Noch besser als Eis, ist Eis plus Cookies – und das in vegan und nachhaltig.
Noch besser als Eis, ist Eis plus Cookies – und das in vegan und nachhaltig. bild: vellgoods
Nachhaltig

Von Cashew-Vanille-Eis und fairen Löhnen: Die Nasch-Werkstatt VellGoods sorgt für nachhaltige Transparenz

18.10.2021, 11:3420.10.2021, 14:01

Wer die kleine Eismanufaktur in der Eckertstraße in Berlin-Friedrichshain betritt, dem schlägt schon beim Türenöffnen der Duft von frischgebackenen Keksen in die Nase. Die Naschwerkstatt VellGoods, die im Juli eröffnet hat, ist die erste gläserne Produktionsstätte, in der die Gäste die hauseigene Eis- und Keksherstellung durch große Glasscheiben live mitverfolgen können. Topping des Desserts ist das gute Gewissen - denn bei VellGoods sind alle Produkte vegan und nachhaltig.

Die gläserne Eismanufaktur von Vellgoods. Beobachten erlaubt!
Die gläserne Eismanufaktur von Vellgoods. Beobachten erlaubt!bild: vellgoods

Vor einem Jahr hagelte es schlechte Nachrichten - die Covid-19-Pandemie hielt die Welt in Atem. Ruben Vellguths aus Berlin entschied sich in dieser Zeit, ein Lebensmittel-Unternehmen zu gründen. Den trüben Lockdown-Tagen hauchte er neues Leben ein - es roch nach Babka, Zimt und Schokolade. Mit seiner Eismanufaktur will er mehr Transparenz in die Lebensmittelproduktion bringen und seinen Kunden zeigen, wie er aus nachhaltigen Rohmaterialien süße Köstlichkeiten wie Cookie-Eis-Sandwiches, Brownies oder Cashew-Vanille-Eis zaubert.

Im Interview mit watson erzählt Ruben Vellguth, wie sein Nachhaltigkeitskonzept aussieht, warum er heute kein nicht-nachhaltiges Business mehr führen könnte und dass Eis so schmecken sollte, wie in Kindheitstagen.

Er sagt:

"Eis sollte schmecken, wie als man fünf Jahre alt war und nicht genug davon bekommen konnte."

watson: Du bist Gründer des Unternehmens VellGoods. Unter diesem Namen hast du am ersten Juli dieses Jahres die erste gläserne und vegane Eis- und Naschwerkstatt in Berlin eröffnet. Bis zum eigenen Eisladen hat es etwas gedauert, denn du kommst eigentlich aus einem ganz anderen Bereich, oder?

Ruben Vellguth: Das stimmt. Eigentlich bin ich studierter Wirtschaftsingenieur. Letztes Jahr habe ich VellGoods gegründet. Davor hatte ich ein IT-Unternehmen, mit dem ich vier Jahre lang Startups geholfen habe, deren IT zu managen.

Du bist also von der IT zur Gastronomie gewechselt. Ein nicht ganz gewöhnlicher Weg.

Ich habe schließlich festgestellt, dass meine Passion Lebensmittel sind. Das wusste ich eigentlich schon, als ich ganz klein war. Seitdem habe ich bei meiner Oma viel gekocht und gelernt, mich mit Geschmack auseinanderzusetzen – vor allem auch mit Genuss. Ende 2018 habe ich mich dann dazu entschlossen, aus der IT auszusteigen und stattdessen im Lebensmittelbereich anzufangen.

Wie ging es dann für dich weiter?

Ich habe mich erst einmal ein bisschen umgeschaut und herum probiert. Von Hummus-Tastings, über einen Barista-Job bis hin zum Bäckergehilfen war einiges dabei. Und nach der Schnupper-Phase habe ich den Startpunkt zum Gründen gefunden. Dann habe ich relativ schnell losgelegt und Stück für Stück Vellgoods aufgebaut.

Was genau ist VellGoods?

VellGoods ist ein nostalgischer Eiscreme-Hersteller, wo wir versuchen das cremigste, leckerste Eis herzustellen. In Gedanken an alte Kindheitstage. Und nebenbei ist das Eis auch noch nachhaltig in der Produktion und pflanzlich. Das heißt zum Beispiel, dass wir komplett ohne Soja und Palmöl auskommen. Stattdessen ist die Basis für unser Eis die hauseigene Cashewmilch. Zudem haben wir eine Nachhaltigkeitsphilosophie, die vom Landwirt bis zum Endprodukt reicht. Aktuell sind wir dabei von Sommer auf Winter zu wechseln, das heißt, wir werden vermehrt unsere Brownies, Carrot Cake, Cookies und nach und nach auch Tartes oder Pies anbieten. In Richtung Weihnachten werden wir dann auch mehr zu einer Weihnachtsbäckerei.

