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Urlaub: Diese beliebten Reiseziele werden bald komplett verschwinden

ARCHIV - Zum Themendienst-Bericht von Bernhard Krieger vom 24. Oktober 2022: T
Über zwei Millionen Wander-Fans besuchen jährlich den Glacier National Park im US-Bundesstaat Montana. Bild: dpa-tmn / Bernhard Krieger
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Urlaub: 6 beliebte Reiseziele, die wegen der Klimakrise bald verschwinden

12.05.2024, 16:13
Mehr «Nachhaltigkeit»

"Und wo geht es hin?" – jedes Jahr aufs Neue sehen sich viele Deutsche mit dieser Frage konfrontiert. Während ein Großteil den Sommerurlaub erst auf den letzten Drücker plant, beschäftigt andere das Thema deutlich früher. Urlaubs-Blogger:innen berichten von Orten unberührter Natur und abgelegener Traum-Strände.

Doch so heil und idyllisch wie die Reisewelt scheint, ist sie überhaupt nicht. Denn die Auswirkungen der Klimakrise lassen einige beliebte Reiseziele (teilweise) von der Landkarte verschwinden. Welche das sind, erfährst du hier.

Australien: Korallensterben am Great Barrier Reef

Satte Farben und hohe Artenvielfalt: Das war einmal. Das Great Barrier Reef, das sich über 2000 Kilometer entlang der australischen Nordostküste erstreckt, wird sich kaum noch von den Folgen der Klimakrise erholen können.

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Das Unesco-Weltnaturerbe, das einst als Paradies von Taucher:innen gefeiert wurde, entpuppt sich mittlerweile als kahle Unterwasser-Wüste. Denn die globalen CO2-Emissionen lassen die Wassertemperaturen der Meere ansteigen. Die Folge: Die Korallen bleichen aus und sterben ab.

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Ein Touristen-Hotspot in Australien: das Great Barrier Reef.Bild: imago images / Pond5 Images

In den vergangenen 25 Jahren hat das Great Barrier Reef infolge ozeanischer Hitzewellen die Hälfte seiner Korallen verloren, heißt es in der "SZ". Auch die Landwirtschaft ist für das kollektive Korallensterben mitverantwortlich.

Venedig: die Stadt, die im Meer versinkt

Mit der Gondel durch den Canal Grande, romantischer geht es kaum. Unzählige Liebespaare treibt es in die italienische Hafenstadt Venedig, etwa 15 Millionen Gästen pro Jahr steuern das Reiseziel an – doch wie lange bleibt das noch so?

Expert:innen prognostizieren laut Analysen im Fachmagazin "Natural Hazards and Earth System Sciences" für die Region Venedig einen Anstieg des Meeresspiegels um mehr als einen Meter bis 2100. Auf lange Sicht sind dies schlechte Aussichten für die Lagunenstadt. Das weiß auch Klimaforscher Anders Levermann und resümiert gegenüber "Zeit Online":

"Venedig wird definitiv untergehen."

England: Küstenerosion an den Kreidefelsen von Sussex

Haven Brow, Brass Point oder Baily's Hill: Dies sind nur einige Namen von Kreidefelsen, die zur Kliffküste der Seven Sisters gehören. Im Süden von England, genauer genommen in Sussex, bestaunen etliche Urlauber:innen die kreideweißen Steilhänge. Auch im Filmklassiker "Robin Hood – König der Diebe" ist die historische Küste zu sehen.

Doch in den letzten 150 Jahren bröckelt immer mehr von den eindrucksvollen Kreidefelsen ins Meer. Mittlerweile sind es 22 bis 32 Zentimeter pro Jahr, wie eine Studie von Forschenden an der University of Glasgow offenlegt.

Heftige Stürme und eine wuchtigere Brandung setzen den Klippen immer häufiger zu. Einen direkten Zusammenhang zur Klimakrise sehen Expert:innen jedoch nicht. Trotzdem spielen menschliche Eingriffe, die den Felsen zum Bröckeln bringen, eine enorme Rolle.

