Bild

Gerade in Krisenzeiten müssen die Bauern fair bezahlt werden. Bild: Jakub Kaliszewski / Jakub Kaliszewski

"Wir müssten uns eigentlich schämen für so günstige Bananen" – Was Corona mit Fairtrade macht

Beim Einkaufen stoßen wir auf zahlreiche Label und Siegel, die Produkte kennzeichnen – als biologisch, vegan, oder umweltfreundlich zum Beispiel. Eines davon ist das Fairtrade-Siegel. Es ist ein Sozialsiegel, das fairen Handel garantieren soll. Bei der Herstellung von Fairtrade-Produkten sollen also beispielsweise Kleinbauern gut bezahlt worden sein. Transparente Lieferketten und umweltschonende Produktion sind weitere Kriterien.

Die Produktpalette, die mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet ist, ist vielfältig: Kaffee, Bananen, Schokolade, Rosen und viele andere Lebensmittel sind mittlerweile mit dem Siegel versehen. Das hat dazu geführt, dass das Fairtrade-Siegel das bekannteste Nachhaltigkeitssiegel Deutschlands geworden ist: Seine Bekanntheit liegt aktuell bei 90 Prozent.

Wie die Pandemie unser Kaufverhalten veränderte

Doch auch der Fairtrade-Verband ist von den Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht verschont geblieben. In der Jahrespressekonferenz, die am Mittwoch online stattfand, sprachen Dieter Overath, geschäftsführender Vorstandsvorsitzender der Initiative TransFair e.V. und Nyagoy Nyong’o, CEO bei Fairtrade International e.V., darüber, was sich im letzten Jahr bei Fairtrade verändert hat. Und sie erläuterten, was aus ihrer Sicht jetzt getan werden muss, damit Billigprodukte, die faire Bezahlung ihnen zufolge unmöglich machen, aus unseren Regalen verschwinden.

Da Schulen, Kindergärten und Kitas lange geschlossen waren und somit auch die Mensen und Kantinen nicht aktiv waren, gab es in diesem Bereich erhebliche Rückgänge, meint Overath. Auch im Textilbereich wurde durch die monatelangen Ladenschließungen 30 Prozent weniger eingenommen. Der Fairtrade-Jahres- und Wirkungsbericht mit allen weiteren Statistiken und Zahlen ist online verfügbar.

Positive Tendenzen seien trotzdem zu erkennen, sagt Overath. Er hebt unter anderem hervor, dass mittlerweile jede dritte Rose in Deutschland mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet sei. Außerdem seien über 60 Prozent der Fairtrade-Lebensmittel auch Bio. Das sei vor allem deshalb gut, weil viele Menschen hohe Ansprüche an ihre Produkte stellten und sich wünschten, dass sie sowohl biologisch als auch fair gehandelt sind. Besonders durch die Pandemie legen laut Overath viele junge Menschen mehr Wert auf Nachhaltigkeit – das sehe man auch an ihrem Kaufverhalten.

"Wir müssten uns eigentlich schämen für so günstige Bananen"

Gleichzeitig besteht bei vielen Kunden der Wunsch nach immer günstigeren Produkten. Overath sieht das kritisch. Wenn ein Kilo Bananen unter einen Euro kostet, dann sei es offensichtlich, dass die Bauern, die die Bananen geerntet haben, nicht ausreichend bezahlt wurden. "Wir müssten uns eigentlich schämen für so günstige Bananen", sagt Overath. Für ihn steht fest: "Billigpreise erzeugen Armut."

Anstatt nur von einer faireren Zukunft zu träumen, fordert Overath sowohl Unterstützung der Politik – die die Entstehung solcher Billigpreise aus seiner Sicht verhindern soll – als auch ein Umdenken im Kaufverhalten der Menschen. Wer sich nachhaltig ernähren wolle und auf faire Handels- und Arbeitsbedingungen Wert lege, solle auch entsprechend einkaufen, damit Kinderarbeit und Ausbeutung der Bauern nicht mehr Teil des Wocheneinkaufs seien. Overath ist überzeugt: "Ausbeutung ist ein Auslaufmodell." Doch dafür müsse global mehr Verantwortung übernommen werden.

Auch Nyagoy Nyong’o sendet einen Appell an die Menschen weltweit, sich auch während der Corona-Krise für faire Löhne und Arbeitsbedingungen einzusetzen. Gerade im Moment der Krise sei es unerlässlich, Bauern zu unterstützen. In West-Afrika, wo ein medizinischer Mundschutz 50 Cent kostet, man für das gleiche Geld aber auch Lebensmittel kaufen könne, dürfe es nicht passieren, dass sich Menschen zwischen dem Schutz vor dem Coronavirus und der Ernährung der eigenen Familie entscheiden müssten. Nyong’o fragt deshalb: "What is trade without fairness?" Und er ruft auf zum verantwortungsvollen Einkaufen.

(sb)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Nach Plastiktüten: Auch diese Umweltsünde wird aus Supermärkten verbannt

Wer Hackfleisch im Supermarkt kauft, bekommt meistens eine Box mit Deckel und Schutzunterlage – das ist ganz schön viel Plastik für so wenig Fleisch. Einige Supermärkte haben jetzt entschieden, den Plastikmüll zu reduzieren: Bei Aldi Süd und Nord, Lidl und Rewe wird jetzt auf die Plastiktüte umgestellt, das sogenannte "Flowpack".

Neu ist diese Idee nicht: Den ersten Plastikbeutel als Fleischverpackung bei Rewe, berichtet das Onlinemagazin "Chip". Aldi Süd führte das Flowpack danach im Februar …

Artikel lesen
Link zum Artikel