Nachhaltigkeit
Nordwesten, Küste Es Colomer, Felsen, Mallorca, Balearen, Spanien, | Verwendung weltweit

Die Natur in Mallorca profitiert sichtlich von der Corona-Krise. Doch hält der Effekt auch an? Bild: picture alliance / Jochen Tack

Corona-Zwangspause: Mallorcas Natur blüht ohne Menschenmassen auf

Neben den vielen dramatischen Auswirkungen der Corona-Pandemie hinterlässt die Krise zumindest in der Natur positive Spuren – so auch auf Mallorca. Wo sich sonst im Mai schon Urlauber an den Stränden tummeln und zahlreiche Autos quer über die Insel kurven, herrscht seit Wochen gähnende Leere. Das hat erfreuliche Auswirkungen unter anderem auf das Meer und die Luftqualität. So ist das Wasser rund um die Balearen vielerorts so kristallklar wie selten zuvor.

Meer und Luft erholen sich ohne Tourismus

"Das Meer ist derzeit spektakulär transparent", sagte auch der wissenschaftliche Leiter der Meeressäugerstiftung Tursiops, Txema Brotons, nach einer einwöchigen Segel-Expedition in der Region. "Durch das Ausbleiben der Touristen gelangen viel weniger organische Substanzen ins Meer, sei es durch Abwässer oder direkt durch Essenreste und ungeklärte Fäkalien von den Jachten."

Mandelblüte auf Mallorca, von Januar bis in den März hinein blühen auf der Balearen Insel viele Hunderttausend Mandelbäume, bei Son Maxella, Mallorca, Spanien, | Verwendung weltweit

Es ist deutlich weniger Müll auf der Insel. Das merkt man der Natur an. bild: picture alliance / Jochen Tack

Auch die Luftverschmutzung war bereits in den ersten zwei Wochen der Mitte März verhängten Ausgehsperre und des damit verbundenen Verkehrsrückgangs im Vergleich zu den Vorwochen um 60 Prozent zurückgegangen. Die Touristenflaute hat zudem zu einer spürbaren Reduzierung des Abfall-Aufkommens geführt. In den ersten beiden Aprilwochen ging die Menge des auf Mallorca generierten Restmülls um 39 Prozent zurück. Das sind rund 8600 Tonnen.

Der Fischerort Cala Figuera,  an der Südostküste, Mallorca, Spanien, | Verwendung weltweit

Das Wasser der Insel schimmert besonders vielfältig. Bild: picture alliance / Jochen Tack

Dass sich die Natur innerhalb von Wochen aber tatsächlich nachhaltig erholen kann, glaubt Brotons nicht. Der Nutzen der Virus-Zwangspause für die Natur werde wahrscheinlich nur vorübergehend sein - denn wenn die Massen nach Mallorca zurückkehren, hat das Idyll wohl ein Ende. Es sei denn, die Menschen hätten durch die Krise etwas gelernt und würden der Natur in Zukunft mit mehr Respekt begegnen. "Ehrlich gesagt habe ich da aber so meine Zweifel", so Brotons.

(vdv/dpa)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Interview

Expertin warnt vor selbem Fehler wie 2008 und fordert: Lufthansa-Hilfe nur unter Bedingung

Umweltökonomin Claudia Kemfert fordert, Finanzhilfen für Fluggesellschaften an Bedingungen zu koppeln. Sonst drohe eine Wiederholung der Fehler aus der Finanzkrise 2008, als Rettungsgelder wahllos ausgeschüttet worden seien, ohne auf Klimaverträglichkeit zu achten. Für die Zeit nach Corona möchte sie einen nachhaltigen Wiederaufbau der Wirtschaft.

Die ganze Welt befindet sich dank Corona-Pandemie im künstlichen Koma. Flugzeuge bleiben am Boden und die Wirtschaft ist in großen Teilen zum Erliegen gekommen. Einen Vorteil hat die aktuelle Situation jedoch: Die CO2-Bilanz profitiert. Experten rechnen mit bis zu 100 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid, alleine für Deutschland. Aber wird die Krise auch nachhaltig für ein Umdenken in Sachen Klimaschutz sorgen?

Claudia Kemfert beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit der Frage, wie man …

Artikel lesen
Link zum Artikel