Nachhaltigkeit
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Krabbenkutter im Fischerhafenhafen von Greetsiel (Ostfriesland). Bild: dpa

Rekord-Rückgang bei CO2-Emissionen – Wissenschaftler mahnt: "Kein Grund zum Jubeln"

Die Corona-Krise führt in diesem Jahr zu einem einzigartigen Rückgang des weltweiten Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen. Die Nachfrage nach Energie werde global um sechs Prozent fallen, ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Internationalen Energie-Agentur (IEA) in Paris. Das entspricht dem gesamten Energieverbrauch Indiens, dem weltweit drittgrößten Energieverbraucher. Die Covid-19-Pandemie bedeute für das globale Energiesystem den größten Schock seit mehr als sieben Jahrzehnten, schreibt die Energie-Agentur.

Großer Rückgang in Europa und USA

Den stärksten Rückgang der Energienachfrage verzeichnen die entwickelten Länder, zum Beispiel die USA mit neun Prozent und die EU mit elf Prozent. Dabei hat die IEA die realen Daten von 100 Tagen dieses Jahres analysiert und hochgerechnet. Im Einzelnen werde die Entwicklung vom Verlauf der Pandemie und der Mittel abhängen, die dagegen ergriffen werden. Die Stromnachfrage werde weltweit um fünf Prozent zurückgehen; das wäre der größte Rückgang seit der Depression 1930. Rund 40 Prozent des Stroms würden aus CO2-armen Quellen stammen, wozu die IEA auch Kernenergie zählt.

Mit dem Rückgang des Energieverbrauchs ist nach der Analyse der IEA auch eine sinkende Nachfrage nach Kohle um acht Prozent verbunden. Entsprechend gehen die vom Energiesektor verursachten CO2-Emissionen um ebenfalls acht Prozent zurück und erreichen ihr niedrigstes Level seit 2010. Der Rückgang wäre sechsmal so hoch wie in der Finanzkrise 2009, als die CO2-Emissionen um 400 Millionen Tonnen vermindert wurden.

"Der historische Rückgang in den globalen Emissionen ist absolut kein Grund zum Jubeln."

IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol

"Er resultiert aus vorzeitigen Todesfällen und einem wirtschaftlichen Trauma rund um die Welt", so der Wirtschaftswissenschaftler. Nach den Erfahrungen der Finanzkrise werde es einen scharfen Rückschlag bei den CO2-Emissionen geben, wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen wieder verbessern. Die Regierungen könnten daraus lernen, beim Wiederaufbau ihrer Wirtschaft auf saubere Energieträger zu setzen.

Bereits am Vortag hatte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover darauf hingewiesen, dass noch nicht absehbar sei, ob die aktuelle Entwicklung den Trend eines weltweit wachsenden Energiebedarfs brechen werden. Die weltweit wachsende Bevölkerung und die Erhöhung des allgemeinen Lebensstandards würden trotz höherer Energieeffizienz voraussichtlich auch langfristig einen steigenden Energiebedarf zur Folge haben.

(lin/dpa)

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