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Die Felsenkette Seven Sisters ist eine beliebte Sehenswürdigkeit im Süden Englands. Bild: imago images / robertharding

Das Tote Meer: Beliebter Badeort vom Austrocknen bedroht

Zwischen Westjordanien, Israel und Jordanien liegt ein beliebter Badeort, der vom Austrocknen bedroht ist. Das Tote Meer ist der am tiefsten unter dem Meeresspiegel gelegene See der Erde. Jedes Jahr sinkt der Wasserspiegel des Sees mit dem hohen Salzgehalt um einen Meter; um das Jahr 2050 könnte er vollkommen ausgetrocknet sein.

Grund dafür ist vor allem die Wasserentnahme des Jordans, der in das abflusslose Tote Meer mündet. Das abgezapfte Wasser wird vorwiegend für die Trinkwasserversorgung und die Landwirtschaft genutzt. Mittlerweile werden 95 Prozent der Wasserzufuhr aus dem Jordan abgezweigt. Dadurch ist das Baden vielerorts unmöglich geworden. Wie lange das Meer also noch als beliebtes Reiseziel gelten wird, ist unklar.

Gletscherfrei bis 2030: Glacier National Park in Montana

Der Glacier National Park ist ein 4000 Quadratkilometer großes Wildnisgebiet, welches in den Rocky Mountains von Montana liegt. Seit 1995 zählt es auch zu den von der Unesco geschützten Weltnaturerben. Denn bekannt ist der Nationalpark vor allem für seine majestätischen Gletscher, die nach und nach zu schmelzen drohen. Einst waren es ganze 150, heute sind es lediglich 25 an der Zahl.

Bereits für das Jahr 2030 rechnen Forschende damit, dass der Park gletscherfrei sein wird. Und wie so häufig trifft den Menschen die Schuld. Denn "die höhere Geschwindigkeit des Abschmelzens ist eindeutig vom Menschen verursacht. Eine Umkehr ist nicht in Sicht – "nicht für tausende und abertausende Jahre“, befürchtet Klimawissenschaftler Steve Thompson im Interview mit "deutschlandfunk.de".

Anstieg des Meeresspiegels: kein Luxus-Urlaub auf den Malediven

Die ersten Urlauber:innen kamen im Jahr 1972 auf die Malediven. Damals wohnten sie in einfachen Hütten aus Korallen und Palmwedeln, heute nächtigen Gäste in riesigen Luxus-Resorts. Während der Inselstaat vor rund 50 Jahre seine Besucher:innen noch an einer Hand abzählen konnte, verzeichnete die Einwanderungsbehörde der Malediven laut "fvw" für das Jahr 2023 einen Besucherrekord von 1,8 Millionen Tourist:innen.

Das Reiseziel boomt, doch nicht mehr lange. Nach Schätzungen der Weltbank wird der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 voraussichtlich um zehn bis 100 Zentimeter ansteigen. Demnach könnte die Insel zum Ende des Jahrhunderts komplett überflutet sein. Bereits im Jahr 2050 werden 80 Prozent der Malediven nicht mehr bewohnbar sein.

Um ausreichend Lebensraum für Bewohner:innen und Tourist:innen zu schaffen, arbeitet die Regierung an einem Inselprogramm. Das Ziel: Neue Inseln errichten, die zwischen fünf und sechs Meter über dem mittleren Meeresspiegel liegen.

Erhalt der Artenvielfalt: Wildpferde im Rheinischen Revier ausgewildert

Das Rheinische Revier erstreckt sich großflächig zwischen Aachen, Mönchengladbach und Bonn. Das Bild ist hier vom Braunkohleabbau geprägt. Jedes Jahr trägt der Energiekonzern RWE 40 Millionen Tonnen Braunkohle ab – immer wieder wird das kritisiert und auch dagegen protestiert.

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