Das Geschäft in Berlin.
Das Geschäft in Berlin.bild: ceecee

Habt ihr auch vor, herzhafte Sachen anzubieten oder soll es ausschließlich eine Naschwerkstatt sein?

Es soll ausschließlich eine süße Naschstätte sein.

Zwischen eurem Verkaufsraum und dem Produktionsbereich gibt es lediglich eine Glaswand. Ist es Teil eurer Unternehmensphilosophie, möglichst transparent zu sein?

Genau, wir scheuen uns nicht davor, unsere Rohmaterialien zu zeigen und den Leuten auch zu offenbaren, wie wir alles herstellen. Das ist uns sehr wichtig, auch in der internen Kommunikation. Es geht uns darum, immer ehrlich und transparent zu sein. Gerade in der heutigen Zeit.

"Da wir mit den besten Rohmaterialen umgehen, scheuen wir uns auch nicht davor, den Leuten diese während der Eis-Produktion zu zeigen."

Wie funktioniert das im Einkauf und in der Herstellung?

Es ist relevant, die Zutaten so regional und lokal wie möglich und in der höchsten Qualität einzukaufen. Deshalb brauchen wir uns nicht zu verstecken und zeigen alles, was in der Produktion passiert. Vor allem beim Eis. Die Herstellung von Eis war für mich immer eine Black Box. Diese Box machen wir jetzt auf und zeigen, wie der Prozess bei der Eisherstellung funktioniert. Das erklären wir auch in Workshops oder bei Kindergeburtstagen.

Du hast erzählt, dass du dein Unternehmen einfach mal so gegründet hast. Aber da gehört ja schon ein bisschen mehr dazu - vor allem, weil du die Firma während Corona gegründet hast. Wie ging es denn konkret los?

Ich hatte einen kleinen Underground-Pastry-Online-Shop und habe angefangen Babka, Zimtschnecken und auch Cookies zu verkaufen, um zu testen, wie das eigentlich funktioniert, wenn man ein Food-Business hat. Welche Probleme treten auf, wie ist die Nachfrage, ohne großartig Kosten zu haben? Wie fühle ich mich damit? Gerade in Corona-Zeiten funktioniert so ein Delivery-Business auf jeden Fall sehr gut.

Hätte es nicht auch bei dem Online-Shop bleiben können?

Für mich stand die Entscheidung, einen physischen Standort haben zu wollen, weil ich gerne Leute zusammenbringe und ein warmes Gefühl erzeugen möchte. Außerdem lässt sich vor Ort und im realen Kontakt der nachhaltige Aspekt noch besser vermitteln.

Da fallen soziale und ökologische Nachhaltigkeit zusammen. Wie genau setzt du Nachhaltigkeit denn um?

Wir haben tatsächlich intern ein Nachhaltigkeitskonzept. Bei Nachhaltigkeit möchten wir alle drei Bereiche abdecken, also nicht nur das ökologische, sondern auch das ökonomische und soziale. Das bedeutet für uns, dass wir alles in Bio-Qualität einkaufen.

"Eis-Herstellung war für mich immer eine Black-Box. Die machen wir jetzt auf und zeigen, was dahinter steckt."

Wie kann das aussehen?

Ein großer Teil unserer Rohmaterialen kommt von einer österreichischen Familienfirma, die direkt mit den Landwirten zusammenarbeitet und darauf achtet, dass faire Löhne gezahlt werden. Deshalb sind unsere Rohmaterialien auch teurer. Das investieren wir aber gerne, weil der Geschmack des Endproduktes deutlich davon profitiert. Außerdem investieren wir sehr viel Geld in unser Equipment. Wir wollen Produkte nutzen, die wir nur einmal kaufen müssen und die lange halten. Damit wollen wir die Abfallkultur unterbinden.

Wie kann ökonomisch nachhaltig gehandelt werden? Ein schwieriger Begriff, da Ökonomie im klassischen Sinne immer auch Wachstum bedeutet und eigentlich nicht nachhaltig ist.

Es kann ja auch ein positives Wachstum sein, indem dabei nur gute Dinge passieren. Beim Ökonomischen muss man als Unternehmer darauf achten, dass das, was man macht, auch funktioniert. Außerdem möchte ich, dass die Mitarbeitenden überdurchschnittlich hohe Löhne bekommen und damit genug Geld verdienen.

