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 Frau mit Mundschutzmaske, wartet auf Zug, Corona-Krise, Hauptbahnhof, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland Coronavirus *** Woman with face mask, waiting for train, corona crisis, main station, Stuttgart, Baden Württemberg, Germany Coronavirus

Die Deutsche Bahn bietet nun ICE-Tickets für unter zehn Euro für junge Menschen unter 26 Jahren an. Das gefällt der Konkurrenz überhaupt nicht. Bild: www.imago-images.de / Michael Weber IMAGEPOWER

Nachhaltig

Bahn macht Tickets für junge Menschen billiger – und zieht Zorn auf sich

Die Deutsche Bahn startet eine neue Offensive mit Billigtickets, diesmal speziell für junge Menschen – und erntet damit viel Widerspruch von Fernbus-Unternehmen.

Ab Dienstag können junge Erwachsene bis einschließlich 26 Jahren ab 12,90 Euro im Fernverkehr reisen, berichtet die "Bild am Sonntag". Ein Sprecher der Deutschen Bahn bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass diese vergünstigten Tickets bis einschließlich 1. November gebucht werden können. Reisen seien dann bis Ende April 2021 möglich. Laut "Bild am Sonntag" gibt es eine Million der "Super Sparpreis Young"-Tickets. Mit einer "My BahnCard 25" kosten sie ab 9,70 Euro. Mit dem Angebot will die Bahn demnach gezielt junge Kunden von Fernbus-Anbietern weglocken.

Bei den Anbietern von Fernbuslinien sorgt das Angebot für heftige Kritik. „Solche Preise sind Wettbewerbsverzerrung“, sagte Christian Höber, Gründer und Chef des Kölner Fernbus-Anbieters Pinkbus, der "Rheinischen Post". Höber vermutet demnach sogar Dumping-Preise.

"Dreister Missbrauch der Staatshilfen"

Der Anbieter Flixmobility, der sowohl die Flixbus-Fernlinien betreibt als auch Zugverbindungen unter der Marke Flixtrain, beklagt gegenüber watson, dass die Bahn (die sich zu 100 Prozent im Eigentum des Staates befindet) solche Angebote nur mit Unterstützung von Steuergeld macht: "Bei den aktuell günstigen Preisangeboten der Deutschen Bahn handelt es sich letztlich um Wettbewerbsverzerrung, die missbräuchlich mit Steuergeldern subventioniert wird."

FlixMobility-Gründer und CEO André Schwämmlein habe bereits zwei Briefe an die Europäische Kommission gesendet, in denen er darauf hinweist, dass Milliardenhilfen für die Deutsche Bahn nur dann genehmigt werden dürfen, wenn entsprechende Auflagen im Sinne des Wettbewerbs und der Fahrgäste verhängt werden würden. "Dazu zählt besonders, dass private Anbieter wie FlixTrain einen fairen Trassenzugang und -preis erhalten und auf bahn.de sicht- und buchbar sind."

Außerdem äußert sich eine Sprecherin des Unternehmens wie folgt:

"Es entsteht der Eindruck, dass die Corona-Beihilfen nicht nur zur Kompensation von Corona-bedingten Mindereinnahmen Verwendung finden, sondern, dass die Deutsche Bahn Corona als Vorwand missbraucht, um gezielt und mit massiven Hilfsgeldern den Wettbewerb zu verzerren. Bereits unter dem Vorwand des Klimaschutzes erhielt die Deutsche Bahn riesige Staatshilfen, mit denen sie in erster Linie versucht, Kunden aus den noch wesentlich klimafreundlicheren Fernbussen abzuwerben – statt Fahrgäste aus den Autos zu gewinnen. Wir hoffen und setzen darauf, dass die Europäische Kommission in diesen zunehmend dreisteren Missbrauch der Staatshilfen ausgleichend eingreift."

Flixmobility wehrt sich gegen Ungleichbehandlung

Flixmobility sieht schon seit Längerem eine Ungleichbehandlung gegenüber der Bahn. So wurde im vergangenen Jahr die Senkung der Mehrwertsteuer auf Zugtickets von 19 auf sieben Prozent beschlossen, während die für Fernbusse nicht gesenkt wird.

Gegenüber watson heißt es von Flixmobility weiter: "Sowohl FlixBus als auch FlixTrain bieten dauerhaft günstige Preise für alle Fahrgäste an, nicht nur für einzelne Zielgruppen. Wir sind davon überzeugt, dass Wettbewerb entscheidend ist, um Kunden das beste Angebot zu bieten. Um so viele Fahrgäste wie möglich auf die Schiene zu bekommen und so Individualverkehr zu reduzieren, bedarf es einer nachhaltigen Vielfalt an attraktiven Angeboten – nicht die vorübergehende Subventionierung einzelner Ticketkontingente."

(se/pcl/lw/mit Material der dpa)

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