veganen Rezept-Ideen sucht, wird im Oster-Menü sicherlich fündig. Vielleicht eine vegane Eierlikörtorte mit Haselnussboden für den Nachmittagskaffee oder ein veganer Hefezopf mit Nussfüllung?

Familienausflug am Osterwochenende

Wer an den Feiertagen einen Ausflug unternehmen möchte, der sollte statt mit dem Auto lieber mit dem Fahrrad fahren oder einen gemütlichen Osterspaziergang mit der Familie unternehmen, empfiehlt Frank Waskow von der Verbraucherzentrale. Und beim Besuch im Naturschutzgebiet gilt: An die ausgeschilderten Wege halten und keinen Müll hinterlassen.

Wie wäre es mit einem Familienausflug am Osterwochenende?
Wie wäre es mit einem Familienausflug am Osterwochenende? Bild: ANP / Sander Koning

Oster-Dekoration und Geschenkverpackungen

Wie zu Weihnachten soll auch die Deko zum Osterfest stimmen. Bei der Deko gilt: Lieber auf echtes Gras oder Heu statt dem Ostergras aus Plastik setzen. Das sieht nicht nur schöner aus, sondern kann nach dem Fest auch einfach im Biomüll entsorgt oder an die Haustiere verfüttert werden. Auch bei den Osternestern lässt es sich auf Plastik verzichten – hier bieten sich wiederverwendbare Holzkörbchen, oder auch umfunktionierte und bunt verzierte Eierkartons an.

Und auch bei den Geschenken komme es zu "vielen unnötigen – und damit teuer bezahltem Müll", kritisiert Frank Waskow von der Verbraucherzentrale. "Viele der Verpackungen erfüllen ja überhaupt keine Funktion." Stattdessen könne man Geschenke und Schokohasen lieber selbst verpacken – beispielsweise in Blumentöpfen, Jutebeuteln, geflochtenen Körben, gefüllt mit Stroh und Heu, oder alten Zeitungen.

Oster-Deko aus Holz ist um einiges nachhaltiger als solche aus Plastik.
Oster-Deko aus Holz ist um einiges nachhaltiger als solche aus Plastik.Bild: dpa / Hauke-Christian Dittrich

Wie schädlich ist das Osterfeuer?

Beim Osterfeuer handelt es sich um eine sogenannte "Brauchtumsveranstaltung" – das bedeutet, dass dieses nur von bestimmten Initiativen, Vereinen oder Kirchen ausgerichtet werden darf. In den meisten Kommunen, so Waskow, seien private Osterfeuer nicht ohne Genehmigung gestattet und können mit einem Ordnungsgeld in Höhe von bis zu 5000 Euro belegt werden.

"Für die Umwelt lieber ein großes Osterfeuer ausrichten, als viele kleine, damit lassen sich die CO2-Emissionen reduzieren."
Frank Waskowverbraucherzentrale

Dazu kämen dann noch die Schäden für die Umwelt. "Das ist letztlich eine ähnliche Diskussion wie mit dem Silvester-Feuerwerk", sagt Waskow – "es wird eine Menge an Schadstoffen und Feinstaub freigesetzt". Beim Verbrennen von Holz werde allerdings nur so viel CO2 freigesetzt, wie in dem Holz gespeichert gewesen sei. Waskow empfiehlt, lediglich unbehandeltes Holz und keinesfalls Brandbeschleuniger zu nutzen oder seinen Sperrmüll zu verbrennen. Er sagt außerdem: "Für die Umwelt lieber ein großes Osterfeuer ausrichten, als viele kleine, damit lassen sich die CO2-Emissionen reduzieren." Und wen dann noch immer ein schlechtes Gewissen plagt, der könne das durch das Osterfeuer freigesetzte CO2 kompensieren. Als besonders gut herausgestellt hätten sich nach der Stiftung Warentest die Anbieter "Atmosfair", "Klima-Kollekte" und "Primaklima".

Große statt viele kleine Osterfeuer entlasten die Umwelt.
Große statt viele kleine Osterfeuer entlasten die Umwelt. Bild: Zoonar.com/benis arapovic / benis arapovic

Auch Sönke Hofmann, Geschäftsführer des Naturschutzbund Deutschland (Nabu), klärt gegenüber watson auf, wie schädlich das Osterfeuer für die Umwelt ist.

Er sagt:

"Zum einen werden bei Osterfeuern feuchte Zweige mit hohem Rindenanteil verbrannt. Das erhöht die Feinstaubemissionen immens und wäre nach Bundesimmissionsschutzgesetz in einem Ofen gar nicht zulässig. Außerdem wird das im Holz teils über Jahre gespeicherte CO2 innerhalb weniger Stunden freigesetzt. Als Totholz oder Reisig in der Landschaft wäre das CO 2 über Jahre gebunden, mal von der Lebensraumwirkung für viele Tiere ganz abgesehen. Gegen Geselligkeit am Feuer ist nichts zu sagen und das sollte auch nicht verboten werden. Es wäre aber viel gewonnen, wenn die Feuer kleiner und nur aus gut durchgetrocknetem Holz aufgeschichtet würden."

Durch diese kleine Änderung würden die Feuer nicht länger als "Müllkippe" für vermeintlich unnützen Strauchschnitt missbraucht und dieser könnte in der Landschaft und den Gärten bleiben und die Strukturen bereichern. Hofmann betont: "Außerdem siedeln sich nur wenige Tiere in Brennholzstapeln an, während Reisighaufen in der ausgeräumten Landschaft geradezu ein Magnet sind. Denn leider wird oft das vorgeschriebene kurzfristige Umschichten des Osterfeuerhaufens 'vergessen'".

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