ARCHIV - 26.04.2018, Mecklenburg-Vorpommern, Born: Junge F

Junge Färsen stehen in einem Stall eines Biobetriebs. Bild: ZB / Jens Büttner

Aldi will bis 2030 Billigfleisch aus den Regalen entfernen

Aldi will bis 2030 komplett auf den Verkauf von Fleisch aus den höchsten sogenannten Haltungsformen drei und vier umsteigen. "Der Kunde ist bereit", erklärten die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd am Freitag. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sprach von einem "Meilenstein" für die gesamte Branche – der Deutsche Bauernverband forderte, Tierwohl müsse angemessen honoriert werden.

Einem mehrjährigen Stufenplan zufolge peilen die beiden Aldi-Konzerne in diesem Jahr beim Frischfleischverkauf zunächst einen Umsatzanteil von 15 Prozent von Ware aus den Haltungsformen drei und vier an. Bis 2026 soll er auf 33 Prozent steigen. Bereits bis 2025 will Aldi aus dem Verkauf von Fleisch der niedrigsten Stufe eins aussteigen.

Bis 2030 soll die Umstellung komplett abgeschlossen sein. Zur Begründung verwiesen die beiden Unternehmen aus Essen und Mülheim an der Ruhr auf steigenden Umsätze mit nachhaltig erzeugter Ware und einen Bewusstseinswandel bei den Kunden. Ausgenommen bleiben sollen internationale Spezialitäten und der Bereich Tiefkühlware. Die Unternehmen selbst sprachen von einem "nie dagewesenen Schritt" und einem "großen Versprechen".

Die höchste Fleisch-Stufe entspricht nicht dem Biofleisch

Die Einteilung in insgesamt vier Haltungsformen ist eine von der Lebensmittelwirtschaft selbst entwickelte Klassifizierung für Frischfleisch, die von großen Supermarktketten verwendet wird. Sie macht Vorgaben für die Art der Haltung von Nutztieren, vor allem den Mindestplatzanspruch in Ställen und Fragen des Zugangs zu Auslauf und Freilandflächen. Dazu kommen noch Vorgaben etwa zur Fütterung, zu Beschäftigungsmaterial für die Tiere und zur Gesundheitsüberwachung.

Stufe eins entspricht dabei der Stallhaltung gemäß gesetzlicher oder branchentypischer Vorgaben, Stufe vier garantiert den Tieren unter anderem mindestens die doppelte Mindestfläche und ständigen Zugang zu Freigeländen. Futter muss ab Stufe drei gentechnikfrei sein. Laut Verbraucherschützern wäre Biofleisch in die vierte Stufe einzuordnen, die Klassifizierung ist aber kein Biosiegel. Das Fleisch kann auch konventionell erzeugt sein. Demnach handelt es sich zudem nicht um ein umfassendes ganzheitliches Tierwohllabel.

Die Grünen begrüßen die Entscheidung

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace lobte die Entscheidung von Aldi als "Volltreffer" und "ambitionierten Plan". Er zeige der gesamten Branche den Weg auf. Andere Ketten müssten nachziehen, aufgrund des klar kommunizierten Stufenplans erhielten auch die Landwirte und Landwirtinnen die notwendige Planungssicherheit für eine allmähliche Umstellung. Zugleich lege Aldis Offensive die "Versäumnisse der Politik" offen. Haltungsformen drei und vier müssten endlich schnell zum gesetzlichen Standard gemacht werden.

Auch die Grünen-Politikerin Renate Künast wertete die Ankündigung als Beleg für die Tatenlosigkeit von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und die Agrarpolitik der Union. Diese würden erneut vom Lebensmittelhandel "überholt", erklärte die frühere Bundesumweltministerin. CDU und CSU verweigerten sich dabei der Realität, statt gemeinsam mit den Landwirten neue Perspektiven zu erarbeiten. Aldis Plan sei "ein mehr als deutlicher Fingerzeit".

Auch Fleischerzeugnisse sollten miteinbezogen werden

Der Deutsche Bauernverband forderte, den Worten müssten nun auch Taten folgen. "Die Haltungsstufen drei und vier sind aktuell eine absolute Marktnische", erklärte Verbandspräsident Joachim Rukwied. "Wenn das Angebot in diesem Segment weiterentwickelt werden soll, sind in der Tierhaltung massive Investitionen und vor allem langfristige und verlässliche Liefervereinbarungen erforderlich."

Aber offensichtlich sei der Lebensmitteleinzelhandel nun bereit, "auch im Einkauf erhebliche Summen aufzuwenden, um mehr Tierwohl angemessen zu honorieren". Daran habe es bisher häufig gefehlt, wie der Preisdruck der zurückliegenden Wochen ein weiteres Mal bewiesen habe. Glaubwürdig werde die Ankündigung nur, wenn auch Verarbeitungsware und Fleischerzeugnisse mit einbezogen würden.

(lfr/afp)

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