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Vegetarisch & vegan

Tiktok: Influencerin wettert gegen vegane Lebensmittel – das steckt dahinter

Augsburg, Bavaria, Germany - 29 August 2023: The V Label European Vegetarian Union on a package of vegan falafel. Vegan Food Label *** Das V Label European Vegetarian Union auf einer Packung veganer F ...
Vegane Ersatzprodukte sind im Trend. Doch wie gesund sind sie? Darüber wird heiß diskutiert. Bild: imago images / Bihlmayerfotografie
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Vegane Lebensmittel wie Kleister? Influencerin wettert gegen Inhaltsstoffe

23.11.2023, 19:40
Mehr «Nachhaltigkeit»

Vegane und vegetarische Produkte sind schon lange auf dem Vormarsch. Der im September vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlichte Ernährungsreport zeigt: Immer weniger Menschen in Deutschland essen täglich Fleisch. Gleichzeitig hat sich Anteil der Menschen, die auf Fleisch verzichten, seit 2020 verdoppelt.

Diskussionen zwischen Menschen, die Fleisch essen oder vegetarisch oder vegan leben, können mitunter dennoch in einer Art Glaubensstreit enden. Es geht um Tierwohl, Klimawandel, Ethik, Eigeninteressen und Gesundheit. Häufig zeigen sich Fleischesser:innen dabei skeptisch gegenüber den Inhaltsstoffen veganer Ersatzprodukte – so auch die Influencerin Bambis FoodLab

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"Wahrheit über vegane Lebensmittel" – Zweifelhafte Tiktok-Clips gegen Fleischersatz

Derzeit geht ein Video der Tiktokerin viral, in dem sie sich über vegane Ersatzprodukte echauffiert. Im Clip mit dem Namen "Die Wahrheit über vegane Lebensmittel" stört sie sich vor allem daran, dass die Veggie-Varianten in den Kühlregalen häufig hochverarbeitet sind.

Hochverarbeitete Lebensmittel – auch ultra-processed foods (UPF) genannt – sind verzehrfertige Produkte, die eine lange Liste an Zusatzstoffen, etwa Konservierungsstoffe oder Geschmacksverstärker, aufweisen und in mehreren Schritten industriell gefertigt werden.

Im Video beschwert sich Bambis FoodLab, die sich auf Instagram als "Ernährungsberaterin" bezeichnet, vor allem über die Verwendung des Zusatzstoffs Methylcellulose (E 461). Dieser komme in veganen Ersatzprodukten häufig vor, würde jedoch ebenfalls zur Herstellung von Tapetenkleister genutzt werden. Daraus folgert sie: "Vegane Ersatzprodukte sind keine echten Lebensmittel."

Anschließend weist die Tiktokerin darauf hin, dass Zusatzstoffe ungesund sind und speziell Methylcellulose, die tatsächlich in Tapetenkleister als Verdickungsmittel zu finden ist, zu chronischen Entzündungen der Darmschleimhaut führen kann. Das ist so weit richtig, führt jedoch in die Irre. Denn die Influencerin suggeriert, dass dadurch besonders veganes Essen ungesund sei. So sagt sie etwa, dass es erst seit dem Aufkommen von veganen Produkten mit den UPFs eine neue Kategorie von verarbeiteten Lebensmitteln gibt.

Zweites Video: Influencerin reagiert auf Kritik

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass nicht nur vegane Ersatzprodukte zu den sogenannten hochverarbeiteten Lebensmitteln gehören, sondern auch Fertiggerichte, Saucen, Chips, Softdrinks – und auch Wurstwaren. Moment, Wurstwaren? Richtig: Die Fleischerzeugnisse, die von vielen veganen Ersatzprodukte imitiert werden, sind häufig selbst hochverarbeitet. Wieso warnt Bambis FoodLab dennoch besonders vor dem Veggie-Ersatz?

In einem zweiten Video hat sie mittlerweile auf Kritik an ihrem Rant gegen vegane Lebensmittel reagiert. Dort gibt die Tiktokerin zu, dass beispielsweise auch viele hoch verarbeitete Fleischprodukte vergleichsweise ungesund sind. Der Unterschied liegt für sie darin, dass man bei diesen jedoch wüsste, wie schädlich sie seien, während vegane und vegetarische Produkte als gesund präsentiert würden:

"Kaufst du dir aber einen veganen Patty im Supermarkt in der grünen Verpackung und da steht drauf 'Auf Erbsenbasis', dann denkst du, dass du was Gesundes isst."

Sie kritisiert also vor allem einen Etikettenschwindel bei Veggie-Produkten.

Unpräziser Angriff gegen vegane Lebensmittel

Bei aller berechtigten Kritik der Ernährungs-Tiktokerin lässt sie dennoch Präzision und Ruhe vermissen. Sie beschwert sich darüber, dass man sie "mundtot" mache, nur weil Menschen ihr erstes Video bemängelten.

Zudem zeigt sie sich alarmiert darüber, dass der Konsum veganer Produkte "enorm" sei und dass in Deutschland jedes fünfte neu eingeführte Produkt laut einer Studie vegan ist. Dabei vergisst sie zum einen, dass darunter auch vegane Produkte fallen, die nicht hoch verarbeitet sind.

Zum anderen fallen unter die anderen 80 Prozent neu eingeführter Produkte ebenfalls viele – nicht vegane – UPFs und andere ungesunde Lebensmittel. Das zeigt auch die generelle Problematik von Bambis FoodLabs anti-veganen Rants: Was sie inhaltlich kritisiert, sind hoch verarbeitete Lebensmittel. Letztendlich wird diese Kritik jedoch durch eine unpräzise Diffamierung veganer Lebensmittel überdeckt.

Es gibt sogar Hinweise darauf, dass vegane UPFs gesünder sind als ihre konventionellen Pendants. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie in "The Lancet Regional Health" führen letztere im Gegensatz zu veganen Alternativen zu einem erhöhten Risiko von Multimorbidität, also einem gleichzeitigen Auftreten von Erkrankungen wie Krebs oder Stoffwechselproblemen.

Grüner Trend: Plant-Based-Produkte werden immer billiger

Immer mehr Lebensmittel-Discounter und Restaurants in Deutschland bieten inzwischen pflanzenbasierte Fleischalternativen an. Das ist bereits ein erster positiver Schritt hin zu mehr umweltfreundlicher Ernährung. Denn auf das globale Ernährungssystem sind bis zu 37 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen zurückzuführen.

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