Ein Ausblick auf die Winter-und Weihnachtsbäckerei: Nachhaltiger Schokoladen-Lieferant ist Choba-Choba.
Ein Ausblick auf die Winter-und Weihnachtsbäckerei: Nachhaltiger Schokoladen-Lieferant ist Choba-Choba. bild: vellgoods

Das Vorurteil "Nachhaltigkeit ist teurer" hält sich hartnäckig und hält Unternehmen davon ab, umweltbewusster einzukaufen und zu produzieren. Bestätigt sich die These des hohen Kostenpunkts bei euch?

Natürlich gibt man in der Anschaffung mehr Geld aus. Aber es wirkt sich einfach auf die Produkte aus. Unser Eis ist sehr cremig und unsere Kunden geben uns fast alle das Feedback, dass es viel Geschmack hat. In unser Erdbeereis machen wir zum Beispiel 40 Prozent Erdbeeren. Das macht heute kaum noch jemand. Und es macht einfach viel mehr Spaß mit guten Lebensmitteln und Geräten umzugehen. Ich glaube, ich könnte gar kein Business mehr machen, das nicht darauf achtet. Es war schon immer wichtig, auf die Umwelt zu achten, aber jetzt ist es brenzlig!

"Ich könnte gar kein Business mehr machen, das nicht nachhaltig handelt. Es ist schon immer wichtig auf die Umwelt zu achten, aber jetzt ist es brenzlig!"

Ihr geht jetzt auf die Wintersaison zu. Wie sieht euer Sortiment aus? Werdet ihr trotzdem noch Eis anbieten?

Ja! Wir werden ganzjährig Eis anbieten. Im Winter werden die Sorten sich zu samtigeren Sorten verändern, also „Salted Caramel“ oder sehr weihnachtliche Geschmäcker. Wir haben ja schon unsere Fugde-Brownies, die Chocolate Chip Cookies und unsere Peanutbutter-Cookies. Neu entwickelt haben wir jetzt einen Carrot Cake, der nach Belieben mit Frosting oder Eis angeboten wird. Damit bauen wir unser Gebäcksortiment aus.

Gibt es weitere Entwicklungen in Richtung Winter?

Zum Winter hin werden wir dann eine DIY-Station für die perfekte heiße Schokolade anbieten und es wird einen Ausbau an Pantry geben, damit man sich mit dem guten Genuss auch zuhause auf die Couch kuscheln kann. Hier verkaufen wir neben Eis und Gebäck auch Nuss-Cremes und unsere Rohprodukte, wie Nüsse oder Mehl.

Kann man bei der Auswahl der Produktions- und Lieferketten bis zu den Landwirten von einer entwickelten "Nachhaltigkeits-Community" sprechen?

Ja, das würde ich schon sagen. Es war auch ein Riesenspaß, sich in der Gründungsanfangszeit die Zulieferer und Partnerinnen und Partner herauszusuchen. Dann darfst du dich erstmal durch viele tolle Produkte testen. Man lernt so viele Leute kennen, die sich genauso wie man selbst für Lebensmittel begeistern. Das war für mich eine ganz neue Erfahrung. Wir haben insgesamt nur wenige Lieferanten, um die Logistik einfach und damit nachhaltig zu halten und die Qualität der Lebensmittel und Produkte zu sichern.

"Man muss wissen, was die eigene Passion ist. Wenn man das herausgefunden hat, kann meiner Meinung nach jede Person gründen und es schaffen, eine gute Sache hochzuziehen."

Hat dich zwischenzeitig mal der Mut verlassen? Hast du zu irgendeinem Zeitpunkt gedacht: "Das war eine blöde Idee?"

Das ist eine sehr gute Frage. Ich denke jeder Person, die gründet, geht es zu irgendeinem Zeitpunkt so. Aber das ist ganz normal. Wirklich helfen tut der Kontakt mit anderen, sich darüber auszutauschen. Dann muss man es tatsächlich einfach durchstehen. Dieser Stress bleibt nicht konstant. Und man kann sich immer wieder darauf besinnen, dass es Spaß macht, sich das Durchhalten lohnt und es auch Genuss bedeutet, so lange intensiv an etwas zu arbeiten.

Wie grün sind die Adventskalender von Pamela Reif, Koro und Foodist?

Advent, Advent, die Erde brennt – und das leider nicht nur metaphorisch gesprochen. Zahlreiche Brände in Europa und weltweit haben uns dieses Jahr gezeigt, dass die Auswirkungen der Klimakrise keine Horror-Zukunftsmusik mehr sind. Stattdessen stecken wir längst mittendrin. Zwar müssen vor allem die großen Klimakiller in die Pflicht genommen werden, aber auch wir können durch unser Konsumverhalten Unternehmen zum Umdenken bewegen. Besonders in der Hauptkonsumzeit kurz vor Weihnachten lohnt es sich deshalb, zu den grünen Alternativen der klassischen Schoko-Adventskalender zu greifen.

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